Politik

Razzien in Istanbul Türkei zerstört IS-Hauptquartiere

Nach langem Zögern bekämpft die Türkei die Terrorgruppe IS jetzt gleich an mehreren Fronten. Die Luftwaffe fliegt Bombenangriffe auf Stellungen der Terroristen in Syrien. Gleichzeitig laufen in Istanbul Razzien. Die Polizei nimmt hunderte Verdächtige fest.

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Zum Kampf gegen den Islamischen Staat sendet n-tv um 12.30 Uhr, 13:30 Uhr und 14:30 Uhr ein News Spezial.

Türkische Kampfjets haben erstmals Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien angegriffen. Bei den Bombardements am frühen Morgen seien zwei Hauptquartiere und ein Sammelpunkt der Extremisten getroffen worden, erklärte Regierungschef Ahmet Davutoglu. Die drei Kampfflugzeuge seien dann auf die Basis Diyarbakir im Südosten der Türkei zurückgekehrt.

Geflogen wurden die Angriffe noch vor 04.00 Uhr morgens Ortszeit. Der Nachrichtenagentur Dogan zufolge lagen die IS-Ziele rund um das Dorf Hawar unweit der südlichen türkischen Provinz Kilis. Die Türkei sei "entschlossen", alle Vorkehrungen zu treffen, um die nationale Sicherheit zu verteidigen, hieß es in der Erklärung der türkischen Regierung. Demnach fiel die Entscheidung zu Luftangriffen bei einem Treffen von Sicherheitsvertretern in Ankara am Abend zuvor.

Es war das erste Mal seit dem Erstarken der Miliz im Sommer vergangenen Jahres, dass die türkische Armee Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien flog. Bereits am Donnerstag hatten türkische Panzer Stellungen der Dschihadisten im Nachbarland beschossen. Zuvor war ein türkischer Soldat durch Schüsse aus Syrien getötet worden.

Zu Wochenbeginn hatte ein verheerender Bombenanschlag mit 32 Toten die türkische Stadt Suruc erschüttert. In der Erklärung machte die Regierung den IS erstmals offiziell für den Anschlag in Suruc mit 32 Toten verantwortlich.

Polizei nimmt über 200 Verdächtige fest

Am frühen Morgen gab es in Istanbul außerdem eine Reihe von Razzien gegen mutmaßliche Mitglieder des IS sowie der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). An dem Einsatz in mehreren Bezirken der türkischen Metropole waren rund 5000 Beamte beteiligt, wie die Nachrichtenagentur Dogan meldete.

Außer Mitgliedern des IS und der PKK richtete sich der Einsatz auch gegen die PKK-Jugendorganisation (YDG-H) sowie gegen Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C). Insgesamt wurden bei der Polizeiaktion 251 Verdächtige festgenommen. Die Regierung erklärte, die Razzia habe in 13 Provinzen stattgefunden. Unklar blieb, wie viele der Festgenommenen mutmaßlich dem IS und wie viele der PKK angehören. Die PKK hatte sich zuvor zum Mord an zwei türkischen Polizisten bekannt.

Die Türkei wird außerdem die von den USA geführte Militärallianz stärker unterstützen: Sie kann künftig einen Flughafen in der Türkei für ihre Luftschläge gegen den IS nutzen. Die USA und die Türkei einigten sich darauf, dass Kampfflugzeuge vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik im Süden der Türkei aus starten dürfen, wie aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete. Bislang durften lediglich Drohnen von dem Stützpunkt aus starten.

Quelle: n-tv.de, hul/rts/AFP/dpa

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