Politik

Völkermord und "hässliche Worte" Türkische Zeitungen schimpfen über Gauck

3p193232.jpg1319284304542701917.jpg

Es ist nicht das erste Mal, dass Gauck mit offenen Worten in der Türkei scharfe Kritik erntet.

(Foto: dpa)

Zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern finden deutsche Politiker erstmals deutliche Worte. Bundespräsident Gauck spricht von Völkermord - und erntet scharfe Kritik in der Türkei. Doch Bundestagspräsident Lammert schließt sich dem Staatsoberhaupt an.

Mit teils scharfer Kritik haben türkische Medien auf die Armenier-Rede von Bundespräsident Joachim Gauck reagiert. Gaucks Äußerungen seien "schockierend" gewesen, heißt es in der die Onlineausgabe der Zeitung "Hürriyet". Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" warf Gauck vor, das Osmanische Reich mit "hässlichen Worten" beschrieben zu haben.

Beim ebenfalls regierungsfreundlichen Blatt "Yeni Safak" hieß es, Gauck habe mit seiner Rede seine Befugnisse überschritten. Die Zeitung "Star" kommentierte, der deutsche Präsident habe die Osmanen beinahe als Terroristen bezeichnet.

Von der türkischen Regierung liegt bisher keine Reaktion auf Gaucks Ansprache vor. Kritik an demokratischen Defiziten in der Türkei hatte Gauck im vergangenen Jahr während eines Besuchs in dem EU-Bewerberland heftige Kritik der Regierung eingebracht.

Lammert schließt sich Gauck an

Der Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich am 24. April 1915 jährt sich an diesem Freitag zum hundertsten Mal. Gauck hatte in seiner Rede im Berliner Dom am Vorabend die Massaker als "Völkermord" benannt.

Der Bundespräsident sprach von einer "genozidalen Dynamik, der das armenische Volk zum Opfer fiel", und von "geplanten und systematischen Mordaktionen". Gauck stellte sich damit gegen die Haltung der Türkei, die den Begriff des Völkermords zurückweist.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach zum Auftakt der Bundestagsdebatte über das Schicksal der Armenier klar von Völkermord. "Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, war ein Völkermord", sagte der CDU-Politiker vor dem Parlament. Er ging damit deutlich über den Antrag von Union und SPD hinaus, über den anschließend beraten wurde. Darin werden die Verbrechen an den Armeniern zwar in Zusammenhang mit dem Begriff Völkermord genannt, eine ausdrückliche Benennung erfolgt jedoch nicht.

Lammert bezog sich dabei ausdrücklich auf die völkerrechtliche Definition von Völkermord als Taten mit der Absicht, eine Volksgruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Zugleich bekannte er sich zur deutschen Mitverantwortung am damaligen Geschehen. Das deutsche Kaiserreich war im Ersten Weltkrieg ein Verbündeter der Osmanen. Lammert sagte weiter: "Die heutige Regierung in der Türkei ist nicht verantwortlich für das, was vor 100 Jahren geschah. Aber sie ist mitverantwortlich für das, was daraus wird."

Putin und Hollande in Armenien

In Armenien empfing Präsident Sersch Sargsjan die internationalen Delegationen zu den Gedenkfeiern. Kremlchef Wladimir Putin und der französische Präsidenten François Hollande trafen gemeinsam mit Vertretern aus Dutzenden Ländern an der zentralen Gedenkstätte in der Hauptstadt Eriwan ein. Im Laufe des Tages werden Hunderttausende Armenier an der Gedenkstätte erwartet.

In der Türkei begannen derweil nichtstaatliche Gedenkfeiern zum Völkermord. Dutzende Menschen versammelten sich in jenem Viertel von Istanbul, in dem am 24. April 1915 die ersten armenischen Intellektuellen verhaftet wurden. Im armenischen Patriarchat kamen die Gläubigen zu einem Gedenkgottesdienst zusammen. Als erster türkischer Regierungsvertreter wollte EU-Minister Volkan Bozkir an der Gedenkfeier teilnehmen. Zudem wurde eine Grußbotschaft von Präsident Recep Tayyip Erdogan erwartet.

Quelle: ntv.de, mli/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen