Politik

Iran bietet dem Irak Hilfe an Bagdad erwartet den Angriff der Isis

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Dieser Screenshot aus einem Video zeig einen Isis-Kämpfer in Tikrit. Hinter ihm steht ein brennender Wagen der irakischen Armee.

(Foto: AP)

Aus drei Richtungen rücken die Kämpfer der Isis gegen Bagdad vor. Dort werden massive Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Politiker und Geistliche rufen zum Widerstand auf. Die UN berichten von willkürlichen Hinrichtungen der Islamisten.

In Bagdad bereiten sich Sicherheitskräfte und Bürger auf mögliche Angriffe der Dschihadisten-Miliz Isis vor. Augenzeugen berichteten über massive Sicherheitsmaßnahmen. Polizei und Soldaten patrouillierten durch wichtige Straßen, neue Kontrollposten wurden aufgebaut. "Die Sicherheitskräfte sind in maximaler Alarmbereitschaft", verlautete aus Sicherheitskreisen.

In den Geschäften standen demnach Menschen Schlange, um sich mit Lebensmitteln und Medikamenten auszustatten. Zahlreiche Freiwillige meldeten sich zudem bei den Behörden, um sich bewaffnen zu lassen und Bagdad im Notfall gegen die Aufständischen der Organisation Islamischer Staat in Irak und Syrien (Isis) zu verteidigen.

Aus mindestens drei Richtungen rücken die Dschihadisten auf Bagdad vor. In einem Umkreis von weniger als hundert Kilometern näherten sie sich der Hauptstadt aus den Provinzen Al-Anbar im Westen, Salaheddine im Norden und Dijala im Osten. Trotz der Gewalt im Irak lehnte US-Präsident Barack Obama die Entsendung von Truppen in den Irak ab. Er wolle jedoch "andere Optionen" prüfen, sagte er in Washington.

Vormarsch nur stellenweise gestoppt

Iraks Ministerpräsident Nuri Al-Maliki sagte, die Sicherheitskräfte hätten mit der "Befreiung" der von Dschihadisten eingenommenen Städte im Norden des Landes begonnen. Er ließ offen, wo und wann die Einsätze dazu begannen. Der irakischen Armee gelang es zunächst nur regional, den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen. Der Vormarsch von Isis im Ostirak wurde von kurdischen Truppen aufgehalten, die die vollständige Kontrolle über Kirkuk übernommen haben und ihren Einfluss in der Region weiter ausbauen.

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In Mossul spielen Kinder mit einem Armeehelm, den Soldaten nach der Flucht vor der Isis zurückgelassen haben.

(Foto: AP)

In den vergangenen Tagen hatte die Isis zunächst die Millionenstadt Mossul und dann die gesamte Provinz Ninive sowie weitere nördliche Städte und Regionen erobert. Die Isis ist auch in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt. Nach Angaben syrischer Oppositioneller schaffen die Islamisten ihre im Irak erbeuteten Waffen über die Grenze nach Syrien. Bewohner in der Region berichteten, dass die Islamisten mit Planierraupen Breschen in die Erdwälle schlugen, die bislang beide Staaten trennen. Isis will einen islamistischen Staat im Irak und im historischen Groß-Syrien errichten, zu dem sie auch das heutige Jordanien und Israel zählen.

In den neu eroberten Gebieten im Irak veröffentlichte die Isis Verhaltensregeln auf der Grundlage des islamischen Rechts. Diese beinhalten ein Verbot von Alkohol und Zigaretten. Frauen müssten sich komplett verhüllen und dürften nur weite Kleidung tragen.

Aufrufe zum Widerstand

Der frühere irakische Übergangsregierungschefs Ijad Allawi rief seine Landsleute auf, in der Krise zusammenzustehen. In einer Mitteilung appellierte er an die Bürger des Landes, wieder eine Koalition der Nationalen Einheit zu bilden und alle Differenzen hinter sich zu lassen.

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Im Norden des Irak bauen die Kurden ihren Einfluss aus.

(Foto: REUTERS)

Auch der irakische Großajatollah Ali al-Sistani rief seine schiitischen Glaubensbrüder zum Widerstand auf. Wie ein Vertrauter des schiitischen Geistlichen in seiner Freitagspredigt in Kerbela verkündete, seien alle Schiiten zum Widerstand gegen die sunnitischen Isis-Kämpfer aufgefordert, berichtete die unabhängige arabische Nachrichtenseite "Ilaf".

Die irakische Regierung sperrte derweil den Zugang zu mehreren sozialen Netzwerken, darunter Facebook, Twitter und YouTube. Die irakische Regierung nannte keine Gründe für die Sperren. Die Netzwerke werden von Isis-Anhängern genutzt, um Fotos und Videos ihrer Eroberungen im Irak zu teilen.

Der schiitisch geprägte Iran sagte der geschwächten irakischen Regierung seine Unterstützung zu. Teheran wolle helfen, "das Massaker und die Straftaten der Terroristen zu bekämpfen", sagte Präsident Hassan Ruhani in einem Telefonat mit al-Maliki. Unbestätigten Berichten zufolge soll Teheran bereits Elitetruppen in den Irak geschickt haben. Auch China erklärte sich bereit, der irakischen Regierung zur Seite zu stehen.

UN beklagt willkürliche Hinrichtungen

Nach Einschätzung der UN kamen in den vergangenen Tagen mehrere hundert Zivilisten im Irak ums Leben. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay berichtete von willkürlichen Hinrichtungen. "Das volle Ausmaß der zivilen Opfer ist bisher nicht genau überschaubar", sagte sie in Genf. Die Kämpfer der radikal-islamischen Terrorgruppe Isis hätten zusammen mit befreiten Gefangenen Zivilisten erschossen. Mehrere Frauen sollen Selbstmord begangen haben, nachdem sie vergewaltigt oder zur Heirat mit Isis-Kämpfern gezwungen worden seien. Eine halbe Million Menschen sei inzwischen auf der Flucht.

Isis selbst verbreitet im Internet Fotos von hingerichteten Soldaten und Polizisten. "Isis hat Listen mit Polizisten, Soldaten und Politikern", zitierte die kurdische Nachrichten-Plattform "Rudaw" einen Flüchtling aus Mossul. "Wenn du an einem Kontrollpunkt erwischt wirst und auf der Liste stehst, töten sie dich."

Das türkische Außenministerium forderte seine Bürger zum Verlassen der umkämpften Regionen des Landes auf. Zu "ihrer eigenen Sicherheit" sei den Türken dringend geraten, die Städte und Provinzen Mossul, Kirkuk, Salaheddin, Dijala, al-Anbar und Bagdad zu verlassen, erklärte das Ministerium. Dort sei die Lage derzeit am unsichersten. Am Mittwoch hatten die Aufständischen zudem das türkische Konsulat in Mossul gestürmt und 48 Geiseln genommen, darunter den Konsul. Die Verhandlungen über ihre Freilassung dauerten an.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP/rts