Politik

Berlin pocht auf Registrierung vor Ort Ungarn lässt Flüchtlinge Richtung Westen reisen

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Jubel bei den Migranten in Budapest: Die Schleusen in Richtung Westen sind offen.

(Foto: dpa)

Ungeachtet des umstrittenen Zauns an der Grenze zu Serbien kommen Tausende Flüchtlinge in Budapest an. Der Hauptbahnhof dort wird zu einem Sammelplatz. Jetzt ziehen sich die Polizisten zurück. Die Migranten stürmen die Züge nach Wien, München und Berlin.

Die ungarische Polizei hat sich vom Budapester Ostbahnhof zurückgezogen, wo Tausende Flüchtlinge festsitzen. Diese würden zur Stunde in die Züge nach Wien, München und Berlin steigen. Die Polizei hatte sie bisher daran gehindert. "Die Migranten stürmen die Züge in Richtung Westen", berichten Reporter vor Ort.

In der Regel kaufen sich die Flüchtlinge entsprechende Fahrkarten selbst. Wie das ungarische Fernsehen meldete, bildeten sich seit dem Abzug der Polizisten vor den Fahrkartenschaltern lange Schlangen. Von ungarischer Seite lag keine Erklärung für das geänderte Verhalten der Ordnungskräfte vor. Auf den Budapester Bahnhöfen herrschen seit den letzten Tagen chaotische Zustände.

Ungarn verlangt Klarheit

Ungarn liegt an der sogenannten Westbalkanroute, über die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisenregionen nach ihrem Eintreffen in Griechenland weiter in westliche EU-Länder gelangen wollen. Nach den gemeinsamen EU-Asylregeln ist Ungarn verpflichtet, alle Einwanderer zu registrieren. Viele Flüchtlinge wollen dies aber verhindern und stattdessen gleich nach Österreich oder Deutschland weiterreisen.

Die Bundesregierung pocht auf eine Registrierung syrischer Flüchtlinge in Ungarn und anderen EU-Staaten. "Wer nach Ungarn kommt, muss sich dort registrieren lassen und das Asylverfahren dort durchführen", erklärte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin. "Deutschland hat Dublin nicht ausgesetzt."

Das Innenressort wies Gerüchte zurück, wonach der Bund syrische Flüchtlinge mit Sonderzügen nach Deutschland hole. "Es gibt keine Sonderzüge", betonte der Sprecher. Die sogenannte Dublin-Verordnung sieht vor, dass derjenige Mitgliedstaat für ein Asylverfahren zuständig ist, in dem ein Asylbewerber erstmals europäischen Boden betritt.

Der Sprecher der ungarischen Regierung warf der Bundesregierung vor, sie habe unter den syrischen Flüchtlingen enorme Hoffnungen geweckt. Deutschland hatte in den vergangenen Tagen die Regelung ausgesetzt, dass Flüchtlinge aus Syrien wieder in das Land der Erstregistrierung in der EU zurückgebracht werden müssen.

Ungarischer Zaun wirkungslos

Trotz des neu errichteten Grenzzauns kommen immer mehr Flüchtlinge in Ungarn an. Damit zeigt der jüngst fertiggestellte Stacheldrahtzaun keine spürbare Wirkung. Die ungarische Polizei griff nach eigenen Angaben allein am Sonntag 2890 Flüchtlinge auf, die neu aus Serbien nach Ungarn gekommen waren. Am Samstag waren es 3080 gewesen.

Am selben Tag hatte das ungarische Verteidigungsministerium bekanntgegeben, dass der 175 Kilometer lange Zaun fertiggestellt worden sei - zwei Tage früher als geplant. Die Stacheldrahtsperre soll bis Ende Oktober noch um einen bis zu vier Meter hohen Maschendrahtzaun ergänzt werden.

Nach dem Fund der toten Flüchtlinge auf der A4 nahe Wien hatte Österreich verschärfte Kontrollen im grenznahen Raum zu Ungarn angekündigt - offenbar mit Erfolg. Nach Angaben der Polizei haben die Behörden an der Grenze zu Ungarn seit Sonntag fünf mutmaßliche Schlepper und mehr als 200 Flüchtlinge aufgegriffen. Die Kontrollen führen aktuell zu erheblichen Staus mit Dutzenden Kilometern Länge.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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