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"Unberechenbare" Bedrohung Strategen empfehlen Trump "Mini-Nukes"

US-Militärs fordern eine Neuausrichtung des nuklearen Waffenarsenals. Verkleinerte Atombomben sollen eine glaubhafte Abschreckung ermöglichen. Kritiker fürchten einen neuen Rüstungswettlauf.

Die US-Regierung treibt unter Präsident Donald Trump die Entwicklung neuer Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft voran. Mit der Einführung sogenannter taktischer Nuklearsprengköpfe wollen die Militärs auf die Ausweitung der atomaren Kapazitäten Russlands reagieren. Die Neuausrichtung des Kernwaffenarsenals solle eine glaubhafte Abschreckung ermöglichen, heißt es in einem offiziellen Pentagon-Report zur neuen Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten.

"Unsere Strategie soll sicherstellen, dass Russland versteht, dass jeder Einsatz von Atomwaffen - egal wie begrenzt - inakzeptabel ist", erklären führende Regierungsbeamte in ihrem Bericht, den das US-Verteidigungsministerium vor dem Wochenende veröffentlichte.

Durch die neuen Bomben soll das US-Atomwaffenarsenal zwar nicht ausgeweitet werden - sie sollen bisherige Sprengkörper ersetzen. Dennoch bricht die Regierung von Präsident Donald Trump durch die neue Doktrin mit dem Kurs von Vorgänger Barack Obama, der die weltweite Abschaffung von Atomwaffen zum Ziel erklärt hatte.

"Die Strategie entwickelt Fähigkeiten mit dem Ziel, den Einsatz von Atomwaffen weniger wahrscheinlich zu machen", erklärte Trump. Zugleich werde die Abschreckung vor Angriffen gegen die USA und ihre "Verbündeten und Partner" vergrößert.

Logik des Schreckens

Das Pentagon argumentiert in dem 75-seitigen Papier, dass die strategischen Atomwaffen mit ihrem gigantischen Zerstörungspotenzial zur Abschreckung nicht reichten. Russland setzt demnach womöglich darauf, dass die USA diese Waffen niemals einsetzen würden - da das Risiko wegen eines zu befürchtenden atomaren Gegenangriffs von ähnlicher Dimension und der damit drohenden Vernichtung von großen Teilen der Menschheit zu hoch sei.

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Das "Nuclear Posture Review"-Papier wirft ernste Fragen auf: Nuklear-Staatssekretär Steve Erhart.

(Foto: AP)

Der Bericht zur US-Nuklearstrategie gleicht einem Rundumschlag zur Weltlage aus der Sicht der US-Streitkräfte. Die Autoren des Dossiers gehen neben Groß- und Regionalmächten auch auf die "unberechenbare" Bedrohung durch Nordkorea ein. Um flexibler reagieren zu können, wollen die Strategen im Pentagon eigenen Angaben zufolge eine "kleine Zahl" existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen. Auf lange Sicht soll zudem ein nuklearwaffenfähiger Marschflugkörper entwickelt werden, der ebenfalls von U-Booten aus gestartet werden kann.

Das Pentagon lässt in dem Papier offen, wie groß die Sprengkraft der neuen Sprengkopftypen sein soll. Auch "kleine Atomwaffen" - sogenannte Mini-Nukes - verfügen noch über ein gewaltiges Zerstörungspotential. Neben der Explosionswirkung, die vor Ort vor allem durch die im nuklearen Feuer erzeugte Hitze und die enorme Druckwelle wirkt, drohen über den Explosionsort hinaus langfristige Strahlenrisiken. Der sogenannte Fall-out einer Kernwaffenexplosion kann durch Wind und Wetter getrieben ganze Landstriche kontaminieren.

