Politik

n-tv Frühstart "Für Alte heißt Armut: lebenslänglich"

Die Grundrente löst nicht das Problem der Altersarmut. Nach Erhebungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist das Armutsproblem viel größer und führt oft in die Einsamkeit. Die Bürgergesellschaft müsse helfen, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Die Grundrente löst aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands nicht das Problem der Altersarmut. "Wenn die Grundrente so kommt, wie es jetzt diskutiert wird, haben etwa 1,5 Millionen alte Menschen, die wirklich wenig haben, mehr im Portemonnaie. Das ist schön, das kann helfen. Aber das Problem ist viel größer", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. beim n-tv Frühstart. Grundrente würde nur bekommen, wer 35 Jahre eingezahlt habe. "Die meisten alten, armen Menschen kommen nicht auf diese Jahre und bleiben deshalb arm."

Die Altersarmut habe zugenommen, sagte Schneider weiter. "Sie ist ein riesiges Problem, und Altersarmut geht nun mal sehr oft mit Alterseinsamkeit einher. Armut spiele eine große Rolle, weil alles Geld koste. "Wer heute von Altersgrundsicherung leben muss, also rund 430 Euro im Monat, der kann nicht mehr mit seinen Freundinnen und Freunden ins Café gehen. Das ist nicht mehr drin. Der kann nicht mehr ins Kino, ins Theater gehen. Auch der kleine Ausflug mit der Pfarrgemeinde fällt flach, weil man einfach diese paar Euro nicht mehr beibringen kann." In dem Moment heiße Armut gerade für alte Menschen Rückzug. "Und für alte Menschen heißt Armut dann leider auch meist lebenslänglich."

Es gibt eine ungeheure Scham zu sagen: Ich habe ein Problem

Laut Schneider suchen die meisten alten Menschen den Grund für Einsamkeit bei sich selbst. "Es gibt da eine ungeheure Scham bei Menschen, die einsam sind, zu sagen: 'Ich habe ein Problem'. Da ist schon eine Schwelle da", sagte Schneider weiter. "Die meisten Menschen sehen das so: 'Wenn ich einsam bin, meist im Alter, hab ich verloren. Dann hab ich mein Leben schlecht gelebt. Das muss etwas mit mir zu tun haben.'"

Das Problem zunehmender Einsamkeit im Alter kann nach Schneiders Ansicht nur die Bürgergesellschaft lösen. "Der Staat kann helfen, er kann Nachbarschaftsheime, Seniorengenossenschaften, Pfarrgemeinden stärker unterstützen als es jetzt der Fall ist." Deutschland brauche solche Strukturen, aber "die müssen aus der Zivilgesellschaft heraus erwachsen. Der Staat kann da nur helfen, aber er kann es nicht regeln, machen wir uns nichts vor", sagte Schneider.

Von der in der Union diskutierten Dienstpflicht hält Schneider nichts. "Die Dienstpflicht ist unsinnig. Was wir brauchen, sind im freiwilligen Bereich gerade auch junge Menschen, die engagiert sind, die ein Herz dafür haben, die eine Neigung haben mit anderen umzugehen, anderen helfen zu wollen. Aber was wir nicht brauchen, sind irgendwelche Leute, die dahin gezwungen werden", so Schneider. "Wir sagen: Freiwilligkeit hat Vorrang. Wenn die CDU was tun will, dann soll sie die Freiwilligendienste stärken in Deutschland. Da haben wir noch Potenzial, da können wir noch viel machen."

Quelle: ntv.de, fni