Politik

Vergifteter Kreml-Kritiker Russland bekommt Auskunft im Fall Nawalny

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Russische Behörden sollen Auskunft zum Gesundheitszustand Nawalnys bekommen, der sich in der Berliner Charité von einem Gift-Anschlag erholt.

(Foto: dpa)

Das diplomatische Tauziehen im Fall Nawalny geht weiter. Deutschland hat zugestimmt, dass russische Behörden Auskünfte zum Gesundheitszustand des vergifteten Kreml-Kritikers bekommen - allerdings nur unter einer Bedingung.

Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny will die Berliner Senatsjustizverwaltung einem Rechtshilfeersuchen der russischen Behörden nachkommen. Die Staatsanwaltschaft sei von der Verwaltung beauftragt worden, Auskünfte zum Gesundheitszustand Nawalnys einzuholen, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft auf Twitter mit. Das gelte unter dem Vorbehalt der Zustimmung Nawalnys, der in der Berliner Charité behandelt wird. Weitere Auskünfte dazu seien derzeit nicht möglich.

Zuvor hatte die russische Polizei angekündigt, dass sie Nawalny in Deutschland befragen wolle. Das Innenministerium in Moskau bereite ein entsprechendes Gesuch an die deutschen Behörden vor, meldete die Nachrichtenagentur Tass. Demnach will Russland, dass russische Ermittler anwesend sind, wenn deutsche Experten bei Nawalny Ermittlungen durchführen. Zudem teilte die sibirische Polizei mit, Russland wolle erreichen, dass russische Ermittler dem Oppositionellen und anderen Zeugen "klärende und zusätzliche Fragen" stellen können.

"Ein entsprechendes Gesuch russischer Behörden liegt der Bundesregierung nicht vor", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert dazu in Berlin. Russland verfüge aber bereits "über alles Notwendige, um Ermittlungen durchzuführen".

Belastetes Verhältnis

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Der Fall belastet das deutsch-russische Verhältnis zunehmend. Ein Speziallabor der Bundeswehr hatte nach Angaben der Bundesregierung "zweifelsfrei" festgestellt, dass Nawalny mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Russische Ärzte hatten dagegen erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden. Moskau hatte sich anschließend mehrfach darauf hingewiesen, trotz Anfrage durch Ermittler keinerlei Unterlagen aus Berlin bekommen zu haben.

Der prominente Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin war am 20. August auf einem Inlandsflug kollabiert. Nach einer Notlandung wurde er zunächst in einer Klinik im sibirischen Omsk behandelt, bevor er am 22. August nach Deutschland ausgeflogen und in die Berliner Charité verlegt wurde. Nawalny ist mittlerweile aus dem Koma erwacht.

Mit Nowitschok, das in der Sowjetunion entwickelt wurde, war bereits der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal 2018 in Großbritannien vergiftet worden.

Quelle: ntv.de, joh/chr/dpa