Politik

70 Jahre nach Kriegsende Merkel warnt vor neuem Antisemitismus

Die deutsche Bundeskanzlerin weist bei einem Festakt zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau auf die Bedrohung von Synagogen und Rabbinern hin. Jüdisches Leben sei Teil deutscher Kultur. Das müssten "wir alle" den Rechtsradikalen klarmachen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau vor einem Wiederaufleben von Rassismus und Antisemitismus gewarnt. "Wir alle" müssten Rechtsradikalen unmissverständlich klar machen, dass jüdisches Leben Teil der deutschen Kultur sei, sagte Merkel. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte bei einer Gedenkveranstaltung zur Kapitulation Berlins am 2. Mai 1945, in der Befreiung liege zugleich die Verantwortung des "Nie wieder!".

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Gedenkveranstaltung in Dachau.

(Foto: imago/epd)

Merkel hatte in ihrem Video-Podcast davor gewarnt, einen "Schlussstrich" ziehen zu wollen. Unter Geschichte gebe es keinen Schlussstrich: "Wir Deutschen haben hier schon eine besondere Verantwortung, aufmerksam, sensibel und auch kundig mit dem umzugehen, was wir in der Zeit des Nationalsozialismus angerichtet haben." Das gelte auch mit Blick auf lang andauernde Verletzungen und Sorgen in anderen Ländern.

In Dachau sagte Merkel, das Erinnern an all die Menschen, "die verfolgt und gequält wurden, weil sie anders dachten, anders glaubten und anders lebten als es der Ideologie des Nationalsozialismus entsprach", sei auch der Zukunft verpflichtet. An der Gedenkfeier nahmen Überlebende des Konzentrationslagers sowie Gäste aus dem In- und Ausland teil. Mit Merkel sprach erstmals ein deutsches Regierungsoberhaupt bei einer Gedenkfeier in Dachau.

"Nie wieder!"

Niemand könne die Augen davor verschließen, dass Synagogen nicht ohne massiven Polizeischutz auskommen oder Rabbiner mitten in Deutschland angegriffen werden, sagte sie. Deshalb seien "wir alle" aufgerufen, Rechtsradikalen unmissverständlich klar zu machen, dass jüdisches Leben Teil der deutschen Kultur sei. Die sei die "staatliche und bürgerliche Pflicht" aller Bürger.

In ihrem Video-Podcast sagte Merkel, die Forderung "Nie wieder!" sei 70 Jahre nach Kriegsende keineswegs zu einer Floskel geworden. Es müsse aber immer gefragt werden: "Was steckt dahinter?" Die Forderung bedeute einerseits, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen - "mit der Geschichte des Nationalsozialismus, mit der Geschichte der Konzentrationslager, mit der Geschichte der Verfolgung von Minderheiten, Andersdenkenden und mit der Geschichte des Holocaust". Andererseits bedeute "Nie wieder!" auch, darauf aufzupassen, "dass unsere Ideale, unsere Wertvorstellungen auch wirklich gelebt werden".

Steinmeier sagte bei der Gedenkveranstaltung zur Kapitulation Berlins: "Indem wir befreit wurden von Rassenwahn und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, vom dunkelsten Irrweg unserer Geschichte, wurden wir befreit zu 'mehr Licht' auf unserem Weg nach vorn." Nie wieder dürften Rassenhass und Hass gegen Minderheiten Platz finden in der Gesellschaft. Gerade Deutschland müsse heute "vielleicht mehr als andere" Verantwortung übernehmen für den Erhalt einer internationalen Ordnung, die Frieden sichere.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP

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