Österreich-Newsletter

Teure Darmwinde in Wien Wumms? Mega-Wumms!

NEU-Header-LOGO2.jpg

Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

In Österreich bestätigt sich dieser Tage mal wieder ein altes Vorurteil - manchmal geht es in der Politik zu wie im Kindergarten: "Zu Hause habe ich sogar vier Puppen!" - "Ich hab fünf!" - "Ich aber zehn!" - "Immer eine mehr wie du, ätsch bätsch!"

Die Regierung in Wien packt bei der Corona-Hilfe nochmal ordentlich was drauf und reibt sich an den deutschen Nachbarn. Um den türkis-grünen "Mega-Wumms" geht es in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Schnee von gestern und sonstige Neuigkeiten aus Ibiza.

ö-anf.neu.5.jpg

einen Schas lassen: furzen

Journalismus. Ein echter Traumjob, wenn die Geschichten so richtig gut sind. So wie die hier: Ein Wiener muss 500 Euro zahlen, weil er Polizeibeamte angefurzt haben soll. Oder wie es in der Strafverfügung heißt: einen "Darmwind" gelassen hat. Ein paar Schreibtischrebellen von Twitter solidarisierten sich mit dem Mann, was die Wiener Polizei zu einer Rechtfertigung veranlasste: Es habe sich um "massiven" Darmwind gehandelt. Die "Krone" bewies ein, sorry, gutes Näschen und fragte knallhart beim Beschuldigten nach, um flugs eine Schlagzeile für die Ewigkeit zu formulieren: "Wiener (22): 'Es war ein Durchschnitts-Schas'"

Achtung, elegante Überleitung in die seriöse Politik-Berichterstattung: Hoffentlich hat der Mann Kinder, dann hat er die Strafe bald schon wieder drin. Die Regierung hat nämlich die Bazooka nachgeladen und neue Corona-Hilfen versprochen, darunter eine Einmalzahlung von 360 Euro pro Kind. Alles inklusive bewegt die Republik rund 50 Milliarden Euro für Corona-Maßnahmen, unter anderem für Kurzarbeit, Härtefallfonds, Steuerstundungen und Kreditgarantien.

Die Steuerreform wird rückwirkend auf Januar 2020 vorgezogen, der niedrigste Einkommenssteuersatz sinkt von 25 auf 20 Prozent. Wer zu wenig verdient, um davon zu profitieren, bekommt eine Negativsteuer von 100 Euro im Jahr. Arbeitslose erhalten einmalig 450 Euro. Allein 6,3 Milliarden Euro fließen in ein Investitionspaket, mit dem vor allem die Grünen Gelder in den Klimaschutz leiten wollen.

Böse Zungen behaupten, Türkis-Grün treibe das schlechte Gewissen beziehungsweise die schlechte Publicity: Es häufen sich Berichte über erboste Gastronomen und andere Unternehmer, die bislang noch gar nicht bedacht oder mit Kleckerbeträgen abgespeist wurden. In der Aufregung griffen einige Medien schon zur ultimativen Kritik: Seht mal, die Piefkes machen es besser! Das wollen sich weder Kurz noch sein Vize Werner Kogler nachsagen lassen und so sprach der Grünen-Chef am Dienstag: "Wenn in Deutschland von einem Wumms die Rede war, dann haben wir einen Mega-Wumms geliefert." Herr Scholz, darauf gibt es nur eine Antwort: den Mega-Super-Duper-Wumms.

fundstück.neu.6.jpg

Es geht doch nichts über Selbstzitate. Vergangene Woche schrieb ich an dieser Stelle: "Der Ibiza-Ausschuss befördert quasi täglich neue Skandale ans Tageslicht - und eine Menge Beifang, die der Boulevard in riesigen Lettern auf das Titelblatt hievt." Und siehe da, am Dienstag tauchte ein Foto von Heinz-Christian Straches Ibiza-Kompagnon Johann Gudenus auf. Ich formuliere es mal so: Was Gudenus auf diesem Bild tut, führt bei einem Haartest üblicherweise zu einem Christoph-Daum-Ergebnis.

Mal wieder stellt sich die Frage: Darf man über so eine heimliche Aufnahme berichten? In diesem Fall unbedingt, weil klassischer Fall von Doppelmoral: Gudenus mimte in der Drogenpolitik stets den Hardliner - und schnupfte in seiner Freizeit offenbar gern Tische besenrein.

