Politik

"Keiner will ihn als Nachbarn" AfD-Vize Gauland beleidigt Boateng

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AfD-Politiker Alexander Gauland hat selbst Probleme mit den Nachbarn: Ende April flogen Farbbeutel gegen sein Haus in Potsdam.

(Foto: picture alliance / dpa)

Millionen Fans jubeln ihm in den Stadien zu - aber als Nachbarn wollen sie Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng nicht haben: Das behauptet zumindest der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland und bringt sich damit selbst in die Schusslinie.

Es ist eine Entgleisung ganz nach dem fragwürdigen Vorbild von Pegida: Nachdem die fremden- und Islamfeindliche Bewegung vor wenigen Tagen gegen Fußballnationalspieler mit ausländischen Wurzeln geschossen hatte - darunter auch gegen Jérôme Boateng, legt der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland nun in einem "FAS"-Interview nach. "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut", sagte der 75-Jährige. "Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Wie er zu dieser Einschätzung kommt, ließ Gauland offen. Allerdings gebe es unter den AfD-Anhängern die Sorge, "dass eine uns fremde Religion sehr viel prägender ist als unsere abendländische Tradition". Die Reaktion vom Deutschen Fußballbund ließ nicht lange auf sich warten. DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte, es sei "einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft "für politische Parolen zu missbrauchen". Millionen Fußballfans liebten die Nationalmannschaft, "weil sie so ist, wie sie ist".

Boateng sei "ein herausragender Spieler und ein wunderbarer Mensch, der sich übrigens auch gesellschaftlich stark engagiert", so Grindel. Vor allem für viele junge Menschen sei er deshalb ein Vorbild. Auch in der Bundespolitik sorgten die Äußerungen Gaulands für Kopfschütteln. Bundesjustizminister Heiko Maas bezeichnete die Äußerungen als "niveaulos und inakzeptabel". "Wer so redet, entlarvt sich selbst - und das nicht nur als schlechter Nachbar". Grünen-Politiker Özcan Mutlu schrieb via Twitter: "Keiner will Gauland als Nachbar! Die AfD sollte sich schleunigst bei unserem Weltmeister Boateng entschuldigen!"

Boateng ist gläubiger Christ

Aus den Reihen des DFB-Teams selbst kam ein gelassener Kommentar. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit solchen Aussagen konfrontiert werden", sagte der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, zu Gaulands Fehltritt. "Sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine."

Boateng wurde 1988 in West-Berlin geboren. Er hat eine deutsche Mutter - sein Vater stammt aus Ghana. Was Gauland womöglich auch nicht weiß: Boateng ist kein Muslim, sondern gläubiger Christ. Auf seinen rechten Oberarm hat er sich vor Jahren sogar ein Kreuz als Bekenntnis zu seinem Glauben tätowieren lassen.

Quelle: n-tv.de, jug