"Der Wirklichkeit ins Auge sehen"

In die Kategorie der Mini-Nukes fallen üblicherweise Bomben mit einer Sprengkraft von weniger als 20 Kilotonnen. Das heißt, dass eine einzelne Mini-Nuke-Bombe so viel Schaden anrichten kann, wie eine Menge von bis zu 20.000 Tonnen herkömmlichen Sprengstoffs. Zum Vergleich: Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki - die bislang einzigen nuklearen Sprengköpfe, die tatsächlich in einem Krieg zum Einsatz kamen - lagen beide teils deutlich unter 20 Kilotonnen. Dennoch fielen bei dem Abwurf über bewohntem Gebiet mehrere zehntausend Menschen zum Opfer, Hundertausende wurden teils schwer verletzt oder dauerhaft geschädigt.

"Wir müssen der Wirklichkeit ins Auge sehen und die Welt so sehen, wie sie ist, nicht so, wie wir es uns wünschen", schreibt US-Verteidigungsminister James Mattis im Vorwort des 74-seitigen Berichts. Darauf nehme man mit den Änderungen an der Strategie Bezug. Kritiker der Strategie warnten jedoch umgehend, dass die Neuausrichtung ein neues Wettrüsten der Atom-Mächte auslösen könnte.

"Zunehmend aggressives Verhalten"

Zentralen Raum nimmt in dem Pentagon-Papier die Frage ein, wie die US-Regierung auf die militärischen Strategien von Großmächten wie Russland und China reagieren sollte. "Während die USA die Anzahl und den Stellenwert ihrer Atomwaffen verringert haben, haben andere, darunter Russland und China, sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt", heißt es in dem Bericht. "Sie haben ihren Arsenalen neue Typen von nuklearen Fähigkeiten hinzugefügt (...) und legen ein zunehmend aggressives Verhalten an den Tag, darunter im Weltraum und im Cyberspace."

Auf das nordkoreanische Atomprogramm geht der Bericht ebenfalls ausführlich ein. Nordkorea stelle eine "dringliche und unberechenbare" Bedrohung für die Vereinigten Staaten und seine Verbündeten dar. Das international isolierte Land sei möglicherweise nur noch Monate davon entfernt, die Fähigkeit zu entwickeln, die USA mit einer atombestückten Rakete zu treffen. Man habe deutlich gemacht, dass jeder nukleare Angriff gegen die USA oder Verbündete inakzeptabel sei und zum "Ende des Regimes" führen würde, heißt es in dem Strategiepapier weiter. "Es gibt kein Szenario, in dem das Kim-Regime Atomwaffen einsetzen und überleben könnte."

Keine Verstöße gegen "New START"

Mehrere Regierungsvertreter unterstrichen bei einer Pressekonferenz am Freitag, dass die USA Atomwaffen nur unter "extremen Umständen" einsetzen würden. Man sei aber zu dem Schluss gekommen, dass man flexiblere Typen von Atomwaffen brauche, um die Strategie der Abschreckung zu untermauern.

Die Veränderungen würden nicht gegen bestehende Verträge zur Waffenkontrolle verstoßen, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Patrick Shanahan. In dem Bericht erklärt die US-Regierung, dass sie hinter diesen Verträgen stehe. Zugleich äußerte sie sich wenig optimistisch, was den Abschluss neuer Abkommen angeht.

Am Donnerstag hatte das US-Außenministerium erklärt, die USA und Russland erfüllten beide ihre Verpflichtungen zur atomaren Abrüstung im Zuge des Vertrages "New START". Dieser war am 5. Februar 2011 in Kraft getreten. Darin verpflichten sich die beiden größten Atommächte der Welt, ihre Kapazitäten binnen sieben Jahren deutlich zu verringern. Der Stichtag ist am kommenden Montag.

Trump hatte das Pentagon nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr angewiesen, die nukleare Strategie der USA zu überprüfen. Seit 1994 ist es in den USA üblich, dass Präsidenten einen solchen "Nuclear Posture Review" vorlegen. Der nun vom Pentagon vorgelegte Bericht ist dabei nur eine Zusammenfassung; das eigentliche Dokument wird als geheim eingestuft.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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