Politik

Katerstimmung statt Begeisterung Deutsche wegen Flüchtlingen verunsichert

Die gestiegenen Flüchtlingszahlen bereiten einer wachsenden Zahl von Deutschen Sorgen. Mehr als die Hälfte gibt in einer Umfrage an, dass ihnen der Zustrom Angst mache. 39 Prozent der Befragten sorgen sich sogar um ihren Wohlstand.

Angesichts der vielen nach Deutschland kommenden Flüchtlinge steigt die Verunsicherung in der Bevölkerung. 51 Prozent der Befragten gaben laut ARD-"Deutschlandtrend" an, ihnen mache der Zustrom so vieler Menschen Angst. Vor drei Wochen waren es noch 38 Prozent, also 13 Prozentpunkte weniger. Für 47 Prozent ist das Flüchtlingsthema allerdings nicht angstbesetzt.

39 Prozent der Befragten äußerte die Sorge, die Flüchtlinge könnten den Wohlstand in Deutschland bedrohen, 59 Prozent erwarten dies nicht. 58 Prozent zeigten sich überzeugt, dass Flüchtlinge perspektivisch auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden, während 37 Prozent gegenteiliger Auffassung sind.

47 Prozent empfinden die Flüchtlinge als Bereicherung des Lebens in Deutschland - 45 Prozent allerdings nicht. Insgesamt bewerteten 35 Prozent der Befragten Zuwanderung allgemein als eher vorteilhaft. 44 Prozent sehen überwiegend Nachteile. Anfang September überwogen noch für 45 Prozent die Vorteile und für 33 Prozent die Nachteile.

Tatsächliche Zahl der Migranten unbekannt

Im September wurden in Deutschland mehr als 160.000 Flüchtlinge registriert. Die tatsächliche Zahl der Angekommenen liegt aber deutlich höher. Mit der Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel, in Ungarn festsitzenden Flüchtlingen die Einreise nach Deutschland zu erlauben, hatte sich die Entwicklung beschleunigt. Trotz der vorübergehend wiedereingeführten Grenzkontrollen können Flüchtlinge einreisen, wenn sie hier einen Asylantrag stellen wollen.

Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen stoßen mehrheitlich auf Zustimmung. 80 Prozent halten es für richtig, mit Albanien, Kosovo und Montenegro weitere Balkan-Staaten als sichere Herkunftsländer einzustufen, in die Flüchtlinge leichter zurückgeschickt werden können. Einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt wollen 79 Prozent der Befragten. Eine Umstellung von Geld- und Sachleistungen für Asylbewerber begrüßen 71 Prozent.

Eine Mehrheit von 77 Prozent würde zudem ein Gesetz begrüßen, das regelt, wie Zuwanderer auf deutsche Grundwerte verpflichtet werden. 76 Prozent sprachen sich für mehr legale Einreisemöglichkeiten nach Europa aus. Dies sind allerdings neun Prozentpunkte weniger als vor einem Monat.

Schäuble für neues Asylrecht

Nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Spannungen hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für die schnellstmögliche Schaffung eines europäischen Asylrechts ausgesprochen. "Wir brauchen ein europäisches Asylrecht und eine europäische Asylpolitik - und zwar schnell!", sagte Schäuble der "Welt".

Flüchtlinge müssten "zwar weiterhin großzügig" aufgenommen werden können, sagte Schäuble. "Aber wir dürfen uns dabei nicht in einen Zustand bringen, in dem Europa sich selbst zerstört." Daher müsse der "Zugang nach Europa" kontrolliert werden. Zäune zum Schutz der europäischen Grenzen lehnte Schäuble hingegen ab und bezeichnete einen solchen Ansatz als "undenkbar".

Quelle: ntv.de, ppo/dpa