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Krieg im Jemen Bericht: Saudis bombardieren Schulen

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Rauch über Sanaa - ein gewohntes Bild im Jemen.

dpa

Mehr als 8600 Luftangriffe fliegt die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition seit Kriegsbeginn 2015 im Jemen. Auf Zivilisten nimmt die saudische Führung dabei offenbar nur wenig Rücksicht. Nach einem neuen Bericht sind ein Drittel ihrer Ziele zivil.

Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen haben offenbar viele zivile Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder Moscheen zerstört. Der britische "Guardian" berichtet von mehr als 8600 Luftschlägen seit März 2015. In 3577 Fällen seien militärische Einrichtungen getroffen worden; 3158-mal habe es sich allerdings um zivile Einrichtungen gehandelt - das wäre gut ein Drittel. In 1882 Fällen war keine genaue Einordnung möglich.

Der "Guardian" beruft sich in seinem Bericht auf Zahlen des "Yemen Data Project". Dabei handelt es sich um eine Gruppe Wissenschaftler und Menschenrechtler, die der Militärkoalition Verstöße gegen die Menschenrechte vorwirft. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Luftangriffe mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen 3799 Zivilisten.

Die saudische Führung wies die Zahlen als "erheblich übertrieben" zurück. Sie betonte, die Angriffe richteten sich immer gegen die Huthi-Rebellen und ihre Mitglieder. Zudem erklärte sie, dass die Rebellen etliche zivile Einrichtungen wie Schulen in Kommandozentralen und Waffenlager umgewandelt hätten.

Großbritannien in Erklärungsnot

Der Bericht setzt neben der saudischen Führung auch die britische und die US-Regierung unter Druck. Genauso wie Deutschland liefern sie Waffen an Saudi-Arabien. Zusätzlich unterstützen London und Washington aber auch die Militärkoalition - mit dem Anspruch, zivile Opfer zu vermeiden.

Das saudische Militärbündnis geht seit März 2015 gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten in der Armee vor. Diese hatten zuvor die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zur Flucht nach Saudi-Arabien gezwungen.

Schon in der Vergangenheit war der Militärkoalition immer wieder vorgeworfen worden, in dem Konflikt Zivilisten und zivile Einrichtungen ins Visier zu nehmen. Erst vor wenigen Tagen sollen bei einem Luftangriff auf eine Baustelle nahe der Hauptstadt Sanaa mindestens 22 Zivilisten getötet worden sein. Sie wollten demnach gerade einen Brunnen bauen.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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