Politik

Mit Macheten und Metallstangen Hamburger Kurden und Salafisten prügeln sich

Als wäre Kobane auch in Deutschland: Mehrere hundert Kurden demonstrieren gegen den Terror des IS in Nordsyrien. Als sich ihnen eine Truppe Salafisten entgegenstellt, bricht ein erbitterter Kampf aus. Die Polizei hat erst am frühen Morgen die Lage einigermaßen unter Kontrolle.

Bei Zusammenstößen zwischen Kurden und radikalen Muslimen sind in Hamburg acht Menschen verletzt worden. Das teilte die Feuerwehr der Hansestadt mit. Etwa 400 Kurden hatten sich laut Polizei nach einer Demonstration gegen die Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Abend in der Nähe einer Moschee versammelt. Dort stellten sich ihnen etwa 400 radikale Muslime entgegen, nach Erkenntnissen der Polizei vermutlich Salafisten.

Zwischen Mitgliedern der beiden Gruppen habe es "gewalttätige körperliche Auseinandersetzungen" gegeben. Mit Metallstangen, Macheten und spitzen Gegenständen bewaffnete Salafisten hätten Kurden angegriffen, die ebenfalls Waffen bei sich trugen. Die Lage sei "ausgesprochen gewalttätig" gewesen.

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Parteien zu trennen. Ein Fotograf vor Ort berichtete, die Polizei habe die Zufahrtsstraßen zu der Moschee komplett abgesperrt. Einsatzwagen blockierten den Sichtkontakt zwischen den Gruppen. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Der Einsatz dauerte bis zum frühen Morgen an.

Zuvor hatten etwa 500 Kurden in der Hamburger Innenstadt friedlich Solidarität mit den vom IS bedrängten Menschen in der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane gefordert. Europaweit war es am Dienstag vor dem Hintergrund der drohenden Erstürmung der kurdischen Grenzstadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze zu kurdischen Solidaritätsdemonstrationen und teils auch gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Delegationen stürmen Sender

Auch in zahlreichen Städten Deutschlands, Frankreichs und Belgiens gab es Proteste der Kurden. Mehrere Dutzend kurdische Demonstranten drangen in das Europaparlament in Brüssel ein. Nachdem sich mehrere Abgeordnete mit ihnen zu Gesprächen trafen und Parlamentspräsident Martin Schulz einer Delegation seine Unterstützung gegen die Dschihadisten zusagte, zogen die Demonstranten wieder ab.

In Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kiel und Stuttgart kamen am Montagabend und Dienstag teils mehrere hundert Menschen zu Kundgebungen zusammen. In Bonn drangen Demonstranten in das Gebäude der Deutschen Welle ein, um eine Deklaration zu übergeben. Auch in Düsseldorf und Kiel gab es in den Studios der Rundfunksender WDR und NDR ähnliche Aktionen. Die Demonstrationen verliefen überwiegend friedlich.

Nahe des Präsidentensitzes in Paris versammelten sich rund 200 Kurden zu einem Sitzstreik, bevor am Abend etwa 500 Demonstranten am Außenministerium vorbeizogen. Weitere Protestmärsche mit hunderten Teilnehmern gab es in Marseille, Toulouse und Bordeaux. Dabei gab es in Toulouse Zusammenstöße mit der Polizei, die Tränengas einsetzte. In Marseille wurden vor dem türkischen Konsulat 15 Demonstranten festgenommen.

Bei Protesten in der Türkei kamen Berichten zufolge mehrere Menschen ums Leben. Hier richten sich die Kurdenproteste vor allem gegen die offensichtliche Zurückhaltung Ankaras angesichts der drohenden Eroberung der syrischen Stadt Kobane durch Dschihadisten. Türkische Streitkräfte stehen in Sichtweite der umkämpften Kurdensiedlung. Ein Eingreifen mit Bodentruppen lehnt die türkische Regierung bislang ab. Mit Luftschlägen versucht eine internationale Allianz unter Führung der USA, das Vorrücken der IS-Milizen aufzuhalten - bislang vergeblich.

Quelle: ntv.de, nsc/mmo/AFP/dpa

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