Politik

"Kräfte wollen Putin loswerden" Gorbatschow warnt vor Vorverurteilung

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(Foto: REUTERS)

Gorbatschow spricht von "Kräften, die versuchen, Wladimir Putin loszuwerden" und warnt den Westen davor, den Mord am Kremlkritiker Nemzow für antirussische Tendenzen zu missbrauchen. Politiker in aller Welt würdigen den Oppositionspolitiker.

Der Friedensnobelpreisträger und frühere Kremlchef Michail Gorbatschow hat nach dem Mord an Boris Nemzow vor einer Destabilisierung der Lage in Russland gewarnt. "Das ist ein Versuch, die Situation zu verschlimmern, vielleicht sogar die Lage im Land zu destabilisieren, die Konfrontation zu verschärfen", sagte Gorbatschow. Nemzow war in der Nacht in Sichtweite des Kreml hinterrücks erschossen worden. Er wurde 55 Jahre alt und galt als einer der profiliertesten Gegner von Kremlchef Wladimir Putin.

Die Ermittler gehen von einem politischen Auftragsmord aus. Über Täter und Hintermänner ist bisher nichts bekannt. Gorbatschow zeigte sich bestürzt: Es gehe jeden im Land etwas an, wenn gegen Andersdenkende so vorgegangen werde. "Die Verbrecher müssen gefunden werden, aber auf solche Delikte lassen sich Täter ein, die gewöhnlich schwer ausfindig zu machen sind", sagte Gorbatschow. Der 83-Jährige warnte davor, die Bluttat im Westen zum Schüren antirussischer Tendenzen zu missbrauchen. "Natürlich versuchen gewisse Kräfte, das Verbrechen für ihre Ziele zu nutzen, sie denken doch alle darüber nach, wie sie Putin loswerden können", sagte Gorbatschow.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bestürzt über den Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow geäußert. Regierungssprecher Steffen Seibert teilte in Berlin mit, die Kanzlerin fordere Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf, "zu gewährleisten, dass der Mord aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden".

Merkel sei "bestürzt über die hinterhältige Ermordung" des 55-Jährigen, der als einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Putin galt. "Sie würdigt den Mut des ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten, der seine Kritik an der Regierungspolitik immer wieder auch öffentlich geäußert hat", erklärte Seibert.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande hat die Ermordung des russischen Oppositionellen Boris Nemzow scharf verurteilt. Es handele sich um einen "abscheulichen Mord" an einem "mutigen und unermüdlichen Verteidiger der Demokratie", erklärte Hollande in Paris. Zugleich würdigte er Nemzows "hartnäckigen" Kampf gegen die Korruption.

US-Präsident Barack Obama fordert die russische Führung zu einer "schnellen, unvoreingenommenen und transparenten" Aufklärung des Verbrechens auf. Obama würdigte Nemzows "tapferen Einsatz" gegen die Korruption in Russland. Er sprach der Familie Nemzows sein Beileid aus, ebenso wie dem russischen Volk, das "einen der engagiertesten und eloquentesten Verteidiger seiner Rechte" verloren habe.

Sofia erwarte von Moskau, dass nach einer "unabhängigen Ermittlung" die Ausführer dieser "kriminellen Handlung" zur Verantwortung gezogen würden, sagte der bulgarische Außenminister, Daniel Mitow, in einer Mitteilung.

Auch Wladimir Putin hat den "brutalen Mord" an seinem Gegner Boris Nemzow als politische "Provokation" verurteilt. Die Bluttat habe alle Anzeichen eines Auftragsmordes, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der Präsident habe den Angehörigen des Oppositionellen sein Beileid ausgesprochen. Zudem habe Putin die leitenden Mitarbeiter der obersten Ermittlungsbehörde, des Innenministeriums und des Inlandsgeheimdienstes FSB angewiesen, die Ermittlungen persönlich in die Hand zu nehmen.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP