Politik

Antisemitismus im Kanzleramt? Mitarbeiter meldet Mobbing und Beleidigung

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Der Kampf gegen Antisemitismus liegt der Bundeskanzlerin am Herzen.

(Foto: imago images / STPP)

Antisemitische Straftaten nehmen in Deutschland zuletzt wieder zu. Das gilt womöglich auch für das Bundeskanzleramt. Mitarbeiter der Fahrbereitschaft sollen einen Kollegen jüdischen Glaubens als "Judensau" und "Kanake" beschimpft haben. Der Antisemitismusbeauftragte des Bundes ist informiert.

In der Fahrbereitschaft des Bundeskanzleramts ist es offenbar zu einem Fall von Judenfeindlichkeit gekommen. Ein Mitarbeiter der Fahrbereitschaft gibt an, Anfang 2019 von seinen Kollegen gemobbt und antisemitisch beleidigt worden zu sein. Laut der "Bild am Sonntag" haben mehrere Kollegen den aus dem Libanon stammenden Mann jüdischen Glaubens als "Judensau" und "Kanake" bezeichnet.

Der Betroffene hat sich daraufhin an den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, gewendet. Dessen Sprecherin bestätigte der "Bild am Sonntag" den Vorgang, wollte aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes jedoch keine Einzelheiten nennen, da der Mann um Vertraulichkeit gebeten habe.

Welche Konsequenzen im Kanzleramt wegen des Vorfalls gezogen wurden, ist laut dem Bericht offen. Ein Regierungssprecher erklärte, dass man sich grundsätzlich nicht öffentlich zu Personalangelegenheiten äußert. Das Bundeskanzleramt dulde als Arbeitgeber weder Mobbing noch Antisemitismus oder Rassismus. Der Betroffene soll dem Bericht zufolge nicht mehr im Kanzleramt arbeiten.

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In Deutschland hat die Zahl antisemitischer Straftaten und Einstellungen nach rückläufigen Tendenzen zuletzt wieder zugenommen. In Thüringen stimmten im November in einer Umfrage 16 Prozent der Befragten der Aussage zu, Menschen jüdischen Glaubens hätten "etwas Besonderes an sich und passen nicht so recht zu uns". In einer aktuellen Studie des Jüdischen Weltkongresses gab jeder vierte Deutsche an, antisemitische Gedanken zu hegen.

Quelle: ntv.de, chr/AFP