Der Ex-FPÖ-Klubobmann (Fraktionsvorsitzender) nimmt die Enthüllung ohnehin mit Humor, wie sein Statement vermuten lässt: "Das ist Schnee von gestern." Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Drogenmissbrauchs eingestellt - wegen Verjährung.

Auf dem Ibiza-Video ist ja trotz aller Gerüchte auch in der Uncut-Version kein Drogenkonsum zu sehen (Wodka Red Bull, da sind wir wieder bei der Doppelmoral, gilt ja landläufig nicht als Droge) - und selbst wenn Schneehasen durch die Finca gehoppelt sein sollten, würden die Mitglieder des Ibiza-U-Ausschusses die Bilder wohl nicht sehen. Justizminister Alma Zadic teilte mit, nur "abstrakt relevante" Stellen würden freigegeben. "Zensur", tobt SPÖ-Mann Jan Krainer, und man möchte ihm Gelassenheit empfehlen: Aus den Ermittlungsakten gelangen mehr Interna nach draußen als Corona-Infizierte aus Ischgl - in spätestens drei Wochen können wir uns die Sieben-Stunden-Version auf Youtube anschauen.

Bis dahin empfehle ich ein anderes Video und danke dem Weltgeist, dass er sich so aufopferungsvoll um dieses kleine Land kümmert: Wie die "Heute" herausfand, spielte in Falcos "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" eine Frau mit, die mit Gudenus gut bekannt war: eine gewisse Philippa Beck, 1996 acht Jahre alt. Im selben Jahr begann ihr späterer Mann seine Politik-Karriere im Wiener Landtag: Heinz-Christian Strache.

k-k.neu.jpg

++ Stand Freitag 10 Uhr verzeichnet Österreich 17.176 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 688 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Aktuell verzeichnen die Gesundheitsbehörden noch 442 aktive Infektionen. ++ Entwarnung in Sachen "Black Lives Matter"-Demo: Die Großkundgebung mit 50.000 Menschen Mitte Mai in Wien hat keine neuen Infektionscluster ausgelöst, teilte das Zentrum für Komplexitätsforschung Wien mit. Dessen Leiter Stefan Thurner hat dem Kollegen Kevin Schulte ein lesens- und hörenswertes Interview zum "Wiener Modell" gegeben, das Sie hier finden. ++ Während Deutschlands sehr guter Verkehrsminister Andreas Scheuer von einem "Trans Europa Express" träumt, macht Österreich den nächsten Schritt zu einer High-Speed-Verbindung zwischen der Steiermark und Kärnten: Am Mittwoch erfolgte der Durchschlag in der Nordröhre des Koralmtunnels. Mit 33 Kilometern wird es der sechstlängste Eisenbahntunnel der Welt. Ab 2025 dauert die Fahrt von Wien bis Klagenfurt dann nur noch zweieinhalb Stunden. ++ Wien soll noch in diesem Jahr die "erste autofreie Innenstadt des deutschsprachigen Raumes" bekommen. Das hat die Grüne Vize-Bürgermeisterin Birgit Hebein verkündet. Noch imposanter als Hebeins Plan ist nur die Liste der Ausnahmen: Anrainer mit Hauptwohnsitz, Benutzer von Parkgaragen, Taxis, Außendienstler, Hotelgäste, Diplomaten, Autos mit Ladetätigkeiten ... ++

... und so weiter und so fort. Insgesamt rechnet Hebein mit einem Rückgang des Verkehrs um rund 30 Prozent. Autofrei eben.

Was man mit Sprache alles anstellen kann, demonstrieren dieser Tage nicht nur Wiener Vize-Bürgermeisterinnen, sondern auch die Teilnehmer der 44. Tage der deutschsprachigen Literatur, besser bekannt als Bachmann-Preis. Der Wettbewerb wäre fast der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, nun läuft er doch, in einer Homeoffice-Edition: Jury und AutorInnen werden zugeschaltet. Einen Livestream und Videos der einzelnen Lesungen stellt das ORF hier zur Verfügung, zur Sache geht es vor allem in der Jury, die mit Texten und Autoren unbarmherziger umgeht als Heidi Klum mit normalgewichtigen Frauen.

Wenn Sie Kritik, Lob, Wünsche oder Anregungen loswerden wollen, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de