Politik

CDU-Politiker werben für Söder "Müssen mit stärkstem Kandidaten antreten"

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Söder hält sich zu seinen Kanzler-Ambitionen bedeckt.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Die jäh fallenden Umfragewerte der Union sorgen für Unruhe bei der CDU. Erstmals sprechen sich mehrere christdemokratische Abgeordnete offen für CSU-Chef Söder als Kanzlerkandidaten aus. Zudem wird der Ruf nach einer schnellen Entscheidung lauter.

In der CDU mehren sich Stimmen, die sich öffentlich für eine Kanzlerkandidatur von CSU-Chef Markus Söder anstelle des eigenen Vorsitzenden, Armin Laschet, aussprechen. "Wenn wir bei der Bundestagswahl noch eine Chance haben wollen, müssen wir mit dem stärksten Kandidaten antreten, den wir haben. Das ist ganz klar Markus Söder", sagte die rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Ellen Demuth zu ntv. Söder zeige in Bayern, wie man ein Land für die Zukunft aufstellt.

"Söder ist ein Macher und genießt zu Recht die höchsten Zustimmungswerte. Nur ihm traue ich in der aktuellen Lage zu, die Wahl für die Union zu gewinnen." Demuth, die Norbert Röttgen im Rennen um den CDU-Vorsitz unterstützt hatte, sagte weiter: "Die Umfragewerte der Union sind im freien Fall. Für persönliche Eitelkeiten habe ich kein Verständnis mehr."

Auch Steiniger und Kemmer für Söder

Zuvor hatten sich bereits andere Christdemokraten offen für Söder ausgesprochen. "Wir müssen mit dem antreten, mit dem wir nach Umfragen die besten Chancen haben, und das ist mit großem Abstand Markus Söder", sagte der rheinland-pfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger dem "Spiegel". "Bei mir an der Parteibasis kenne ich praktisch niemanden, der für Armin Laschet ist."

Auch die baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer sprach sich im "Spiegel" für Söder als Unions-Kanzlerkandidaten aus. "Die letzten Wahlen zeigen, dass besonders das Vertrauen in Persönlichkeiten entscheidend ist", sagte die Vize-Chefin der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. "Das muss zusammen mit der Frage, wer den besten Plan für Deutschland hat und die wichtigen Zukunftsthemen angeht, der Maßstab sein."

Auch Demuth gehört der Jungen Gruppe an. In den Ost-Landesverbänden gibt es ebenfalls zahlreiche Laschet-Skeptiker. Die Politiker gehören zwar sämtlich nicht zur ersten Reihe der CDU, könnten aber prominenteren Rufen nach Söder den Weg bereiten. Innerhalb wie außerhalb der Partei wird in den kommenden Tagen aufmerksam registriert werden, ob sich ein starkes Lager an Laschet-Unterstützern formiert.

Mohring will Entscheidung

Der ehemalige CDU-Spitzenkandidat in Thüringen, Mike Mohring, forderte bei ntv eine rasche Entscheidung. "Wir brauchen unmittelbar nach Ostern eine klare und schnelle Entscheidung in Sachen Kanzlerkandidatur", sagte Mohring, der Mitglied des Bundesvorstands der CDU ist. Er traue die Kanzlerkandidatur sowohl Laschet als auch Söder zu. "Aber Laschet ist nun neuer Parteivorsitzender der CDU, da muss er zugreifen", so Mohring.

Laschet war am Sonntagabend von Bundeskanzlerin Angela Merkel als einer derjenigen Ministerpräsidenten angezählt worden, die sich ihres Erachtens nach nicht an den Corona-Stufenplan hielten und nicht konsequent die Notbremse zögen. Im Anschluss an das Merkel-Interview bei Anne Will bekräftigte Söder seine Unterstützung für Merkels Corona-Kurs. Laschet war zudem seine zurückhaltende Reaktion auf die Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor zwei Wochen angekreidet worden.

In Umfragen liegt Söder seit Monaten vorne bei der Frage nach möglichen Nachfolgern Merkels im Kanzleramt. Laschet dagegen war zuletzt sogar hinter die Grünen-Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck zurückgefallen. Die Union lag laut RTL/ntv-Trendbarometer vergangene Woche bei nur noch 26 Prozent, vier Prozentpunkte vor den Grünen. Neben Kritik am Pandemiemanagement der Bundesregierung waren hierfür Berichte über fragwürdige Nebenverdienste von Unionspolitikern verantwortlich sowie mutmaßlich kriminelle Selbstbereicherung bei der Maskenbeschaffung.

Quelle: ntv.de, shu/AFP

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