Politik

Varoufakis gerät in die Enge Jauch: Stinkefinger-Video offenbar echt

2013 macht der damalige Wirtschaftsprofessor Varoufakis bei einer Konferenz in Zagreb eine obszöne Geste in Richtung Deutschland. Der heutige griechische Finanzminister hatte über die Eurokrise referiert. Mit dem Video konfrontiert spricht Varoufakis von einer Fälschung – offenbar zu Unrecht.

Das Stinkefinger-Video mit dem griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis ist nach Angaben der Redaktion von Günther Jauch allem Anschein nach echt. Nach bisherigem Kenntnisstand gebe es keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung im Video, erklärte die Redaktion der ARD-Talkrunde in Berlin. Die Redaktion lasse aber weiterhin durch mehrere Netzexperten die Echtheit des Videos prüfen.

Auch der für die Sendung zuständige Norddeutsche Rundfunk teilte mit, er prüfe den Sachverhalt. Jauch hatte in seiner Sendung am Sonntagabend ein Video von einem Auftritt des damaligen Wirtschaftsprofessors 2013 bei einer Konferenz in Zagreb eingespielt. Darin ist zu sehen, wie Varoufakis über die Eurokrise referiert und den Mittelfinger ausstreckt. Der Grieche reagierte empört auf Jauchs Vorhalt, er habe Deutschland den Stinkefinger gezeigt: Das Video sei eine Fälschung, der ausgestreckte Mittelfinger hineinmontiert. Varoufakis meinte: "Ich schäme mich dafür, dass man mir das zutraut."

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Die Runde bei Günther Jauch. Die Diskussion ging gründlich am Thema vorbei.

(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

Gerüchte über eine Entmachtung von Varoufakis weist Athen derweil zurück. Ministerpräsident Alexis Tsipras zeigte sich demonstrativ mit seinem Minister. Zu Spekulationen über eine Milliardenlücke im griechischen Haushalt bis Ende März sagte Varoufakis, es gebe aktuell nur "unbedeutende, kleine Liquiditätsprobleme". Auch die deutschen Steuerzahler würden am Ende jeden Euro zurückbekommen. Zuvor hatte auch Tsipras betont, Zahlungen an griechische Rentner und öffentliche Angestellte seien sicher.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte berichtet, Tsipras habe dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, am Freitag in Brüssel von einer drohenden Pleite zum Monatsende berichtet. Schulz sagte dem Blatt: "Tsipras braucht dringend Geld. Dafür muss er die Eurogruppe und die EZB von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche."

Der SPD-Politiker legte Tsipras zugleich nahe, Verteidigungsminister Panos Kammenos, den Chef der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel), aus der Koalition mit der linken Syriza zu werfen. Kammenos hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der "Bild"-Zeitung die Schuld am Zerwürfnis zwischen Athen und Berlin gegeben. Schäuble hatte zuletzt nicht ausgeschlossen, dass Athen "ungewollt, wie bei einem Unfall, aus dem Euro herausfliegen könnte".

Tusk setzt auf Würde und Achtung

Wie die "FAS" weiter berichtete, drängen Schulz und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Tsipras dazu, nun einen Brief an die Eurogruppe zu schreiben, in dem Athen sich zu Privatisierungen, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens bekennt. Tsipras habe dies in allgemeiner Form zugesagt. Athen muss bis Ende April eine Reform- und Sparliste vorlegen, um grünes Licht für ausstehende Kredithilfen zu bekommen. Nächste Woche erwartet auch der Internationale Währungsfonds (IWF) fast eine Milliarde Euro zurück.

EU-Ratspräsident Donald Tusk mahnte, der Verbleib Griechenlands in der Eurozone sei nicht nur eine Frage des Geldes, sondern in geopolitischen Zusammenhängen zu sehen. Angesichts der Krise in Libyen, der fragilen Lage auf dem Balkan, in Moldawien, Transnistrien und auf Zypern sei ein "so dramatischer Akt wie das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone" eine Katastrophe, sagte Tusk in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" und fünf anderen europäischen Blättern. "Die Konsequenzen wären nicht nur finanzielle. Ein Ausscheiden Griechenlands wäre das dramatischste Kapitel in der gesamten Geschichte der Europäischen Union. Wir müssen Griechenland helfen, das ist unstrittig", sagte der frühere polnische Ministerpräsident und forderte alle Akteure auf, einander in Würde und Achtung zu begegnen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP

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