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Pressestimmen zum Unterhaus-Nein "Ein Kampf um die Zukunft der Tory-Partei"

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(Foto: dpa)

Nach der Ablehnung weiterer Brexit-Optionen im Unterhaus stellt sich wieder einmal die Frage: Wie will Großbritannien aus der EU austreten? Die britische Presse hält Neuwahlen für immer wahrscheinlicher und betont die starke Polarisierung der konservativen Tories.

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Der liberale ''Guardian'' hält fest, dass Premierministerin Theresa May die Macht entglitten ist und Neuwahlen immer wahrscheinlicher werden. "May hat nicht mehr die Kontrolle. Sie könnte die Würfel noch ein letztes Mal werfen." Wenn die Minister an diesem Dienstag im Kabinett zusammenkämen, könnten sie aus Mangel an Alternativen doch noch einer Parlamentswahl zustimmen, die laut dem Blatt aber "wahrscheinlich nichts lösen wird". "Ein Downing-Street-Berater sagte, dass eine Neuwahl 'getestet' wurde, und weil sie von einigen im Bunker Nr. 10 als 'die am wenigsten schlimmste Option' angesehen wurde." Weiter sieht der "Guardian" den dramatischen Parteiaustritt des konservativen Abgeordneten Nick Boles am Montagabend im Unterhaus als Zeichen für "die vergiftete Atmosphäre in der Tory-Partei".

Das Boulevardblatt "Sun" betont das Schisma bei den Konservativen, nähert sich dem aber aus einem anderen Blickwinkel als der "Guardian". Dabei schreibt die "Sun" über die Brexit-Verfechter bei den Tories, dass "mehrere von ihnen versuchen werden, May zu drängen, ihre Deal ganz aufzugeben und am 12. April einen No Deal durchzuführen". Neuwahlen hält das Blatt dagegen für nicht so wahrscheinlich und betont die Gefahren für die Tories. "Wenn der Deal der Premierministerin erneut abgelehnt wird, könnte sie als letzte Möglichkeit eine Parlamentswahl ausrufen, um die Blockade zu überwinden - aber das wäre eine nukleare Option und könnte völlig nach hinten losgehen, weil die Labour-Partei am Wochenende in einer Umfrage nach oben kletterte".

Die konservative "Daily Mail" betont die Gefahr einer Spaltung der Tories durch einen No Deal. Obwohl die hochrangige Tory-Politikerin Liz Truss proklamiere, dass das Land "gut vorbereitet" sei für einen No Deal und sie "keine Angst" davor habe, widerpächen dem Parteifreunde. So warnte der Kabinettssekretär laut der "Daily Mail" davor, dass "ein No-Deal-Brexit die Polizei- und Sicherheitsdienste behindern und zur Rückkehr der direkten Kontrolle in Nordirland führen würde".

Die "Times" beklagt die Trennung der Tories in eine europhile und eine euroskeptische Fraktion. "Es findet ein Kampf um die Zukunft der Tory-Partei statt, die im ganzen Land in lokalen Verbänden und im Parlament geführt wird." Wie die "Times" weiter schreibt, erklärte ein hochrangiger Tory-Minister: "Die Frage ist nicht, werden wir uns trennen? Wir sind schon getrennt.

Der "Telegraph" ignoriert die verschiedenen Flügel innerhalb der Tory-Partei und prognostiziert: "Die Tories werden nun Frau May dazu drängen, auf einen No-Deal-Brexit hinzuarbeiten." Für das Blatt wird ein No Deal immer wahrscheinlicher, zumal dieser "jetzt von 14 der 27 Mitgliedern des Kabinetts favorisiert wird". Laut dem "Telegraph" liegen Neuwahlen nicht "im nationalen Interesse".

Zusammengestellt von Constance Simms

Quelle: n-tv.de

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