Pressestimmen

Vor Wiederwahl zum Fifa-Chef "Blatter ist in der Fifa nicht mehr haltbar"

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Sieben hochrangige Fifa-Funktionäre wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet und Rücktrittsforderung von Uefa-Chef Michel Platini: An Fifa-Chef Joseph Blatter scheint alles abzuperlen. Der 79-Jährige weist im Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband weiterhin jede persönliche Verantwortung von sich und hält auf Teufel komm raus an seiner Macht fest: Er will sich am Freitag erneut zum Chef des  Weltverbandes wählen lassen. Die Reaktionen der deutschen Presse sind vernichtend.

Die Leipziger Volkszeitung schreibt: "'Sepp, es ist Zeit zu gehen.' Uefa-Chef Michel Platini hat (…) freundlich ausgesprochen, was die halbe Welt mit anschwellendem Zorn fordert. Der Rücktritt von Fifa-Chef Sepp Blatter ist überfällig, so lautet die vorherrschende Meinung. Zumindest in Europa. Doch der trickreiche Schweizer gibt nicht so leicht nach. So kommt es (…) in Zürich zur Kampfabstimmung mit Blatters Gegenkandidaten, dem jordanischen Prinzen Ali bin al-Hussein. Es droht tiefgreifender Streit in der Fifa und nicht weniger als die Abspaltung der Europäer vom Weltfußballverband".

Die Nürnberger Zeitung scheint fassungslos: "In welchem halbwegs demokratisch geführten Land würde man guten Gewissens zwei Tage nach der Festnahme ranghoher Regierungsmitglieder Neuwahlen durchführen? Welcher Regierungschef würde sich über ein derart hochbrisantes schwebendes Verfahren ignorant hinwegsetzen und die politische Gesamtverantwortung - auch wenn er strafrechtlich nicht persönlich belangt werden kann - kurzerhand weglächeln?" Der einzige richtige Schritt wäre für den Kommentator "die von der Uefa geforderte Verschiebung der Präsidentenwahl".

Auch für den der Reutlinger General-Anzeiger steht außer Zweifel: "Blatter ist in der Fifa nicht mehr haltbar, obwohl auch für ihn die Unschuldsvermutung gilt. Wenn er aber, wie er glauben machen möchte, tatsächlich nichts von den kriminellen und korrupten Vorgängen in den obersten Führungsriegen wusste, dann hat der Chef seinen Laden nicht im Griff und muss wegen Unfähigkeit seinen Platz räumen".

Für die Schwäbische Zeitung aus Ravensburg ist die Frage, ob und wann Sepp Blatter abtritt, nicht so wichtig, wie sie vielen im Moment scheint. Nach Ansicht des schwäbischen Blattes geht es bei der geplanten Präsidenten-Kür am Freitag "um mehr als um einen Fußballkongress in Zürich. Es geht um die Zukunft des Fußballs". Gleichzeitig erhebt das Blatt einen schweren Vorwurf gegen die Schweiz: "Die jahrzehntelange Gleichgültigkeit der helvetischen Justiz und Politik gegenüber dem weltweit agierenden Fußballverband schuf erst den Freiraum für das Spiel der alten Fifa-Männer, die selber seit Jahren gegen keinen Fußball mehr getreten haben. Hätte Bern nicht weg geschaut so wie früher, als Diktatoren ihre Fluchtgelder dort bunkerten, hätten die Fußball-Mafiosi nicht mitten in Europa schalten können. Aber ganz offensichtlich schaut Bern nun hin. Genau darin könnte im Zürcher Durcheinander die Chance für einen Neuanfang liegen".

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: ntv.de