Politik

"Mondlandung" in Wien Immer Ärger mit den Straches

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Österreich ist um einen Literaturnobelpreisträger reicher. Peter Handke, Sohn einer Kärntner Slowenin und eines Deutschen, bekommt den Preis, den er selbst einmal "abschaffen" wollte. Beim Anruf aus Stockholm soll er gerufen haben: "Ist das wahr?" Eine ungläubige Nachfrage, die ich so oder so ähnlich öfter am Telefon höre, wenn ich Neues aus Österreich erzähle.

In dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert" schauen wir auf die Neverending-Story "Familie Strache vs FPÖ" und auf einen spannenden wie umstrittenen Rekordversuch auf der Prater-Hauptallee in Wien.

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Bist ogrennt? - Bist du verrückt? (wörtlich: Bist du irgendwo gegengelaufen?)

Menschen haben den höchsten Berg der Welt bezwungen, sie haben den Mond erobert und die Käsekrainer erfunden, eines haben sie bislang nicht geschafft: den Marathon unter 2 Stunden zu laufen. Der offizielle Weltrekord über die 42,195 Kilometer liegt bei 02:01:39, die schnellste je gemessene Zeit bei 02:00:25 - jeweils aufgestellt vom Kenianer Eliud Kipchoge, aktueller Olympiasieger und wohl bester Marathon-Läufer aller Zeiten.

Kipchoge startet morgen auf der Reichsbrücke in Wien seinen nächsten Versuch, die 2-Stunden-Schallmauer zu brechen. Puristen rümpfen allerdings die Nase, denn mit einem Marathon hat dieser Versuch eigentlich nur die Distanz gemein, der Rest erinnert eher an den Stratosphärensprung von Felix Baumgartner: eine sportliche Leistung unter Laborbedingungen, angetrieben von einer ungeheuren PR-Maschinerie. Kipchoge wird von Ineos bezahlt, dem Chemiekonzern des umstrittenen Brexiteers Sir Jim Ratcliffe, reichster Mann der Insel, der gerade erst den Firmensitz nach Monaco verlegt hat, um Steuern zu sparen.

Ineos stellt Kipchoge eine Pacemaker-Armee aus 41 Top-Athleten zur Seite (erlaubt sind für einen offiziellen Weltrekord-Versuch nur 3), darunter ein amtierender Olympiasieger über 1500 Meter. Der Asphalt auf der schnurgeraden Prater-Hauptallee, auf der Kipchoge viermal hin- und herlaufen wird, wurde eigens saniert. Um die optimalen Bedingungen sicherzustellen, errechnete ein Meteorologen-Team ein Zeitfenster von mehreren Tagen, das sich dank des günstigen Wetters auf den Samstag eingeengt hat. Stand jetzt startet Kipchoge zwischen 7 und 9 Uhr, früh aufstehen ist also angesagt - Ineos stellt auf Youtube einen Gratis-Stream zur Verfügung. Es nutzt ja die schönste PR nichts, wenn keiner hinschaut.

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*Datenschutz

Fans der "Heute-Show" werden das Video schon gesehen haben, wer nicht, sollte sich dringend anschauen, wie Außenreporter Fabian Köster auf der FPÖ-Wahlparty in der Wiener Prateralm auf Stimmenfang geht - mit AfD-Aufdruck auf dem Mikro, das einige Parteigrößen offenbar in Sicherheit wog. Der Fraktionschef im Wiener Landtag, Anton Mahdalik, geht sogar einem Klassiker auf den Leim und sendet Grüße an den "Lieben Bernd" Höcke, der eigentlich Björn heißt. Höhepunkt: FPÖ-Parteibarde Werner Otti munkelt, auf Ibiza könne "flüssiges Kokain" im Wodka-Red-Bull Heinz-Christian Straches Zunge gelockert haben: "Da sagst du alles."

Interessant wäre ja, wem der Sänger zahlreicher Hymnen auf "HC" aktuell die Treue hält, jetzt, wo der Ex-Partei-Guru und die FPÖ sich zerstritten haben. Neu-Parteichef Norbert Hofer wagte den offenen Bruch, als er Heinz-Christian Anfang der Woche suspendierte und dessen Frau Philippa zur Persona non grata in der Parlamentsfraktion erklärte. Es kam eben bei der Basis nicht gut an, dass sich das Paar von der Partei ihr Haus und die Gucci-Klamotten finanzieren ließ. Zuletzt kam heraus, dass Philippa monatlich 9500 Euro kassierte - als Aufwandsentschädigung für ihr "Ehrenamt" als Tierschutzbeauftragte der FPÖ.

Erbittert versuchte die FPÖ, Philippa mit allerlei Winkelzügen ihren gerade gewonnenen Sitz im Nationalrat abzujagen, hatte aber das Wahlrecht nicht gründlich studiert: Die Landeswahlbehörde Wien verfügte, dass sie ins Parlament einziehen darf - wenn sie denn will. Frau Strache hat sich Bedenkzeit bis zum 16. Oktober erbeten. Ihr Mann kämpft derweil um seine Facebook-Seite, mit knapp 800.000 Kontakten der wichtigste Account der Partei, die sich die Admin-Rechte gesichert hat. Strache will sich nun das Passwort erklagen. Spekulationen, er könne dann eine eigene Partei gründen, heizte er selbst an: Er teilte den Beitrag einer Website über das angeblich große Potenzial einer Liste Strache. Der Titel: "Totgesagte leben länger."

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++ Der Terroranschlag von Halle rief auch in Österreich Betroffenheit hervor, Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein Mitgefühl aus. Mit Blick auf Österreich sagte er: "Wir müssen alles tun, damit Jüdinnen und Juden in Sicherheit leben können." ++ Am Donnerstag gastierte Israels Fußball-Nationalmannschaft im Wiener Ernst-Happel-Stadion, die Polizei verstärkte präventiv ihr Personal, es blieb jedoch ruhig. Im Stadion soll es allerdings zu antisemitischen Schlachtrufen gekommen sein, wie Augenzeugen berichten. Das Spiel entschied Österreich mit 3:1 für sich. ++ Am Sonntag erschütterte ein Fünffachmord Österreich: In Kitzbühel erschoss ein 25-Jähriger seine Ex-Freundin, ihren neuen Freund, ihren Bruder sowie ihre Eltern. Der Mann stellte sich nach der Tat der Polizei. ++ Ein neuer Versuch? Eine Fusion? Zusammenarbeit auf Augenhöhe? Der steirische Sensorikhersteller AMS hat die Bieterschlacht um Osram verloren, hält nun aber 20 Prozent der Anteile. Nun führen die Chefetagen Gespräche, AMS hält dem Vernehmen nach an den Übernahmeplänen fest. ++ Eine Reisewarnung geben wir für Villach aus: Dort wollte ein 72-jähriger Deutscher in einem Lokal Schnaps trinken, serviert wurde: Chlorreiniger. Der Mann wurde mit Verätzungen ins Krankenhaus eingeliefert. ++

Zum Abschluss ein Tipp, falls Sie sich jetzt bemüßigt fühlen, ein Werk von Peter Handke anzuschauen: Am Klagenfurter Stadttheater feierte sein Stück "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" Premiere - just am Donnerstag, als Handke den Literaturnobelpreis erhielt. Bis 5. Dezember gehen noch zehn Aufführungen über die Bühne.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: n-tv.de

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