Politik

Leidensdruck nicht groß genug? Großes Griechenland-Finale verschoben

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Auf die Plätze, fertig, weitermachen: Der griechische Premier Alexis Tsipras wird schon einmal vom Gastgeber des Abends, EU-Ratspräsidenten Donald Tusk, begrüsst.

(Foto: REUTERS)

Schicksalstag, D-Day, großes Finale: Der EU-Sondergipfel sollte endlich eine Lösung in der griechischen Schuldentragödie bringen. Stattdessen bleiben alle Beteiligten in ihren Rollen.

Am Freitag vergangener Woche gab es einen Augenblick, wo es so aussah, als würde endlich ein Ausweg gefunden aus dieser griechischen Schuldentragödie – nicht, weil die Lösungsvorschläge besser wurden. Sondern weil die Beteiligten erschöpft wirkten. Hustend und müde schaute Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in die Kameras, hatte nicht viel Lust auf den EU-Sondergipfel am Montag, aber immerhin noch die winzige Hoffnung, dass sich am Wochenende in Athen etwas bewegen würde. Vielleicht habe er ja den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis die ganze Zeit über nicht verstanden, räumte Schäuble ein. Vielleicht war das süffisant, vielleicht auch nicht. Und vielleicht, so hoffte man als Zuschauer, würden alle Beteiligten auch einfach einen riesigen Schritt aufeinander zugehen.

Doch nun ist klar: Alle Akteure in dieser Schuldentragödie – oder ist es schon eine Satire? – bleiben fest in ihren Rollen. Zwar bewegte sich Griechenland tatsächlich und schickte Reformvorschläge. Aber die Pläne kamen spät und dann noch in zwei Versionen, von denen nur die eine ernst genommen werden soll. Eine Bestätigung für die Politiker, die der Regierung in Athen seit Monaten ein Hausaufgabenheft schenken wollen: "Heute um zwei Uhr in der Früh Vorschläge zu schicken und dann zu erwarten, dass man am Mittag Entscheidungen trifft, ist schon etwas sehr übermütig", sagte Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling.

Von Bundesfinanzminister Schäuble kam ein ebenfalls schon bekannt klingendes, mürrisches Statement: Er sehe gar keine substanziellen Neuigkeiten. Für ihn sei der Stand seit dem letzten Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstag unverändert. Er hat seinen griechischen Kollegen Varoufakis also immer noch nicht verstanden.

Der Eurogruppen-Vorsitzende Jeroen Dijsselbloem versuchte nach dem Treffen der Euro-Finanzminister die Stimmung hochzuhalten, sprach von "breiten und umfassenden" Vorschlägen aus Athen, mit denen man nun arbeiten könne. Wie ein Klassenlehrer, der die Arbeit seiner Schüler anerkennen will, auch wenn diese nicht voll abliefern.

Seine eigentliche Botschaft war jedoch: Das Schuldentheater geht in die Verlängerung. An diesem Montagabend wird wohl schon noch ein wenig auf dem eigens einberufenen EU-Sondergipfel diskutiert werden. Am Mittwoch oder Donnerstag soll es ein weiteres Treffen der Euro-Finanzminister geben, bevor sich die EU-Regierungschefs an Donnerstag und Freitag zu ihrem regulären Sommer-Gipfel treffen.

Vorher ist wohl auch kein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu erwarten: "Es gibt in dieser Woche noch viele Tage Zeit, um gegebenenfalls Entscheidungen zu treffen", sagte Merkel lediglich.

Sollten alle Beteiligte sich am Freitag entscheiden, dann doch noch das Wochenende hinzuzunehmen, würde das am Ende auch niemanden mehr überraschen. Schließlich endet das Hilfsprogramm für Griechenland erst am 30. Juni, also Dienstag in einer Woche. Vielleicht ist kommenden Sonntag der Druck endlich groß genug, um aufeinander zuzugehen.

Quelle: ntv.de