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Zufällig bei Mord in Kassel vor Ort NSU-Richter glaubt Verfassungsschützer

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Trauerkranz der Stadt Kassel zum zehnten Jahrestag der Ermordung von Halit Yozgat in seinem Internetcafé.

(Foto: picture alliance / dpa)

Beim mutmaßlichen NSU-Mord in einem hessischen Internetcafé ist auch ein Verfassungsschützer anwesend. Dass es sich um reinen Zufall handelt, mag kaum ein Beobachter glauben. Dafür tut es aber das Gericht und entlastet den Geheimdienstler offiziell.

Das Oberlandesgericht München glaubt den Aussagen eines hessischen Verfassungsschützers, der bei einem NSU-Mord am Tatort war. Der Mann hielt sich im April 2006 in einem Internetcafé in Kassel auf, während dessen Betreiber - mutmaßlich von den Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) - erschossen wurde. Er hatte ausgesagt, er sei zufällig dort gewesen, habe mit der Tat nichts zu tun und davon auch nichts mitbekommen.

Dies sei glaubwürdig, heißt es in einem Beschluss, den der Vorsitzende Richter Manfred Götzl heute im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer verlas. Das Gericht lehnte in dem Zusammenhang mehrere Beweisanträge von Nebenklägern ab. Der Beamte war nach der Tat vorübergehend unter Mordverdacht geraten, weil er sich nach einem öffentlichen Aufruf nicht als Zeuge gemeldet, jedoch von anderen Gästen des Cafés beschrieben worden war.

Nichts gehört und nichts gesehen

Im NSU-Prozess sagte er als Zeuge, er habe sich zum Chatten auf einer Flirt-Webseite in das Lokal zurückgezogen. Als er bezahlen wollte, habe er den Besitzer gesucht, aber nicht gefunden - und dann eine Münze auf den Tresen gelegt. Dass der Ermordete hinter dem Tresen auf dem Boden lag, habe er nicht bemerkt. Diese Angaben seien mit den Aussagen der anderen Zeugen vereinbar, sagte Götzl.

Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Café-Betreiber erschossen haben. Tatwaffe war die "Ceska"-Pistole, die auch bei acht weiteren rassistisch motivierten Morden gegen türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende verwendet wurde. Beate Zschäpe lebte mit Mundlos und Böhnhardt bis zum Auffliegen des NSU im Untergrund. Sie ist als Mittäterin angeklagt.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa

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