Panorama

Ischgl-Trip endet in Quarantäne Wird der Ostalbkreis das neue Heinsberg?

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Après-Ski in Ischgl: Eine Gruppe aus dem Ostalbkreis brachte den Coronavirus von dort mit nach Deutschland.

(Foto: imago/Roland Mühlanger)

Regionale Ausbruchsherde wie Heinsberg haben bundesweite Auswirkungen. Im baden-württembergischen Ostalbkreis steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus drastisch. Verantwortlich dafür ist eine Reisegruppe aus dem Ski- und Partyort Ischgl.

Während im NRW-Kreis Heinsberg Teilnehmer einer Karnevalssitzung für die schlagartige Verbreitung des Coronavirus und eine hohe Fallzahl an Infizierten gesorgt haben, weist der Ostalbkreis in Baden-Württemberg eine ähnlich starke Ausbreitung infolge der Rückkehr einer Reisegruppe aus dem Skiort Ischgl auf. Die Gruppe von rund 200 Teilnehmern hatte den Virus nach einem Ski- und Partywochenende in Tirol in den Großraum Aalen gebracht. Nach der Rückkehr wurden zwei Infektionen bei Teilnehmern der Reise festgestellt, aktuell meldet der Kreis 109 bestätigte Corona-Fälle. Über 1000 Menschen befinden sich in Quarantäne.

In Heinsberg entstanden aus einer Karnevalssitzung mit Hunderten Teilnehmern 755 Infizierte, Tausende befinden sich in Quarantäne, acht Menschen aus der Region sind bereits an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Der Ostalbkreis ist bevölkerungstechnisch fast zehnmal so groß und birgt entsprechend ein größeres Risikopotenzial.

Parallelen zum Kreis Heinsberg sehe man derzeit aber nicht, sagt die Pressereferentin des Ostalbkreises, Susanne Dietterle ntv.de: "In Baden-Württemberg liegen wir hinsichtlich der Erkrankungszahlen im Mittelfeld." Die Kliniken Ostalbkreis mit drei Standorten seien mit zusammen über 1.000 Betten gut auf steigende Infiziertenzahlen vorbereitet. "Analog der weltweiten Entwicklung der Corona-Pandemie rechnen wir natürlich - wie alle anderen Landkreise im übrigen auch - mit einem Anstieg der Corona-Erkrankten", so Dietterle.

Das Robert-Koch-Institut hat das Geschehen nach eigenen Angaben im Blick. "Nicht nur aus Ischgl, sondern auch aus anderen Skigebieten ist das Virus importiert worden", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Tirol in der Kritik

Die regionalen Infektionsherde haben bundesweite Auswirkungen. "Das Ausbruchsgeschehen, das wir im Moment haben, hat viel zu tun mit den Rückkehrern aus dem Skiurlaub. Südtirol, Österreich, Schweiz", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Aus den Skigebieten heraus habe sich das Virus in ganz Europa verbreitet. Er appelliere deswegen nochmals an Heimkehrer, nach der Rückkehr möglichst zwei Wochen zu Hause zu bleiben.

In der Kritik steht vor allem das Krisenmanagement des österreichischen Bundeslands Tirol. Eine Bar im Wintersportort Ischgl soll dort nach Bekanntwerden einer Infektion eines Barkeepers nicht rasch genug geschlossen worden sein. Doch Tirol weist die Kritik zurück.

Am 13. März wurden Ischgl und das Paznauntal wegen der vielen Infektionsfälle zur Sperrzone erklärt. Nur Urlauber konnten das Gebiet noch verlassen. Landeschef Günther Platter wies die Vorwürfe zurück, die Behörden hätten nicht schnell und konsequent genug reagiert. Das Land habe "das Menschenmögliche getan, dass es nicht ein komplettes Chaos gegeben hat".

Quelle: ntv.de

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