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Täter, Opfer, Motiv, Mitwisser Was wir über den Anschlag in London wissen

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Mark Rowley, stellvertretender Polizeichef Londons.

(Foto: dpa)

Nizza, Berlin und jetzt London: Beim Terroranschlag am britischen Parlament unweit von Big Ben hat ein Mann mit einem Fahrzeug und später mit einem Messer mindestens drei Menschen getötet und rund 40 weitere zum Teil schwer verletzt. Der Angreifer wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen hatte.

Was wissen wir über den Täter?

Die britische Polizei hat den Mann, der am Mittwoch bei einem Terroranschlag in London drei Menschen tötete und 40 weitere verletzte, als Khalid Masood identifiziert. Der 52-jährige Brite sei in der britischen Grafschaft Kent geboren worden und habe zuletzt in den West Midlands gelebt. Er sei wegen früherer Gewalttaten vorbestraft gewesen, aber nicht "das Ziel aktueller Ermittlungen" gewesen, hieß es in einer Erklärung der Metropolitan Police. Zudem habe es keine geheimdienstlichen Informationen über mögliche akute Anschlagspläne von Masood gegeben.

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Der angeschossene Täter wird vor dem Parlamentsgebäude von Rettungskräften behandelt.

(Foto: picture alliance / Stefan Rousse)

Die britische Premierministerin Theresa May hatte zuvor vor dem Parlament in London erklärt, der Londoner Attentäter sei den britischen Geheimdiensten bereits bekannt gewesen. Zudem bestätigte die Polizei, dass Masood eine Reihe von Decknamen benutzt hat. Bereits vor einigen Jahren war Masood bei einer Untersuchung des Inlandsgeheimdienstes MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier der Ermittler geraten.

Gibt es mögliche Mittäter?

Scotland Yard vermutet, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Hunderte Ermittler sind im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Am Morgen nahm Scotland Yard sieben Verdächtige an sechs verschiedenen Orten fest.

Was wissen wir über die Tat?

Mittwochnachmittag, gegen 14.40 Uhr: Der Angreifer lenkt auf der Westminster-Brücke seinen Geländewagen vom Typ Hyundai Tucson auf den Gehweg, auf dem viele Touristen flanieren. Er erfasst mehrere Menschen. Nachdem er in den Zaun des Parlamentsgebäudes gekracht ist, springt der Fahrer aus dem Auto und dringt auf das Gelände des Parlaments vor. Dort sticht er einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wird er von einem anderen Beamten erschossen.

Was wissen wir über die Opfer?

Zwei Opfer des Anschlags von London schweben auch am Tag nach dem Angriff weiter in Lebensgefahr. Das teilte Scotland Yard mit. Fünf weitere Verletzte seien in einem kritischen Zustand, hieß es in einer Mitteilung. Bei dem Anschlag am Mittwoch beim Londoner Parlament waren vier Menschen getötet worden, darunter der Attentäter.

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Bislang gibt es vier Tote, darunter der Täter, und insgesamt rund 40 Verletzte. In früheren Meldungen war von fünf Toten die Rede. Die britische Polizei korrigierte ihre Angaben mittlerweile. Die Todesopfer sind zwei Passanten sowie der niedergestochene Polizist – laut Scotland Yard "ein 48-jähriger Ehemann und Vater". Der Staatssekretär des Außenministeriums, Tobias Ellwood, hatte noch verzweifelt versucht, durch Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben des Polizisten zu retten. Ellwood hatte Medienberichten zufolge seinen Bruder bei einem Bombenanschlag auf Bali verloren.

Die 43-jährige Aysha Frade arbeitete laut BBC an einem College, das nur wenige Hundert Meter vom Anschlagsort entfernt liegt. Sie wollte gerade ihre Kinder von der Schule abholen, als sie vom Wagen des Terroristen erfasst und so schwer verletzt wurde, dass sie wenig später starb. Unter den Toten ist auch der US-Amerikaner Kurt Cochran. Gemeinsam mit seiner Frau Melissa war er als Tourist nach London gekommen. Auch sie wurde schwer verletzt, überlebte aber den Anschlag mit einem gebrochenem Bein, gebrochener Rippe und einer Kopfverletzung.

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US-Präsident Donald Trump richtete sich in einem Tweet an die Familie des ermordeten US-Amerikaners. "Ein großer Amerikaner, Kurt Cochran, wurde beim Anschlag in London getötet. Meine Gebete und mein Mitgefühl für seine Familie und seine Freunde."

Nach Angaben von May wurde bei dem Anschlag zudem ein Deutscher verletzt. Insgesamt seien Menschen aus mindestens elf Ländern betroffen. Unter den Verletzten seien unter anderem zwölf Briten, drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils eine Person aus Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten.

Was wissen wir über das Motiv?

Der sogenannte Islamische Staat hat den Angriff für sich reklamiert. Ein "Soldat des IS" habe die Operation ausgeführt. Er sei dem Aufruf der Terrormiliz zu solchen Taten gefolgt. Ob der Täter jedoch im direkten Kontakt mit dem IS gestanden hat, ist ungewiss. Scotland Yard behandelt den Vorfall zumindest als Terrorattacke und vermutet islamistische Motive. Auch für Terrorismusexperten Peter Neumann deutet alles auf einen islamistischen Hintergrund hin: "Dieser Anschlag passt genau in das Muster der Anschläge, die wir gesehen haben von Nizza und Berlin. Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promoted und anstiften will", sagt Neumann.

Quelle: n-tv.de, dsi/jug

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