Politik

Milliardensumme gefordert Österreich will Geld, falls Ski-Saison ausfällt

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Geht es nach Kanzlerin Merkel, sollen die Ski-Lifte auch in der Saison leer bleiben.

(Foto: dpa)

Kanzlerin Merkel würde gern europaweit die Skianlagen im Winter geschlossen lassen. In den Alpenländern jedoch gibt es Widerstand. Österreich fordert Kompensationen, sollte die EU einen entsprechenden Schritt empfehlen. Und die Schweiz appelliert persönlich an den einstigen Urlaubsgast Merkel.

Die österreichische Regierung hat angekündigt, auf europäische Kompensationen zu bestehen, falls die EU-Kommission empfehlen werde, europaweit auf den Skiurlaub zu verzichten. Dann werde man über entsprechende Ausgleichszahlungen reden müssen, sagte Finanzminister Gernot Blümel der "Welt". "Der aktuelle Vorschlag bedeutet für Österreich empfindliche wirtschaftliche Einbußen", sagte der Politiker.

Ausgehend vom Umsatzersatz, wie er bei uns bereits in Auszahlung sei, wären das zwei Milliarden Euro. Wenn die EU eine Vorgabe mache, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, werden Kompensationszahlungen erwartet. Das könne entweder eine Reduktion des österreichischen Mitgliedsbeitrages um diesen Betrag oder mehr Geld aus dem Wiederaufbaufonds sein.

Der ÖVP-Politiker wirft den großen EU-Ländern vor, es sich zu einfach zu machen, wenn sie auf ein Verbot oder eine Empfehlung aus Brüssel drängen. "Unsere Volkswirtschaft ist wesentlich stärker vom Wintertourismus abhängig als Italien, Frankreich oder auch Deutschland", sagte der Finanzpolitiker. Zudem beginne der wichtigste Teil der Wintersaison in Italien und Frankreich im Februar, daher wären sie von ihrem eigenen Vorschlag deutlich weniger stark getroffen.

"Frau Merkel, bei uns sind Sie sicher!"

Auch in der Schweiz wird die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geforderte Schließung der Skianlagen in ganz Europa mit Empörung aufgenommen. Unverständnis äußern Touristiker in der Region Engadin im Kanton Graubünden, wo die CDU-Politikerin seit vielen Jahren jeden Winter ein paar Tage ausspannt und Langlauf gemacht hat. Dort, in Pontresina, war sie auch Ende vergangenen Jahres, einige Wochen bevor die Corona-Pandemie über die Welt hereinbrach.

"Frau Merkel, bei uns sind Sie sicher!", titelte nun die Boulevardzeitung "Blick". "Frau Merkel muss keine Angst haben", sagte Hotelier Thomas Walther aus Pontresina der Zeitung. "Unsere Hygienekonzepte haben sich seit dem Sommer bestens bewährt. In Berlin leben Sie vermutlich viel gefährlicher!" Markus Moser, Geschäftsführer der Skigebiete Corvatsch, Diavolezza und Lagalb, sagte der Zeitung, die berüchtigten Corona-Ansteckungen im österreichischen Skiort Ischgl seien Anfang des Jahres nicht beim Skisport, sondern bei den Partys passiert.

Die Schweizer Regierung lehnt eine Schließung der Skigebiete ab. Das Land versucht, die Pandemie mit weniger einschneidenden Maßnahmen in den Griff zu bekommen als andere Länder. Vielerorts sind Geschäfte und Restaurants nach wie vor geöffnet. Die Regierung setzt vor allem auf Eigenverantwortung. Einige Kantone haben allerdings eigene Lockdowns verhängt. Die Schweizer Infektionszahlen sind allerdings deutlich höher als in Deutschland.

Experten in Italien winken ab

In Italien haben angesichts der Corona-Infektionszahlen Experten des Gesundheitsministeriums die Aussicht auf Wintersport und ein normales Weihnachten getrübt. Es werde ein anderes Weihnachten werden, sagte der Präsident des Gesundheitsrates, Franco Locatelli. Die aktuellen Zahlen seien zudem "nicht mit einer Öffnung des Wintersportbetriebs vereinbar". Auch ein Silvester und Neujahr wie gewohnt seien in diesem Jahr unvorstellbar.

Laut dem aktuellen Lagebericht signalisieren die Corona-Daten, dass die Maßnahmen der vergangenen Wochen zwar Wirkung zeigen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen sei aber immer noch signifikant hoch. In vielen Regionen gelte weiter ein hohes Risiko.

Quelle: ntv.de, mli/DJ/dpa