Politik

IS auch im Irak wieder auf Vormarsch Kurden wünschen mehr US-Luftangriffe

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Von der türkischen Seite aus müssen Kurden hilflos zusehen, wie in der Grenzstadt Kobane gekämpft wird.

(Foto: REUTERS)

Die Terrormiliz IS verlegt neues, schweres Gerät nach Kobane. Die Lage für die kurdischen Kämpfer wird immer heikler. Um die Islamisten doch noch zurückschlagen zu können, fordert die YPG mehr Luftangriffe der USA. Der IS startet derweil auch im Irak eine neue Offensive.

Angesichts des Vormarsches der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der syrischen Stadt Kobane haben kurdische Kämpfer verstärkte Luftangriffe auf die Stellungen ihrer Gegner gefordert. Zwar habe der IS durch die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten schwere Verluste erlitten, erklärte die Kurdenmiliz YPG am Samstag. In den vergangenen beiden Tagen seien die Einsätze aber nicht mehr so erfolgreich gewesen.

Der Kommandeur der kurdischen Kämpfer, Esmat Al-Scheich, sagte, der IS habe Panzer und Artilleriegeschütze zur Verstärkung gebracht. Außerdem sei es wegen der Straßenkämpfe schwieriger, IS-Kämpfer aus der Luft anzugreifen. Die Stadt Kobane, die dicht an der Grenze zur Türkei liegt, wird von den Extremisten von drei Seiten aus belagert.

Nach Erkenntnissen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verweigert die Türkei den Kurden die Lieferung von Nachschub vom Norden aus. Die Regierung in Ankara verhält sich auch zurückhaltend, weil die YPG eine Schwesterorganisation der Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist, die jahrzehntelang gegen die Sicherheitskräfte des Landes kämpfte und auch von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird.

Massaker wie in Srebrenica?

Die USA und mehrere arabische Staaten haben vor allem in den vergangenen Tagen Angriffe auf IS-Stellungen rund um Kobane geflogen. US-Regierungskreisen zufolge könnte die Stadt in den kommenden Tagen dennoch in die Hand der Islamisten fallen, die bereits weite Teile Syriens und des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Die meisten Bewohner Kobanes sind bereits geflüchtet. Nach UN-Erkenntnissen droht aber ein Massaker, weil sich bis zu 700 alte Menschen noch immer dort aufhalten. Im Grenzgebiet zur Türkei seien außerdem bis zu 13.000 weitere Menschen bedroht, sagte der UN-Gesandte Staffan de Mistura. Er befürchtet nach eigenen Worten ein Massaker wie 1995 in der bosnischen Stadt Srebrenica, wo Tausende Zivilisten umgebracht wurden.

Die Kurden haben die türkische Regierung wegen ihrer Zurückhaltung scharf kritisiert. Auch in Deutschland gibt es Proteste: So demonstrierten in Düsseldorf Tausende Kurden gegen den IS.

IS will nach Bagdad vorstoßen

Während die Lage in Kobane immer aussichtsloser wird, intensiviert der IS die Kämpfe nun auch im Irak wieder. Die Dschihadisten starteten einen neuen Versuch, in Richtung Bagdad vorzurücken. Wie das Nachrichtenportal "Sumaria News" berichtete, zielte die Offensive der IS-Kämpfer auf eine Übernahme der strategisch wichtigen Stadt Amirijat al-Falludscha. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer Luftlinie von Bagdad entfernt. Irakische Streitkräfte und Stammeskrieger hätten die Terrormiliz jedoch zurückschlagen können.

Die Regionalregierung der westlichen Provinz Anbar hatte laut "Sumaria News" am Freitag entschieden, dass sie einen Einsatz von Bodentruppen der internationalen Koalition befürworten würde. Die Provinz Anbar liegt zwischen Bagdad und der syrischen Grenze. Eine Entsendung von Bodentruppen steht in der Koalition derzeit aber nicht zur Debatte.

Quelle: ntv.de

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