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"Cash only" - die Krise der anderen Urlaub in Griechenland? "Gebucht ist gebucht"

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Im Pool auf Santorini: Von der Krise bekommt man hier nicht viel mit.

(Foto: REUTERS)

Die Ferien dort verbringen, wo andere vor dem Abgrund stehen? Der Tourismus in Griechenland ist die einzige Branche, die boomt. Die Gäste fühlen sich wohl - und die Einheimischen beten, dass das auch so bleibt.

Phil weiß nicht genau, worum es geht. "Ich wusste gar nicht, dass Ihr in Europa solche Probleme habt." Dabei hat er, wie er später erzählt, griechische Wurzeln. Phil kommt aus Melbourne. In Griechenland macht er Urlaub, bevor es wieder nach Hause geht, verbringt er noch einige Tage in Athen. Von der Finanzkrise hat er gehört, das hat sich bis Australien herumgesprochen; auch, dass die Griechen heute darüber abstimmen, ob sie sich von der Europäischen Union helfen lassen wollen - und im Gegenzug die Bedingungen der Gläubiger akzeptieren. Das aber sei ihm, sagt Phil, zu kompliziert. "Ich hatte eine großartige Zeit hier." Er verabschiedet sich und macht sich auf den Weg hoch zur Akropolis.

Urlaub in Zeiten der Krise - schickt sich das? Gegenfrage: Warum nicht? Es ist doch so: Wer jetzt nach Griechenland fährt, dort seine Ferien verbringt und vor allem Geld ausgibt, der hilft dem Land im Angesicht der drohenden Pleite. Schließlich ist der Tourismus eine der wenigen Einnahmequellen, die noch geblieben sind, und trägt gut 16 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Im vergangenen Jahr waren das 13,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Industrie in Griechenland erarbeitet 12,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Der Deutsche Reiseverband, in dem die Büros organisiert sind, lässt ausrichten: "Wir sehen im Moment keine großen Veränderungen beim Griechenlandurlaub." Und die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr spricht sogar davon, dass zurzeit deutlich mehr Menschen ihren Urlaub in Hellas verbringen als im vergangenen Jahr. Da kamen von den 24,5 Millionen Touristen zweieinhalb Millionen aus Deutschland. In diesem Jahr soll die Marke von 25 Millionen geknackt werden. Und die Krise spielt so gar keine Rolle? Eher nicht. Wie sagte es eine Sprecherin des Reiseveranstalters DER Touristik so schön: "Von der Wirtschaftskrise merken Sie auf Kreta und Rhodos wenig." Ähnliches lassen Neckermann und Tui verlauten: "Wir spüren dieses Phänomen nicht." Niemand hat die Absicht, seine Reise zu stornieren.

Das Motto lautet: "Cash only"

Das können auch die beiden Familien aus Wien bestätigen, die am Flughafen Eleftherios Venizelos nach einem, wie sie sagen, "wunderschönen Urlaub" im auf dem Peloponnes darauf warten, dass es zurück nach Österreich geht. Die Reise abzusagen sei keine Option gewesen. "Gebucht ist gebucht." Vier Erwachsene, fünf Kinder, zwei Apartments - "Das Meer war schon richtig warm und die Kinder waren den ganzen Tag am Strand oder am Pool." Was man halt so erzählt, wenn man sich gut erholt hat. Und sonst, keine Probleme? "Eigentlich waren wir die meiste Zeit im Beach-Ressort."

So ergeht es allen, die ihren Urlaub pauschal gebucht haben. Und das sind nun einmal die meisten. Pauschal heißt: Der Reisende muss sich um nichts kümmern. Flug, Hotel, Transfer, Essen - alles inklusive. Wer nicht mag, muss noch nicht einmal auf einen der geplagten Einheimischen treffen. Da kann es einem auch egal sein, ob, und falls ja, wie viel Geld aus dem Automaten kommt. Zumal es mit einer ausländischen Bankkarte ja auch kommt. Ansonsten lautet das Motto in vielen Restaurants und Bars häufig: "Cash only." Darauf sollte der Gast sich einstellen. Auch das Auswärtige Amt rät, lieber genug Bargeld mitzunehmen.

Und wie geht es weiter? Die, die mit den Besuchern ihres Landes ihr Geld verdienen, haben sich klar positioniert. Der Bund der griechischen Tourismusindustrie Sete beschwört die griechische Bevölkerung, bei dem Referendum heute mit ja zu stimmen. Die Sete ist Gründungsmitglied eines Bündnisses von Berufsverbänden, das sich dafür einsetzt, dass Griechenland in der Europäischen Union bleibt. Der Sete gehören nach eigenen Angaben 14 Verbände aus der Touristik an, darunter Hotels, Anbieter von Ferienwohnungen, Reisebüros, Fluggesellschaften, Fähr- und Kreuzfahrtunternehmen an. Insgesamt vertrete Sete etwa 50.000 Unternehmen mit mehr als 400.000 Beschäftigten. Und wie hatte es Kostis Chatzidakis, ehemaliger griechischer Innenminister, im Gespräch mit n-tv.de gesagt? "Ich hoffe, nein ich bete, dass sich die Touristen nach dem Referendum in Griechenland genauso wohl fühlen wie vorher."

Quelle: n-tv.de

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