Pressestimmen

Attentäter als Flüchtlinge getarnt "Das kostet Vertrauen"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Islamische Staat schleust offenbar gezielt Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Europa - nach der Festnahme der mutmaßlichen Terrorzelle von Düsseldorf, scheint sich diese Angst zu bestätigen. Spätestens jetzt habe sich gezeigt, wie wichtig es ist, zu wissen, wer sich in Deutschland aufhalte, konstatiert die Presse. Gleichzeitig warnen die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.

Der Tagesspiegel kritisiert nach den vereitelten Anschlagsplänen in Düsseldorf die verantwortlichen Behörden. Sicherheit, so das Blatt aus Berlin, habe viel mit gefühlter Sicherheit zu tun. Deswegen "sollten einige Verantwortliche noch einmal darüber nachdenken, wie sie informieren", bemängeln die Kommentatoren. Um die Kritiker an der Willkommenskultur ruhig zu stellen, habe man den Bürgern erklärt, der IS habe es nicht nötig, seine Kämpfer über die Balkanroute zu schicken. "Was wohl gedacht war, Ressentiments gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist bei vielen anders angekommen". Infolgedessen fühlten sich viele Menschen nicht verstanden und mit ihren Ängsten abgekanzelt. Flüchtlinge seien nun unter Terrorverdacht gefasst worden: " Das kostet Vertrauen. Ein wichtiges Gefühl in Sicherheitsfragen", konstatiert der Tagesspiegel.

Die Westfälischen Nachrichten warnen davor, sich vom langen Schatten des Islamischen Staat (IS) einschüchtern zu lassen – und weisen gleichzeitig auf die Gefahr hin, die von als Flüchtlingen getarnten Terroristen ausgeht. Die Verunsicherung der Menschen spiele dabei eine große Rolle, so das Blatt aus Münster. Durch das Schüren von Angst wolle der IS die westliche Gesellschaft spalten und schwächen: "Das darf nicht gelingen." Statt sich einschüchtern zu lassen, müsse die Gesellschaft geschlossener denn je im Anti-Terror-Kampf zusammenstehen, kommentiert die Zeitung.

Der Münchner Merkur kritisiert die widersprüchliche Einschätzung der Gefahrenlage von Polizei und Bundeskriminalamt. Während die Vermutung der Polizei, der IS schleuse Terroristen gezielt als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland, plausibel sei, habe das BKA die Lage falsch eingeschätzt: " Zum wiederholten Male ist die frühere These des Bundeskriminalamts, der IS habe es nicht nötig, die Flüchtlingsrouten zu nutzen, als falsch widerlegt worden." Das mutmaßlich verhinderte Attentat in Düsseldorf zeige, so die Kommentatoren, wie wichtig es sei, zu wissen, wer sich in Deutschland aufhalte. Eben deswegen sei "die Rückgewinnung der Kontrolle über die Grenzen, die ein halbes Jahr lang offen waren wie Scheunentore", dringend notwendig gewesen, schreibt die Zeitung aus München. " Die Länder des Balkans haben dafür nicht Tadel, sondern Dank verdient."

Die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg warnt indes davor, die vereitelten Anschlagspläne aus Düsseldorf als Rechtfertigung dafür zu nutzen, "hunderttausende von Flüchtlingen zu diffamieren." Selbst das schwere Verbrechen der Terroristen aus Düsseldorf berge "einen Funken Menschlichkeit in sich", schreiben die Kommentatoren, und verweisen auf den Tippgeber. Der Mann, der einst selber mitmorden wollte, sei zur französischen Polizei gegangen, weil er seinem neu geborenen Kind kein Mörder-Vater sein wollte. Das sei "ein Sieg der Humanität über den Wahnsinn", lautet das Fazit des Blattes.

Auch die Kommentatoren des Mannheimer Morgen befürchten, dass Rechtspopulisten die Festnahmen der als Flüchtlinge getarnten Dschihadisten für ihre Zwecke nutzen könnten: "Die Gleichsetzung von Flüchtlingen mit Terroristen ist natürlich Unsinn, das hindert aber Rechtspopulisten nicht daran, an dieser Position festzuhalten." Die Anschläge von Paris oder Brüssel zeigten, schreibt die Zeitung aus Mannheim, dass der IS Attentäter vor Ort rekrutieren könne. Nun habe sich allerding ebenso gezeigt dass die Terrororganisation Attentäter als Flüchtlinge einschleuse. Rechtspopulisten wollten, geben die Kommentatoren zu bedenken, einen Generalverdacht erzeugen mit dem Zweck, die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin zu deskreditieren. "Das aber genau beabsichtigt das Terrornetz."

Zusammengestellt von Judith Günther

Quelle: n-tv.de

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