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Stille in Dresden In einer Woche muss Pegida wieder raus

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Dresden, 22. Dezember 2014.

(Foto: REUTERS)

Auch wer Pegida ablehnt, sollte sich über die Absage der Demonstration in Dresden heute Abend nicht freuen. Im Gegenteil: Keinesfalls sollte Pegida an Terrordrohungen scheitern.

Heute Abend wird es also still bleiben in Dresden. Kein Beifall für rechte Sprüche, keine "Volksverräter"-Rufe, kein Schimpfen über die "Lügenpresse". Allenfalls werden ein paar Deutschlandfahnen aus Fenstern hängen, weil die Pegida-Anführer dazu aufgerufen haben, dies um 18.30 Uhr "deutscher Zeit" zu tun.

Freuen sollten sich über die Stille in Dresden auch jene nicht, die die Pegida-Demonstrationen unangenehm finden und die Forderungen ihrer Anführer für eine Ablenkung von fremdenfeindlichen Motiven halten. Denn so radikal sind diese wöchentlichen Spaziergänge bei weitem nicht, dass ein Verbot sich rechtfertigen ließe. Es gab ja auch keines - bei dem Verbot ging es allein um die Sicherheit der Teilnehmer.

Es ist verständlich und vernünftig, die Demonstrationen an diesem Montagabend in Dresden abzusagen. Dennoch ist es eine Schande, wenn die Demonstrationsfreiheit vor Terrordrohungen einknicken muss. Pegida ist nicht "das Volk", wie sie behaupten, sondern nur ein Teil davon, und es ist auch völlig legitim, auf ein baldiges Ende ihrer "Spaziergänge" zu hoffen. Aber nicht so.

Pegida sollte daran scheitern, dass ihre Anführer überfordert, ihre Forderungen hohl und ihre radikale Ablehnung des "Systems" albern ist. Keinesfalls sollte Pegida aber an Terrordrohungen scheitern. Dieses eine Mal gilt daher: Hoffentlich können alle Dresdner, die das wollen, am kommenden Montag wieder demonstrieren.

Übrigens gilt auch dies: Islamistischer Terrorismus hat nichts mit der Fiktion einer Islamisierung Europas zu tun. AfD-Vize Alexander Gauland sagte dies gestern Abend bei "Günther Jauch". Auffällig war, dass Kathrin Oertel, die Pegida-Vertreterin in der Talkshow, eine solche Behauptung nicht aufstellte.

Quelle: n-tv.de

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