Politik

Richtungswahl in Großbritannien Cameron und Miliband liegen Kopf an Kopf

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Großbritannien im Wahlfieber, hier Nigel Farage bei der Abschlussveranstaltung der UKIP in Broadstairs: "Nach einem langweiligen Wahlkampf beginnt das eigentliche Drama."

(Foto: REUTERS)

Wer stellt in London künftig die Regierung? In den letzten Stunden vor der Öffnung der Wahllokale sprechen Beobachter von einem dramatischen Finale nach einem vergleichsweise zähen Wahlkampf. Die beiden stärksten Kräfte liegen gleich auf.

Das wird spannend: Vor der Parlamentswahl in Großbritannien bestätigen die letzten Meinungsumfragen die Erwartungen. Demnach dürfte das Vereinigte Königreich in der Wahlnacht ein sehr knappes Rennen zwischen den regierenden Tories von Premierminister David Cameron und der oppositionellen Labour-Partei von Ed Miliband erleben. Die Wahllokale öffnen an diesem Donnerstag.

Die am Vorabend des Wahltages veröffentlichten Umfragen der Institute YouGov, ICM und Survation sahen die beiden Parteien gleichauf mit jeweils 34 Prozent, 35 Prozent oder 31,4 Prozent. Andere Erhebungen sehen allenfalls einen hauchdünnen Vorsprung. In den Umfragen von TNS, Opinium und Comres lagen Camerons Konservative ein Prozentpunkt vor Labour: TNS ermittelte einen Stand von 33 zu 32 Prozent und Opinium sowie Comres von 35 zu 34 Prozent. In einer Umfrage von Panelbase lag Labour hingegen mit 33 Prozent vor den Tories mit 31 Prozent.

"Drama am Freitag"

Die letzten Umfragen, die vor dem Urnengang veröffentlicht werden durften, zeigten, "dass Labour und die Konservativen Gleichstand erreicht haben", erklärte die Chefin für Politik und Soziales beim Institut TNS, Michelle Harrison. "Wir erleben ein Großbritannien im politischen Fluss. Und nach einem langweiligen Wahlkampf beginnt das eigentliche Drama am Freitag", sagte sie mit Blick auf die Auszählung der Stimmen, die sich wohl bis zum Wochenende hinziehen dürfte.

Wahlentscheidend dürfte aller Voraussicht nach - neben der tatsächlichen Wahlbeteiligung - wohl auch das Stimmverhalten in der Masse der Unentschlossenen sein. Laut Comres wusste zuletzt jeder vierte Wahlwillige noch nicht sicher, welcher Partei er seine Stimme gibt. Als unwahrscheinlich gilt, dass eine der beiden großen Parteien die absolute Mehrheit im 650 Sitze zählenden Parlament erreichen kann. Nach der Auszählung der Stimmen wird sich die stärkste Kraft daher auf die Suche nach einem Koalitionspartner machen müssen. Experten schließen eine wochenlange Hängepartie nicht aus.

Liberale, Schotten, Ukip

Wahrscheinlichster Koalitionspartner von Camerons Tories sind die Liberaldemokraten von Nick Clegg, die seit 2010 als Juniorpartner in der Regierung sitzen. Auch eine von der Schottischen Nationalpartei (SNP) tolerierte Labour-Minderheitsregierung ist denkbar.

Mit Spannung wird zudem das Abschneiden der EU-feindlichen United Kingdom Independence Party (Ukip) erwartet. Die Wahllokale sind am Donnerstag von 08.00 bis 23.00 Uhr (MESZ) geöffnet. Prognosen werden unmittelbar im Anschluss erwartet, das vorläufige amtliche Endergebnis soll am Freitag bekannt gegeben werden.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP