Politik

Lukaschenko über Putin "Bin nicht mehr der letzte Diktator Europas"

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Lukaschenko und Putin bei einem Treffen Anfang März in Moskau

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko wird eigentlich ein enges Verhältnis zu Wladimir Putin nachgesagt. In einem Interview spricht er über den Ukraine-Konflikt und den russischen Präsidenten - mit überraschender Distanz.

Sie umarmten sich, lachten und scherzten - das zeigen die Bilder von Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin beim Ukraine-Krisengipfel Anfang Februar in Minsk. Eigentlich gilt das Verhältnis der beiden als sehr gut. Doch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" hat sich der weißrussische Präsident nun durchaus kritisch über den Kremlchef geäußert.

"Ich bin nicht mehr der letzte Diktator Europas. Es gibt Diktatoren, die ein wenig schlimmer sind als ich, nicht wahr? Ich bin jetzt das kleinere Übel", sagte Lukaschenko, der seit 1994 an der Macht ist, mit einem Schmunzeln.

Der 60-Jährige widerspricht dem Vorwurf, Putin wünsche sich die Sowjetunion zurück. Dennoch wirft er dem russischen Präsidenten vor, er habe beim Thema Ukraine übermäßig emotional reagiert. "Man muss vorsichtig mit Russland umgehen", sagte er.

Zum Thema Sanktionen sagte Lukaschenko: "Sie beeinträchtigen uns ernsthaft." Die Strafmaßnamen, der Kapitalabfluss aus Russland, die sinkenden Exporterlöse durch Öl und die sinkende Nachfrage nach weißrussischen Produkten bereite der Wirtschaft große Schwierigkeiten. Der weißrussische Präsident räumt ein: Man habe nicht viel Zeit gehabt, sich vom russischen Markt zu emanzipieren und in Richtung anderer Märkte zu orientieren.

Im Ukraine-Konflikt spricht sich Lukaschenko für eine aktive Rolle der USA aus. Es sei "besorgniserregend", dass die USA zuletzt nicht an den Friedensverhandlungen teilgenommen haben. Das Minsker Abkommen war vor zwei Monaten in seinem Präsidentenpalast in Minsk vereinbart worden.

Gegenüber dem Waffenstillstand ist Lukaschenko jedoch skeptisch. Das Misstrauen zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten sei so groß, dass er fürchte, das Schlimmste stehe erst noch bevor. "Das kann alles in einem Krieg enden", so Lukaschenko.

Quelle: ntv.de, cro

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