Politik

"Jemand an Wahrheit interessiert?" Varoufakis twittert Original-Stinkefinger

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Varoufakis hatte sich mit seiner umstrittenen Aussage auf das Jahr 2010 bezogen und auch seine damalige Regierung kritisiert.

(Foto: dpa)

Griechenlands Finanzminister stellt nach seinem Auftritt in der ARD ein "unbearbeitetes Video" seines Vortrags ins Internet, wo es schon seit Monaten zu finden war. Allerdings ist auch darin sein ausgestreckter Mittelfinger zu sehen. Nur eben anders - wahrhaftiger.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat sich nach seinem Auftritt in der ARD-Sendung "Günther Jauch" zur Stinkefinger-Debatte geäußert. "Und hier ist das Video, das nicht von skrupellosen Medien bearbeitet wurde", twitterte Varoufakis und verlinkte den knapp 60-minütigen Film seines kompletten Auftritts bei einer Konferenz in Zagreb. Das Video war allerdings schon länger frei zugänglich. (Die infrage stehende Szene beginnt an Position 39:50.)

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In diesem nun unbearbeiteten Video ist der "Stinkefinger" ebenso zu sehen. Bei "Jauch" hatte Varoufakis diese Szene als "fingiert" bezeichnet. Jetzt verweist er mit der Frage: "Jemand an der Wahrheit interessiert?" auf ein Interview, das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mit dem Veranstalter der Konferenz, dem Philosophen Srecko Horvat, geführt hat. Dieser glaubt, dass Varoufakis den Mittelfinger nicht gegen die Deutschen ausgestreckt hat. "Sein Argument lautete, Griechenland hätte damals gegenüber den privaten Gläubigern in Konkurs gehen sollen, statt sich von den europäischen Partnern einen riesigen Kredit geben zu lassen", sagte Horvat der FAZ.

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Der Kontext war für den Zuschauer bei Jauch nicht klar erkennbar.

(Foto: dpa)

Diese Aussage kann allenfalls als Rechtfertigung betrachtet werden, denn in der Diskussionsrunde am Sonntagabend in der ARD hatte Varoufakis gesagt: "Ich habe diesen Finger nicht gezeigt, er ist hineinmontiert worden." Der Dolmetscher der ARD übersetzte: "Es ist nicht so. Das Foto ist von der Konferenz, aber der Finger ist hineinmontiert worden. Das sage ich Ihnen ohne jeden Zweifel fest zu. Das hat es nicht gegeben." Der griechische Finanzminister war live aus Athen zugeschaltet.

Später meldete sich Varoufakis erneut zu Wort. Er bleibt bei seiner Darstellung. "Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten", zitiert ihn der "Spiegel". Es sei unvorstellbar, dass Jauchs Produktionsfirma nicht gewusst hätte, "dass das Video gefälscht wurde".

Verfälscht - nicht gefälscht

Im Netz drehte sich die Debatte nicht nur um die Echtheit des Videos vom Mai 2013, sondern auch um die redaktionelle Einbettung des Beitrags. So meinte der Medienkritiker Stefan Niggemeier, Varoufakis' Aussage sei durchaus verfälscht worden, weil für die Zuschauer der Kontext nicht klar erkennbar gewesen sei.

Varoufakis hatte damals auf einer Bühne in Zagreb als Wissenschaftler die eigenen Politiker in Athen attackiert. An deren Stelle hätte er 2010 sein Land, nach dem Vorbild Argentiniens, noch vor dem ersten Hilfspaket in die Pleite geschickt und damit Deutschland letztlich den Mittelfinger nach dem Motto gezeigt: "Ihr könnt das Problem jetzt allein lösen", sagte Varoufakis.

Im Beitrag, wo nur kurz das Datum "Mai 2013" eingeblendet wurde, und bei Jauchs Überleitung hätte man da anders verstehen können. Wer nur flüchtig zuhörte und zuschaute, konnte womöglich glauben, es sei eine aktuelle Aussage. NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz twitterte: "Dass Varoufakis sich auf 2010 bezog, hätte man allerdings sagen sollen."

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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