Politik

Leoparden für die Ukraine Melnyk jubelt, Selenskyj noch nicht

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Die Ukraine soll Leopard-2-Panzer bekommen, hat aber noch keine offiziellen Zusagen.

(Foto: dpa)

Kiews Ruf nach Kampfpanzern wird erhört, Deutschland wird die ersehnten Leoparden liefern und dies auch anderen Ländern erlauben. Der frühere ukrainische Botschafter in Berlin, Melnyk, spricht von einem "Gamechanger" im Kampf gegen die russischen Invasoren. Die Reaktion von Präsident Selenskyj fällt verhaltener aus.

Die Nachricht über die deutsche Entscheidung für die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern wird in Kiew in einer ersten offiziellen Reaktion mit freudiger Erleichterung aufgenommen. "Wir werden alles haben, alles für die Rückeroberung unserer Gebiete und für die Gegenoffensive. Panzerfahrer werden sich freuen, ebenso wie Artilleristen und später auch Piloten", schrieb der Kanzleichef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, auf Telegram.

Etwas weniger euphorisch klang Präsident Selenskyj selbst. In seiner abendlichen Videoansprache betonte er, es komme jetzt auf endgültige Entscheidungen an. "Viele Bemühungen, Worte, Versprechen", sagte er zu den Plänen, die bislang nicht offiziell kommuniziert worden sind. "Es geht nicht um fünf oder zehn oder fünfzehn Panzer. Der Bedarf ist größer." ntv hatte aus Regierungskreisen erfahren, dass der ukrainischen Armee eine Kompanie Leopard-2-Panzer übergeben werden sollen. Eine Kompanie umfasst bei der Bundeswehr 14 Panzer.

Die Ukraine bemühe sich täglich, den Mangel an schweren Kampfpanzern auszugleichen, so Selenskyj. "Und ich danke jedem Einzelnen von Ihnen, der uns dabei unterstützt." Die Diskussionen um die Lieferung von Panzern müssten jetzt in Entscheidungen münden, forderte der Präsident. "Entscheidungen, die unsere Verteidigung gegen die Terroristen wirklich stärken." Die Verbündeten der Ukraine verfügten über die erforderliche Anzahl von Panzern. "Wenn wir das nötige Gewicht an Entscheidungen haben, werden wir Ihnen gern für jede einzelne wichtige Entscheidung danken", betonte Selenskyj. "Daran arbeiten wir noch."

Melnyk spricht von "Panzer-Doppelwumms"

Lob kam dagegen vom ehemaligen ukrainischen Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk. Er würdigte die deutsche Entscheidung für die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern als historisch. Auch wenn sie mit Verspätung erfolge, sei sie "ohne jeden Zweifel ein wahrer Durchbruch sowie ein Gamechanger für die Ukraine auf dem Schlachtfeld", sagte der ukrainische Vize-Außenminister. "Das wird in die Geschichte eingehen." Dass Scholz scheinbar sogar dabei geholfen habe, die USA von der Lieferung ihrer M1-Abrams-Panzer zu überzeugen, sei sogar "ein Panzer-Doppelwumms", so Melnyk.

Nach Angaben aus Koalitionskreisen, will die Bundesregierung Leopard-2-Panzer in die Ukraine liefern und dies auch Bündnispartnern erlauben. Das Kanzleramt hat sich bisher aber nicht dazu geäußert. "Es gibt zwar noch keine offizielle Bestätigung seitens Bundesregierung, aber ich habe gar keine Zweifel, dass diese frohe Botschaft wahr ist, weil keine andere Entscheidung möglich war", sagte Melnyk.

Nach einem unbestätigten Bericht des "Wall Street Journal" erwägen auch die USA die Lieferung ihrer Abrams-Kampfpanzer. Nun sei es nötig, dass Deutschland "ein mächtiges Panzer-Bündnis" schmiedet, sagte Melnyk. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", betonte der frühere Botschafter. "Deutschland sollte alle Bremsklötze wegwerfen und eine Führungsrolle in dieser Leo-Koalition übernehmen, damit unsere Soldaten in den nächsten Wochen ausgebildet und die Hunderten Kampfpanzer bis Anfang Frühjahr an die ukrainischen Streitkräfte übergeben werden."

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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