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Hinweise auf Terror-Angriffe Bundesregierung warnt vor Anschlägen in Istanbul

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Die öffentlichen Verkehrsmittel könnten mögliche Anschlagsziele sein, warnt das Auswärtige Amt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Auswärtige Amt verschärft seine Reisehinweise für die Türkei: Es gebe Hinweise auf mögliche Anschläge - ganz konkrete Ziele könnten die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul sein. Die Bundesregierung fürchtet, dass es zur Eskalation kommen könnte.

Die Bundesregierung warnt vor Anschlägen in der Türkei, insbesondere in der Metropole Istanbul. Nachdem das Auswärtige Amt bereits am Montag vor Terroranschlägen gewarnt hatte, verschärfte es die Reisehinweise erneut. "Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul", heißt es nun. In allen Landesteilen müsse "weiterhin grundsätzlich von einer terroristischen Gefährdung ausgegangen werden". Ferner rät das Auswärtige Amt, belebte Plätze in Innenstädten sowie öffentliche Verkehrsmittel wenn möglich zu meiden.

Das Auswärtige Amt empfiehlt noch einmal, sich nicht in der Nähe der Grenzen zu Syrien und Irak aufzuhalten und insbesondere Grenzanlagen zu meiden. Vor allem in Grenznähe bestehe die Gefahr von weiteren terroristischen Anschlägen und Entführungen von ausländischen Staatsangehörigen.

Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz sprach von einer "gewissen Instabilität" und der Gefahr, dass es zu einer Eskalation in der Türkei kommen könnte. Hintergrund ist die Offensive der türkischen Armee gegen die radikalislamische IS-Miliz und die Kurdische Arbeiterpartei PKK. Beide Organisationen haben Vergeltung angekündigt. Die Bundesregierung rief die Türkei erneut auf, den Aussöhnungsprozess mit den Kurden und der PKK fortzusetzen und nicht abzubrechen.

Weniger Touristen

Zuvor hatte das Tourismus-Ministerium in Ankara mitgeteilt, dass die Zahl der ausländischen Besucher im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent auf 14,9 Millionen zurückgegangen sei. Neben Deutschland haben auch andere Staaten wie die USA und Großbritannien ihre Reisehinweise für die Türkei seit Beginn der türkischen Militäraktionen gegen den IS und gegen Kurden in den vergangenen Tagen verschärft.

Auch die Bundeswehr hat ihre Sicherheitsmaßnahmen für die in der Südtürkei stationierten Bundeswehrsoldaten hochgefahren. "Wir haben allgemein unsere Absicherungsmaßnahmen erhöht", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Das sei "im Zusammenspiel" mit den türkischen Streitkräften geschehen, die ebenfalls "weitere Maßnahmen" ergriffen hätten. Als Beispiele nannte der Sprecher Ausgangssperren und eine verstärkte Sicherung der Kaserne durch türkische Kräfte.

Es gebe jedoch derzeit "keine Anzeichen dafür, dass sich die Sicherheitslage verändert hat", fügte der Sprecher im Hinblick auf die Bundeswehrsoldaten hinzu. Nahe der südtürkischen Stadt Kahramanmaras, rund hundert Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt, sind seit rund zweieinhalb Jahren deutsche Soldaten stationiert. Sie sollen mit Hilfe von "Patriot"-Flugabwehrraketen den Nato-Bündnispartner Türkei vor Beschuss aus Syrien schützen.

Linke fordert Sondersitzung

Die Türkei hat einen doppelten "Krieg gegen den Terrorismus" ausgerufen, der sich gleichzeitig gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) richten soll. Die türkische Armee griff in den vergangenen Tagen wiederholt IS-Stellungen in Syrien sowie PKK-Stützpunkte in der Türkei und im Irak an.

Die Linken im Bundestag hat angesichts der türkischen Luftangriffe auf die PKK eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses beantragt. Bei dem Treffen kommende Woche solle die Bundesregierung darlegen, wie sie "dieses Agieren eines Nato-Mitgliedslandes und EU-Beitrittskandidaten bewertet und welche Konsequenzen dies haben wird", erklärte der Obmann Stefan Liebich. Auch in Anbetracht der Aufkündigung des Friedensprozesses durch Präsident Erdogan und mit Blick auf die in der Türkei stationierten Bundeswehrsoldaten müsse "die stillschweigende Kumpanei der Bundesregierung mit Präsident Erdogan beendet werden", erklärte er.

Ankara greift hart gegen angebliche Anhänger der PKK, des IS sowie regierungskritische linke Gruppierungen durch. In den vergangenen Tagen seien mehr als 1300 Verdächtige festgenommen worden, teilte die Regierung mit. Die Zahl wurde nicht aufgeschlüsselt. Nach Angaben von Kurdenvertretern handelt es sich zu einem großen Teil um Mitglieder kurdischer und linker Gruppen.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa/rts

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