US-Wahl

Romney und seine früheren Rivalen Gestern pfui, heute hui

Erst böse Worte, dann heile Welt: Romney und Bachmann beim gemeinsamen Wahlkampf.

Erst böse Worte, dann heile Welt: Romney und Bachmann beim gemeinsamen Wahlkampf.

(Foto: Reuters)

Die Nominierung der Republikaner hat Romney sicher, und so langsam scharen sich auch seine Vorwahl-Gegner um ihn. Doch die Unterstützung fällt recht unterschiedlich aus: Vom aktiven Wahlkampf bis zum kalkulierten Schweigen.

Aller guten Dinge sind drei. Dachte sich wohl auch der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Pizzakettengründer Herman Cain. Mitte der Woche stellte er sich öffentlich hinter Mitt Romney - nachdem er zuvor erst "das Volk" und dann Newt Gingrich als Kandidat für die anstehende Wahl empfohlen hatte. Damit fehlt Romney nur noch eine Stimme, um sämtliche Gegner aus dem harten Vorwahlkampf in seinem Lager willkommen zu heißen.

So langsam haben sich die Republikaner also mit der Idee einer Romney-Kandidatur abgefunden, vielleicht sogar angefreundet. Dass sich seine einstigen Gegner für ihn aussprechen ist wichtig für das Duell mit Amtsinhaber Barack Obama: Nur wenn die Konservativen ihre Reihen schließen hat Romney im November eine Chance.

Perry wählt Romney

Rick Perry, der texanische Cowboy mit dem schwachen Gedächtnis, hat sogar schon für Romney abgestimmt. Die Vorwahlen in Texas finden zwar erst am 29. Mai statt, doch schon am vergangenen Mittwoch konnten Wähler ihre Stimmen abgeben. Perry macht e sein Kreuzchen hinter Romneys Name. "Wenn man sich über die Zukunft des Landes Sorgen macht", so Perry, "hat man gar keine andere Wahl."

Noch vor ein paar Monaten klang das anders, da verglich er Romney wegen seiner Vergangenheit als Investmentmanager mit einem "Geier" der die Kadaver von Firmen abnagt.

Schützenhilfe für Bachmann

Auch Michele Bachmann, Liebling der erz-konservativen Tea-Party-Bewegung, hat Romney ihr Vertrauen ausgesprochen. Dabei ist Bachmann eigentlich genug mit sich selbst beschäftigt: Sie bewirbt sich in Ihrer Heimat Minnesota erneut um die Wiederwahl in den US-Kongress. Leicht wird es allerdings nicht. Wenn man ihren Rundschreiben glauben kann, kämpft Bachmann um ihr politisches Überleben.

"Liberale Richter" hätten die Wahlbezirke in Minnesota zu ihren Ungunsten verändert, so Bachmann. "Aus Rache dafür, dass ich mit Obama auf der nationalen Bühne entgegengestellt habe." Sogar ihr eigenes Haus finde sich nun in einem Bezirk wieder, der von einem Demokraten in der Hauptstadt Washington repräsentiert wird. Nur großzügige Spenden könnten verhindern, dass die Demokraten "Millionen ausgeben und mich bezwingen".

Der Hilferuf ist auch im Romney-Lager angekommen. Einen Tag nachdem Bachmann sich für ihn ausgesprochen hatte stand Romney bereits neben ihr bei einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota.

Gingrich hilft, Santorum wartet

Newt Gingrich geht sogar noch einen Schritt weiter. Er hat sich nach seinem Aus in den Vorwahlen nicht nur für Romney ausgesprochen, er macht sogar schon Wahlkampf für seinen ehemaligen Gegner. Zwei Veranstaltungen sind bereits in Gingrich's Heimatstaat Georgia geplant, ein weiterer Auftritt in Las Vegas. Ins Spielerparadies hat Gingrich beste Beziehungen: Sein einziger Großspender in diesem Wahljahr, Sheldon Adelson, betreibt dort mehrere Kasinos und Hotels. "Ich tue alles, um Mitt zu helfen", verspricht Gingrich.

So weit will Rick Santorum offenbar noch nicht gehen. Zwar hat sich Romneys härtester Rivale in den Vorwahlen inzwischen öffentlich für ihn entschieden. Allerdings war der entsprechende Satz gut versteckt in einer Rundmail an seine Unterstützer, die erst kurz vor Mitternacht verschickt wurde. "Es war ja auch eine Botschaft über mich", verteidigte sich Santorum in der Sendung von Talkmaster Jay Leno.

Keine Hilfe vom Mormonen Huntsman

Offenbar will sich Santorum nicht völlig von seiner Rolle als ultra-konservativer Anti-Romney verabschieden. Schließlich gibt es noch einen Job als Vizepräsident zu vergeben, und für den könnte Romney einen Verbindungsmann zum rechten Wählerspektrum brauchen. Vor kurzem forderte Santorum den Obama-Herausforderer im Wartestand auf, das Thema der Homo-Ehe noch aggressiver gegen den Amtsinhaber zu wenden. "Das ist eine sehr mächtige Waffe", so Santorum, "wenn Gouverneur Romney bereit ist, sie gegen einen Präsidenten zu richten, der keine Ahnung von Amerikas Wertvorstellungen hat."

Allein Jon Huntsman hat sich vom Wahlkampf gänzlich zurückgezogen. Zwar sprach auch er sich kurz nach seiner Aufgabe im Januar für Romney aus. Danach aber kritisierte Huntsman öffentlich dessen China-Politik. "Mein Vater wird keinen Wahlkampf für Romney machen", bestätigte Huntsmans Tochter Abby Livingston in einer Email an den TV-Sender ABC. Ausgerechnet von seinem mormonischen Glaubensbruder kann Romney also eher keine Hilfe erwarten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema