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"Hart aber fair" zur Europawahl Wie schlimm steht es um die Volksparteien?

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Das Thema bei "Hart aber fair": Europa hat gewählt - wer ist bei uns angezählt?

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

Krachende Wahlniederlagen tun immer weh, auch wenn man kaum noch etwas anderes kennt. Also leckt die SPD am Montag nach der Europawahl mal wieder ihre Wunden. Die Union müsste ihr es eigentlich gleichtun, feiert aber trotzdem ihren schalen Wahlsieg. Wie lange kann das noch gut gehen?

Die Grünen werden mit 20,5 Prozent zweitstärkste Kraft in Deutschland, während die SPD noch gerade mal 15,8 Prozent der Stimmen holt: Hätte jemand vor zehn Jahren ein solches Ergebnis vorhergesagt, freundliches Kopfschütteln wäre wohl noch die mildeste Reaktion gewesen. Nun gibt es am Ergebnis der Europawahl 2019 zwar nur wenig zu rütteln, dafür ob der ungewohnten Kräfteverteilung aber einiges an Erklärungsbedarf. "Hart aber fair" versucht sich am Montagabend genau daran.

"Europa hat gewählt - wer ist bei uns angezählt?", lautet das Thema der Sendung wenig überraschend. Frank Plasberg hat den Politikberater Michael Spreng, den SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, den Thüringer CDU-Landesvorsitzenden Mike Mohring, den "Spiegel"-Journalisten Markus Feldenkirchen und Ricarda Lang von der Grünen Jugend ins Studio geladen, um genau darüber zu sprechen.

"Der Zuspruch für die Grünen ist kein Hype, sondern eine Folge der verfehlten Politik der Regierungen der vergangenen zehn Jahre", erklärt sich Lang den spektakulären Zuwachs von knapp zehn Prozent im Vergleich zur letzten Wahl vor fünf Jahren. "Das war eine klare Absage an eine Politik des Verwaltens und Innehaltens und ein Bekenntnis zu einer konsequenteren Klimapolitik." Der SPD-Generalsekretär bestätigt Langs Erklärung, wenn auch nur indirekt: "Katarina Barley hat viele Menschen erreicht und mitgenommen. Aber in den entscheidenden Themen, bei den Uploadfiltern und beim Klimawandel, da war die SPD nicht sichtbar genug", zieht Lars Klingbeil Fazit. Der SPD-Mann hadert sichtbar mit dem öffentlichen Bild, das seine Partei abgibt. Völlig zurecht, denn das ist desaströs.

Hastig noch das "Du" korrigiert

Die SPD hat nicht nur die Metropolen, sondern vor allem auch die jungen Wähler verloren. Und das in einer Zeit, in der sich die Jugend zumindest gefühlt repolitisiert. Markus Feldenkirchen bringt dazu eine interessante Parallele aufs Parkett: "Es gab auch in den 60ern viele junge Leute, die sich politisiert haben. Damals war es die SPD, die den Weg bereitet hat. Heute ist die SPD auf Platz sechs bei den jungen Menschen gelandet."

Ein Grund dafür dürfte der altväterliche Ton sein, den sowohl SPD als auch CDU/CSU jungen Wählern gegenüber anschlagen - sei es bei "Fridays for future" oder, ganz aktuell, im Fall des Youtubers Rezo und seiner Anti-Union-Wahlempfehlung. Sogar Mike Mohring, der in der CDU zur jüngeren und moderneren Garnitur gehört, schafft es nicht, auf Augenhöhe zu kommunizieren: Der immerhin schon 25 Jahre alten Lang gegenüber rutscht dem CDU-Politiker ein "Du" heraus, das er im Anschluss hastig korrigieren muss.

Allerdings hat Mohring in seinem eigenen Bundesland Thüringen noch ganz andere Probleme, auch wenn der CDU-Mann das anders sieht: "Die AfD ist an ihrem Höhepunkt angekommen, das Potential ist ausgeschöpft", sagt Mohring über die Alternative. Ein recht optimistischer Blick in die Zukunft, schließlich landete die AfD nur knapp zwei Prozentpunkte hinter der CDU und stellt in Sachsen und Brandenburg gar die stärkste Kraft.

Und das könnte auf absehbare Zeit auch so bleiben, wenn man der Argumentationslinie von Michael Spreng folgt. Der Politikberater ist davon überzeugt, dass die Union mit der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Parteichefin ein Eigentor geschossen hat: "Wenn man ihren misslungenen Karnevalsscherz und ihre Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Ehe anschaut, weiß man: Die CDU bekommt ein massives AKK-Problem." Es dürfte keine weiteren fünf Jahre dauern um herauszufinden, ob Spreng Recht behält.

Quelle: n-tv.de

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