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Sehnsuchtsziel Großbritannien Was steckt hinter dem Mythos Calais?

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Viele Flüchtlinge riskieren auf dem Weg nach Großbritannien ihr Leben.

(Foto: dpa)

Tausende Flüchtlinge wollen vom französischen Calais aus nach Großbritannien. Sie nehmen sogar den eigenen Tod in Kauf. Doch was zieht sie aus dem sicheren Frankreich auf die andere Seite des Ärmelkanals?

Wenn es in Calais Nacht wird, machen sich Hunderte Flüchtlinge auf, um durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen. Auf der anderen Seite des Kanals liegt ihr Sehnsuchtsort: Folkestone, Großbritannien. Die Reise dauert mit einem gültigen Ticket und den richtigen Papieren 35 Minuten. Doch die Flüchtlinge haben nichts davon. So wird der Weg durch den Tunnel zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

Warum aber soll es ausgerechnet Großbritannien sein?  Die Gründe dafür sind relativ einfach. Das ist zum einen die Sprache. Viele der Flüchtlinge, die in Calais auf ihre Chance warten, kommen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Äthiopien und Afghanistan. Sie sprechen wenigstens ein bisschen Englisch, Französisch hingegen nicht. Manche haben bereits Freunde oder Verwandte auf der Insel und erhoffen sich von ihnen Hilfe beim Neuanfang.

Schon bevor der Eurotunnel gebaut wurde, waren die Fähren ein Weg, nach Großbritannien zu kommen. Obwohl die Sicherheitssysteme beständig ausgebaut wurden, haben es immer wieder Flüchtlinge auf die andere Seite geschafft. Selbst durch den schwer bewachten Eurotunnel ist es einigen gelungen. Die Erfolgsgeschichten kursieren dann wie Märchen. Die Botschaft lautet: Man kann es schaffen und dann wird alles gut. Selbst unter Flüchtlingen, die in anderen Teilen Frankreichs untergekommen sind, macht dieser Mythos Calais die Runde und zieht immer wieder neue Menschen in die Hafenstadt.

Legal oder illegal - egal

Ein anderer Grund sind die französischen Asylverfahren. Obwohl Frankreich sich bemüht, sein Asylverfahren zu beschleunigen, dauert es im Durchschnitt 18 Monate, bis über die Aufnahme entschieden ist. Großbritannien schafft das in 6 Monaten. Sollte der Antrag abgelehnt werden, glauben viele Flüchtlinge, dass es leichter ist, in Großbritannien unterzutauchen als in Frankreich. Denn Großbritannien hat kein Meldegesetz. Deshalb hoffen die Flüchtlinge, nicht so leicht auffindbar zu sein. Viele glauben auch, es sei leicht, einen Job zu finden.

Das Bild, das die Flüchtlinge von Großbritannien, dem Land der Freiheit haben, hat sich längst verselbständigt. Dabei beträgt die Ablehnungsquote für Asylbewerber in Großbritannien über 60 Prozent. Asylbewerber dürfen nicht arbeiten, allenfalls Schwarzarbeit ist möglich. Für den Lebensunterhalt gibt es in der Woche etwas über 30 Pfund staatliche Unterstützung. Die möblierten Unterkünfte sind meist schwer vermietbare Sozialwohnungen. Doch wenn man im "Dschungel" von Calais sitzt, jenem Flüchtlingsslum, der auf dem Gelände einer früheren Müllkippe gewachsen ist, sind es trotzdem paradiesische Aussichten.

Quelle: n-tv.de

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