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Streit um die Stromtrassen Lindner vergleicht CSU mit Griechenland

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Horst Seehofer, die Energiepolitik und ein Vorwurf aus den Reihen der FDP: Bayern und Griechenland teilen sich - aus historischen Gründen - die gleichen Landesfarben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Diese Verbindung dürfte Seehofer gar nicht gefallen: In der Debatte um die Verlegung neuer Stromautobahnen zieht der FDP-Chef Parallelen zwischen München und Athen. Gabriel versucht, den Streit mit den Bayern zu entschärfen.

FDP-Chef Christian Lindner hat das Verhalten der CSU bei der Energiewende mit dem Auftreten Griechenlands in der Schuldenkrise verglichen. "Das Spiel, das die Griechen in Europa beim Euro aufführen, macht in Deutschland mitunter die CSU bei der Energiepolitik: keine Bewegung, aber ständig neue Forderungen", sagte Lindner der "Mittelbayerischen Zeitung". Sich bei allen Fragen ohne eigenen Beitrag herauszustehlen, sei inakzeptabel.

Die CSU hatte sich nach massiven Bürgerprotesten in Franken gegen den Bau neuer Stromtrassen in Bayern gewehrt. Diskutiert wird mittlerweile unter anderem, einen Teil der sogenannten Stromautobahnen unterirdisch zu verlegen.

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Wagt einen weitgespannten Vergleich: Der frisch im Amt bestätigte Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel rief die CSU zu einer schnellen Einigung auf. Prinzipiell sei es wichtig, verstärkt Erdkabel zu verlegen, um den Widerstand in der Bevölkerung zu minimieren, erklärte SPD-Chef Gabriel. Die Kosten seien nicht sehr viel höher als bei Hochspannungsleitungen auf Masten, weil es bei diesen sehr viel mehr Planungsverzögerungen gebe.

Unsichtbare Windstromtrasse

Im Hinblick auf eine Stromleitung, die von Ostdeutschland nach Bayern führen soll, schlug Gabriel vor, die Verbindung auf der bestehenden Trasse auszubauen und auf den letzten Kilometern Erdkabel zu verwenden. Bei einer weiteren Leitung, die Windstrom aus Norddeutschland in den Süden bringen soll, besteht er auf einer Trasse nach Grafenrheinfeld nördlich von Würzburg.

Diese Trasse müsse aber nicht weiter durch Bayern geführt werden, weil sie auch für die Versorgung Hessens und Baden-Württembergs wichtig sei. Eine zweite Wechselstromtrasse nach Grafenrheinfeld sei nicht nötig. "Ich glaube, dass das ein sehr weitgehendes Angebot an die bayerische Staatskanzlei ist", sagte Gabriel. Dies könnte helfen, den massiven Widerstand in der Bevölkerung zu überwinden. Der SPD-Chef sprach von einer "sehr maßvollen Planung" und setzt auf eine Einigung bei einem Koalitionstreffen am 01. Juli.

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Es geht auch unterirdisch: "Ich glaube, dass das ein sehr weitgehendes Angebot an die bayerische Staatskanzlei ist."

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Was die Bayern besänftigen soll, sorgt bei den Netzbetreibern unterdessen für Ärger. Gabriels Vorhaben, einige der neuen Windstromtrassen nach Süddeutschland möglichst vollständig unterirdisch zu verlegen, stößt bei den Unternehmen auf Widerstand. "Aufgrund veränderter Rahmenbedingen müssten wir die Suche ganz von vorne beginnen", sagte zum Beispiel der Chef des Unternehmens Tennet, Urban Keussen, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Erdkabel statt Freileitung?

"Das würde zu keiner Beschleunigung, sondern zu einem Zeitverzug führen, den wir uns nicht leisten können", fügte er hinzu. Anders sähe es aus, wenn nur Teile der Trasse statt als Freileitungen als Erdkabel verlegt würden. Tennet habe in das laufende Planungsverfahren zwei Jahre Zeit mit intensivem Bürgerdialog investiert, sagte Keussen.

"Wenn wir die Kriterien grundlegend verändern, muss das alles neu aufgerollt werden", warnte er. Zudem kämen hohe Zusatzkosten auf die Stromverbraucher zu. Allein das Projekt Suedlink sei eine Milliardeninvestition. "Sollten Erdkabel den Vorrang bei Gleichstromverbindungen bekommen, dann reden wir allein bei diesem einen Projekt über mehrere Milliarden Euro, die dann zusätzlich anfallen", sagte Keussen der Zeitung.

Wenn im Jahr 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet sind, soll Suedlink Windstrom von der Küste in den Süden bringen. Geplant sind zwei Stromtrassen, eine zwischen Wilster in Schleswig-Holstein und dem Standort des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld in Bayern sowie zwischen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Großgartach in Baden-Württemberg.

Eon schaltet AKW Grafenrheinfeld ab

Für den Atomstrom aus dem Meiler von Grafenrheinfeld kommen die neuen Stromtrassen so oder so viel zu spät: Das aktuell älteste noch aktive Atomkraftwerk in Deutschland soll an diesem Samstagabend endgültig vom Netz gehen. Wie der Betreiber Eon erklärte, war das AKW im unterfränkischen Grafenrheinfeld insgesamt 33 Jahre in Betrieb und hatte in dieser Zeit 333 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Zuletzt hatte es einen Anteil von 1,6 Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland.

Eon wird jedoch voraussichtlich nicht mitteilen, wann genau mit dem Runterfahren des Kraftwerks begonnen wird. Erst für Sonntag wird eine Bestätigung des Unternehmens erwartet. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima waren 2011 acht deutsche Atomkraftwerke abgeschaltet worden.

Die jetzt noch verbleibenden acht Atomkraftwerke in Deutschland sollen bis 2022 vom Netz genommen werden. Die Umstellung der deutschen Stromversorgung auf alternative Energiequellen - die sogenannte Energiewende - gilt als eine der größten politischen Herausforderungen der Gegenwart.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa/rts

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