Politik

Brisante Durchstechereien USA leakten Namen des Manchester-Täters

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Britische Polizisten nach dem Terroranschlag von Manchester

(Foto: REUTERS)

Wie sicher ist es noch, geheimes Material mit US-Behörden zu teilen? Diese Frage stellt sich ausländischen Sicherheitsdiensten schon wieder. Medien wurden in den USA mit Informationen versorgt, die die Briten wohlweislich zurückhielten.

Die Explosion in Manchester mit 22 Toten lag erst wenige Stunden zurück, die britische Polizei sprach noch von einem "Vorfall", da verschickten US-Medien eine Breaking News. Es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt, hieß es. Die Medien beriefen sich auf US-Beamte, die von britischen Behörden gebrieft worden seien. Mit anderen Worten: Mitarbeiter der US-Behörden hatten vertrauliche Informationen aus Großbritannien an die Presse geleakt.

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Es ging noch weiter. Wenige Stunden später rief die Polizei von Manchester dazu auf, "nicht über Details zu spekulieren und Namen zu verbreiten. Es ist eine komplexe und weitreichende Untersuchung im Gange". Doch die US-Kreise scherten sich nicht um diesen Hinweis. Wieder wurden den Medien Insider-Informationen gesteckt, diesmal der Name des 22-jährigen mutmaßlichen Täters Salman Ramadan Abedi.

Für die britischen Behörden war dies ein Problem. Bewusst hatten sie sich mit Informationen zurückgehalten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. "Plötzlich stehen 10.000 Reporter vor dem Haus des Attentäters, während die Polizei sich dem unauffällig zu nähern sucht", zitiert die britische Zeitung "Guardian" Thomas Sanderson vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington. Dies sei für die Briten irritierend.

Tatsächlich drückte die britische Innenministerin Amber Rudd nun auch in der BBC ihr Befremden über die Leaks aus. Sie befürchtet, dass die Leaks die Ermittlungen behindert haben könnten und so mögliche Mitwisser gewarnt waren. Wie sie dem britischen Sender sagte, habe sie Washington gegenüber sehr deutlich gemacht, dass das "nicht noch einmal" passieren dürfe. Außerdem kündigte sie an, zu untersuchen, wie die Informationen vorzeitig an die Medien gelangten.

Es ist nicht das erste Mal, dass geheime Erkenntnisse ausländischer Behörden in den USA ungewollt an die Öffentlichkeit dringen. Erst vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump Russlands Außenminister Sergej Lawrow und dem US-Botschafter Sergej Kisljak Informationen eines ausländischen Geheimdienstes - vermutlich des israelischen - weitergegeben. Der "Washington Post" zufolge ging es dabei um heikle Details über einen Anschlagsplan der Terrormiliz IS. Die Informationen waren offenbar so geheim, dass sie selbst Alliierten der USA und Teilen der US-Regierung vorenthalten wurden. Nun plauderte Trump munter mit den Russen darüber - und gefährdete dabei womöglich eine Geheimdienstquelle.

"Das ist eine undichte Verwaltung"

Schon damals wurden Warnungen laut, dass sich künftig ausländische Geheimdienste bei der Weitergabe von Informationen an die USA zurückhalten dürften. Ausländische Sicherheitspartner betonten zwar eilends, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Geheimdienst-Kooperation geben werde. "Die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich mit unserem wichtigsten Verbündeten, den USA, ist eng, bedeutsam und in seinem Umfang beispiellos", erklärte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Und Premierministerin Theresa May betonte, Großbritannien habe nach wie vor Vertrauen in die Beziehungen zu den USA und werde weiter Geheimdienstinformationen mit seinem wichtigsten Partner teilen.

Doch nach dem neuen Leak dürften die Befürchtungen zunehmen und sich vermehrt die Frage stellen, was man noch an US-Behörden weitergeben kann. "Das ist eine undichte Verwaltung", sagt Sanderson. Gerade der britische und israelische Geheimdienst, immerhin wichtige Sicherheitspartner für die USA, würden nun darüber nachdenken, ob ihnen die Weitergabe von Informationen schaden werde.

Ähnlich klingt Professor Lawrence Freedman vom King's College in London: "Die USA haben offenbar Stoff von der letzten Nacht ihren Journalisten gesteckt. Es wird noch zu dem Punkt kommen, dass britische Behörden aufhören, ihre Informationen zu teilen", twitterte er.

Und er gab auch eine Begründung an, warum in den USA der Name des Attentäters genannt worden sei: Ein US-Kollege habe angedeutet, es sei "schlichtweg Disziplinlosigkeit. Angeben damit, was man weiß". Ein Grund, der wohl auch für die vertraulichen Plaudereien im Oval Office angeführt werden könnte.

Quelle: ntv.de