Politik

Trump, Problem der Republikaner "The Donald" trifft die Stimmung der Wähler

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Das Problem der Republikaner ist nicht Donald Trump. Das Problem ist der Spagat zwischen den alten Kernwählern und den jüngeren, weniger weißen Wählergruppen.

(Foto: AP)

Mit Sprüchen gegen illegale Einwanderer hat Donald Trump es geschafft, seine Beliebtheit bei republikanischen Wählern dramatisch zu steigern. Für die Republikaner wird Trump zu einer echten Gefahr.

Man stelle sich einmal vor, die CDU würde ihre Basis und Anhänger über den nächsten Kanzlerkandidaten abstimmen lassen. Eine öffentliche Figur wie der TV-Millionär Robert Geiss, dessen Leben seit vier Jahren von einer Reality-Show begleitet wird, würde sich um diese Kandidatur bewerben. Und es gäbe eine Fernsehdebatte, in der Geiss neben Politikern wie Angela Merkel, Volker Bouffier oder Ursula von der Leyen stünde. Die CDU hätte ein Problem.

Genau dieses Problem haben die amerikanischen Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf – nur viel schlimmer. Der Milliardär Donald Trump, der sich um die republikanische Kandidatur bewirbt, führt die Umfragen derzeit mit deutlichem Vorsprung an. In einer Erhebung, die auf einer Vielzahl von Umfragen basiert, kommt "The Donald" auf 18 Prozent.

Damit liegt er deutlich vor den drei Kandidaten, von denen die meisten Beobachter annehmen, dass sie die besten Chancen haben, die Vorwahlen der Republikaner zu gewinnen: Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush (13,8 Prozent), der Gouverneur des Bundesstaats Wisconsin, Scott Walker (10,8 Prozent) und Senator Marco Rubio (6,3 Prozent). Natürlich: Der Wahlkampf hat gerade erst begonnen – die Vorwahlen starten am 1. Februar 2016 – und das Feld der Bewerber ist ungewöhnlich unübersichtlich. Insgesamt 15 Männer und eine Frau wollen in einem Jahr auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Cleveland zum Präsidentschaftskandidaten nominiert werden. Dass Donald Trump das Rennen machen wird, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Auf der anderen Seite: Trump hat es nicht nur geschafft, sich an die Spitze der Umfragen zu setzen, er hat auch seine persönlichen Werte komplett gedreht. Noch Ende Mai hatten 65 Prozent der republikanischen Wähler ein negatives Bild vom ihm. In einer neuen Umfrage für die "Washington Post" und den Sender ABC haben zwar noch 60 Prozent aller registrierten Wähler dieses negative Bild, aber nur noch 40 Prozent der republikanischen Wähler. Ein positives Bild von Trump haben jetzt 57 Prozent der republikanischen Wähler.

"Immun gegen guten Geschmack, aber nicht dumm"

Trotz seines Rufs als Witzfigur der Nation hat Trump es geschafft, zahlreiche Wähler davon zu überzeugen, dass er der richtige Mann für den Job im Weißen Haus wäre. Der zentrale Grund dafür dürften seine Ausfälle gegen illegale Einwanderer sein. In seiner Bewerbungsrede Mitte Juni hatte der 69-Jährige illegale Einwanderer aus Mexiko "Vergewaltiger" genannt, die Drogen in die USA bringen würden. Um diese Menschen zu stoppen, werde er eine "große, große Mauer an der südlichen Grenze" der USA errichten, so Trump.

Es waren nicht die einzigen Ausfälle, die Trump sich leistete. Am vergangenen Wochenende sagte er, der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain sei kein Kriegsheld, denn er habe sich schließlich von den Nordvietnamesen fangen lassen. Am Dienstag las er bei einer Wahlkampfveranstaltung die Telefonnummer des republikanischen Senators Lindsey Graham vor, der sich ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur bewirbt, aber in den Umfragen so schlecht dasteht, dass Fox News ihn nicht einmal zur ersten Debatte der republikanischen Bewerber eingeladen hat.

Bei vielen Wählern, die ohnehin niemals erwägen würden, einem Demokraten oder einer Demokratin ihre Stimme zu geben, kommt das gut an. "Trump mag eine clowneske Gestalt sein, immun gegen Fakten, Belege und guten Geschmack – aber dumm ist er nicht", schreibt der US-Politologe Michael Cohen. Trump verstehe, wie man die Herzen der republikanischen Wähler erreiche. Es ist eine Binsenweisheit, dass die republikanischen Wähler weißer und älter sind als die der Demokraten. Kandidaten wie Bush und Rubio gehen mit dieser Herausforderung um, indem sie ihre Nähe zur Latino-Community betonen; Bush ist mit einer Mexikanerin verheiratet, Rubio ist der Sohn kubanischer Einwanderer.

Trump kümmert sich nicht um neue Wählergruppen, er zielt auf die alten Kernwähler der Republikaner – und legt damit das zentrale Problem der Partei bloß: die im wörtlichen Sinne sterbende Wählerschaft. Beim Kern der republikanischen Wähler kommt Trump mit seinem Anti-Establishment-Gerede gut an. Für die anderen Republikaner wird die Herausforderung dadurch noch größer.

John McCain sagt, Trump feuere mit seiner Rhetorik die Verrückten an. Tatsächlich jedoch erinnert er das Publikum daran, wie die Republikaner früher waren. Seine Mitbewerber, für die der Wahlkampf zwischen republikanischen Kernwähler und neuen Zielgruppen ohnehin ein Drahtseilakt ist, müssen sich entscheiden, wen sie lieber verschrecken: die alten, weißen Konservativen oder die weniger radikalen, weniger weißen und jüngeren Wähler. Beim Gedanken an die TV-Debatte am 6. August dürfen sie sich unwohl fühlen.

Präsident wird Trump niemals werden, höchstwahrscheinlich nicht einmal Präsidentschaftskandidat. Aber wenn er so weitermacht wie bisher, schafft er es zum wichtigsten Wahlhelfer von Hillary Clinton.

Quelle: ntv.de