Politik
Beim Wäschelabel "Victoria's Secret" geht ein Minirock als geradezu züchtig durch. Andere verstehen ihn als Einladung.
Beim Wäschelabel "Victoria's Secret" geht ein Minirock als geradezu züchtig durch. Andere verstehen ihn als Einladung.(Foto: Joel Ryan/Invision/AP)
Mittwoch, 04. März 2015

Die Macht der Kleidung: Frauenrechte gelten auch im Minirock

Ein Kommentar von Anna Meinecke

Wer knappe Kleidung trägt, muss mit anzüglichen Kommentaren rechnen. Sexuelle Belästigung wird dann schnell zum Kompliment erklärt. Ex-CSU-Mitarbeiterin Mareike Daum will im Minirock die "Alice Schwarzer 2.0" geben. Sie wird scheitern.

Mareike Daum hat ein Buch geschrieben, darüber, wie sie einmal Pressereferentin der CSU war und darüber, wie sie in der Partei als Frau benachteiligt, gemobbt und auf ihr Äußeres reduziert worden ist. Die Partei bestreitet das. Man will schließlich keine "Ansammlung von geilen, alten, frustrierten Männern" sein. Inwieweit die Anschuldigungen von Frau Daum gerechtfertigt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Dafür ist aufgrund der Vermarktungsstrategie für Daums Buch, in dem das alles nachzulesen ist, bekannt, wie sie in einem kurzen Kleid aussieht.

"Wenn man rumläuft wie eine polnische Straßenhure, brauch' man sich über anzügliche Sprüche nicht wundern", lautet einer der Leserkommentare zu einem Interview mit Daum. Es gibt ihn in mannigfaltiger Ausführung. Etwas weniger herablassend zum Beispiel so: "Man stellt sich aber schon die Frage, warum sie sich dann mit so einem Foto ablichten lässt???" Noch immer scheint ein Großteil der Bevölkerung dem Mythos Nummer eins in puncto sexuelle Belästigung aufgesessen zu sein: Frauen sind schuldig oder jedenfalls mitschuldig.

Belästigung ist kein schlechtes Benehmen

Dabei tut es wenig zur Sache, dass Daum nach Ansicht diverser Online-Kommentatoren "billig" aussieht und "in ihr gebotoxtes Gesicht etwas Mimik bringen" sollte. Wichtig wäre es, herauszufinden, ob ihre Vorwürfe stimmen. Ob sie nur eine Geschichte verkauft oder tatsächlich ihre Geschichte verarbeitet. Knapp 60 Prozent der Frauen werden im Laufe ihres Lebens sexuell belästigt. Statistisch ist es also gut möglich, dass Daum eine von ihnen ist.

Eine Frau darf auch in offenherziger Kleidung unter keinen Umständen gegen ihren Willen sexuell bedrängt werden. Solange Belästigung aber noch als Kompliment, oder allenfalls als "schlechtes Benehmen" abgetan wird, schwächt eine übersexualisierte Selbstinszenierung die inhaltlichen Belange. Daum wird nicht ernst genommen. Schlimmer, die gesamte Sexismusdebatte wird belächelt.

Feminismus muss nicht sexy sein

Die Tragödie feministischen Gedankenguts liegt in einem Image-Problem. Weil Daum "Alice Schwarzer 2.0" werden will, hat sie sich für ihren Buchtitel etwas ausgedacht, das ihre Inszenierung erklärt: "High Heels an die Macht: Feminismus aber sexy", heißt der Schinken. Wer Gleichstellungsbestreben zeitgenössisch verkaufen will, muss offenbar klarstellen, dass Feministen nicht wütend und hässlich, sondern aufregend und attraktiv sind.

Diese postfeministische Haltung führt zu einer Ablehnung jeglicher feministischer Labels. Die Emanzipation von Frauen wird nur noch unter Betonung körperlicher Reize vor allem die eigene, individuelle Chance auf Karriere und Entfaltung gefordert. Die Idee ist alt, sie stammt aus den 90ern, geht mit popkulturellen Einflüssen Hand in Hand. Und sie ist überholt. Eine gesellschaftspolitische Bewegung musste nie und muss auch heute nicht sexy sein. Das hat Frau Daum nicht verstanden.

Quelle: n-tv.de

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