Politik

Trump bremst die G20 aus Der ätzende Gipfel-Gegner

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Hält nicht viel vom G20-Gipfel und anderen internationalen Konferenzen: US-Präsident Trump.

(Foto: REUTERS)

Der G20-Gipfel in Osaka droht wegen Donald Trump zu platzen. Am Ende gelingt es zwar, eine gemeinsame Abschlusserklärung zu formulieren. Doch es ist ein Dokument des Scheiterns - weil die USA und ihr Präsident wieder ausscheren.

Es ist absurd: Der komplette G20-Gipfel dreht sich um Donald Trump, obwohl er der größte Gegner dieser internationalen Treffen ist. Wird er irgendein Zugeständnis beim Klimaschutz machen? Treibt er den Handelskrieg mit China weiter? Und welchen Staat oder Regierungschef beleidigt er als nächstes? Bleiben sie dran, der nächste Tweet ist schon unterwegs!

Es ist wirklich ätzend, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser US-Präsident wirkt wie eine Säure auf die Absicht der Anderen, globale Probleme über geografische, ideologische und kulturelle Grenzen hinweg zu lösen. So wird der mühsam errungene Kompromiss von Osaka zum Dokument des Scheiterns. Bei den drängenden globalen Fragen müssten die großen Industrie- und Schwellenländer eigentlich schnell vorangehen, doch sie können nur Stillstand verkünden. Denn Trump bremst die G20 aus. Danke, Donald.

Im japanischen Osaka zeigt sich wieder: Trump ignoriert, dass alle Staaten der Welt vor denselben transnationalen Herausforderungen stehen. Der Klimawandel kennt genauso wenig nationale Grenzen wie Terroristen, Datenströme oder der Welthandel. Doch der US-amerikanische Präsident sucht keine Partner, um sich diesen Herausforderungen gemeinsam zu stellen. Er kennt nur Konkurrenten.

Nachahmer für "Mein-Land-zuerst-Kurs"

Auch früher, vor Trump, war diese internationale Zusammenarbeit oft eher Wunsch als Wirklichkeit. Aber immerhin war sie ein Wunsch. Deshalb haben sich die G20 zusammengefunden - ein sehr vielfältiger Klub aus Demokraten und Despoten, Ölmilliardären und Empfängern von Entwicklungshilfe. Seit 2008 treffen sich Staats- und Regierungschefs in diesem Format. In der Finanzkrise leitete sie der Gedanke, dass durch bessere Kooperation alle gewinnen könnten.

Dieser Gedanke war Donald Trump immer fremd und er ist im G20-Klub nicht mehr der einzige. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin, der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan oder Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro fahren erfolgreich den "Mein-Land-zuerst-Kurs". Sie gaukeln den Menschen in ihren Ländern erfolgreich vor, dass nationaler Egoismus sie vor den Zumutungen der Globalisierung bewahren könnte. Damit aber zerstören sie internationale Plattformen wie G20 oder die Welthandelsorganisation, die allein eine Chance bieten, diese Globalisierung zu steuern.

Die anderen Staaten suchen nun neue Allianzen: Die EU schließt mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten das größte Freihandelsabkommen ihrer Geschichte ab und Deutschland sitzt beim Widerstand gegen US-Zölle mit China und Indien in einem Boot. Doch die Welt wird kein besserer Platz, wenn sie wieder in konkurrierende Staaten und Regionen zerfällt. Leider ist es genau das, was Donald Trump möchte. Und er hat Erfolg damit. Es ist ätzend.

Quelle: n-tv.de

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