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Fahndungspanne an der Grenze Polizei ließ Verdächtigen weiterfahren

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Terror-Planer auf der Flucht? Schwer bewaffnete Beamte kontrollieren den Grenzverkehr.

(Foto: REUTERS)

Gravierender Fehler bei der Terror-Fahndung: Einer der Hauptverdächtigen der Pariser Attentate entgeht seiner Festnahme. Der dringend gesuchte Salah Abdeslam wird an der belgischen Grenze angehalten - und darf anschließend weiterfahren.

Kurz nach den Anschlägen in Paris ist der französischen Polizei offenbar eine schwere Fahndungspanne unterlaufen. Ein gesuchter Verdächtiger wurde am Samstag an der belgischen Grenze in einem Auto gestoppt und kontrolliert, die Beamten ließen ihn aber weiterfahren, wie es in Polizeikreisen hieß. Offenbar waren die Fahndungsdaten noch nicht bis zu ihnen vorgedrungen.

Bei dem verdächtigen Mann handele es sich um einen 26-jährigen Franzosen, der in Belgien geboren sei, teilte die französische Polizei mit. Er sei ein Bruder eines der sieben in Paris getöteten Attentäter. Er stehe im Verdacht, gemeinsam mit einem anderen Bruder an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen zu sein, hieß es in Justizkreisen. Letzterer sei inzwischen in Belgien festgenommen worden.

Der gesuchte Verdächtige heißt Salah Abdeslam und wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Der Mann sei gefährlich, hieß es. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere erklärte dazu im ZDF: "Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist." Die deutschen Sicherheitsbehörden untersuchten mit Hochdruck alle Deutschland-Bezüge.

Erster Attentäter identifiziert

Die französischen Ermittler waren durch zwei in unmittelbarer Nähe der Tatorte abgestellte Autos mit belgischen Nummernschildern auf die Spur nach Belgien gekommen. Die Fahrzeuge sollen von den Attentätern genutzt worden sein. Der gesuchte Verdächtige soll die Autos in Belgien gemietet haben. Bei den Anschlägen in der französischen Hauptstadt am Freitagabend wurden mehr als 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt worden. Unter den Todesopfern ist nach Angaben des Auswärtigen Amts auch ein 28-Jähriger aus Bayern.

Am Wochenende war bereits bekannt geworden, dass der 29-jährige Franzose Omar Ismail Mostefai unter den toten Attentätern im Bataclan war. In dem Konzertsaal, in dem gerade ein Rockkonzert stattfand, sprengten sich beim Polizeizugriff insgesamt drei Angreifer in die Luft. Drei weitere zündeten am Stade de France ihre Sprengstoffgürtel. Ein siebter Attentäter, der Bruder des nun gesuchten Salah Abdesla, jagte sich am Boulevard Voltaire in die Luft.

Terror-Kommando aus "acht Brüdern"?

Wie viele Attentäter an den blutigen Mordüberfällen in Paris beteiligt waren, ist bislang noch unklar. Die französischen Behörden gehen zunächst von "drei Teams" aus, die mit Kleinwägen zu den jeweiligen Tatorten vorgefahren seien.

Die Terrororganisation "Islamischen Staat" (IS) hat sich zu den Anschlägen von Paris bekannt und dabei auch eine Zahl der Angreifer genannt. "Acht Brüder mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren" hätten die Angriffe verübt, erklärte der IS im Internet. Nach den Attentaten in Paris blieben an den Tatorten die Leichen von sieben Terroristen zurück.

Unklar bleibt zunächst außerdem, ob die Festnahme eines Mannes bei einer Routinekontrolle bei Rosenheim mit den Anschlägen in Paris zusammenhängt. Im Auto des Verdächtigten waren am 5. November Waffen und Sprengstoff gefunden worden. Der Mann bestätigte, dass er nach Paris wollte, bestritt aber jede Kenntnis von den Waffen, und sagte, er habe "den Eiffelturm sehen" wollen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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