Pressestimmen

Obama in Hiroshima "Es liegen 'Hope and Change' in der Luft"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Als erster US-Präsident besucht Barack Obama die japanische Stadt Hiroshima. An der Gedenkstätte für die Opfer der amerikanischen Atombombe "Little Boy" bekräftigt er das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen, das er bereits 2009 zum Kernanliegen seiner Politik erklärte. Die deutsche Presse feiert den Symbolwert des Besuchs, blickt jedoch auch skeptisch in die Zukunft.

"Wenn Obama jetzt seine Forderung nach einer Welt ohne Atomwaffen gerade in Hiroshima wiederholt, verleiht das seinem Drängen besonderes moralisches Gewicht", schreibt der Tagesspiegel. Solange man jedoch von Attacken atomar aufgerüsteter Diktaturen wie Nordkorea ausgehen müsste, seien die fünf offiziellen Mitglieder des Atomkartells, darunter Russland, China und die USA, nicht bereit, gänzlich auf ihre Waffen zu verzichten. Sie blieben trotz aller Mahnungen die "letzte militärische Option".

Kritisch resümiert man den Besuch auch bei der Allgemeinen Zeitung. Zwar könne sich "Obama rühmen, den Iran fürs Erste von Atomwaffen abgebracht zu haben", gleichzeitig würden Atomwaffen aber auch Unantastbarkeit versprechen. "So wird der Traum von der atomwaffenfreien Welt auf absehbare Zeit ein Traum bleiben. Weil die Welt so ist, wie sie ist."

Versöhnlichere Töne schlägt man bei der Stuttgarter Zeitung an: "Zwar umschiffte Obama Worte wie 'Entschuldigung' und 'Reue' für den Atomangriff. Doch genau das sprach aus seiner Rede und seinen Handlungen. Die USA haben Größe bewiesen. Obama mag etwas hölzern gewirkt haben, er mag den einen nicht weit genug, den anderen schon viel zu weit gegangen sein. Aber er hat im Rahmen der Zwänge seines Amtes das Richtige getan."

Bereits im März hat Obama der Leipziger Volkszeitung zufolge auf Kuba gezeigt, dass alte Grenzen überwunden werden können. Nun fordere er in Hiroshima noch einmal dazu auf, "neue Wege in der Politik zu gehen. Es liegen wieder 'Hope and Change' in der Luft - auch wenn das frühere Wahlkampfmotto Obamas längst an Glanz verloren hat."

Die Sächsische Zeitung kritisiert, dass Obama und Gastgeber Shinzo Abe zwar für eine Welt ohne Atomwaffen die Werbetrommel rührten, dies jedoch nicht mehr als Floskeln seien. "Statt ihre Atomarsenale deutlich zu verkleinern, perfektionieren die Nuklearmächte diese weiter. Dabei sollten die Opfer und die Überlebenden des Infernos von 1945 Mahnung genug sein, den atomaren Rüstungswahn zu beenden."

"Dass Obama dastand, der Opfer gedachte, das war Geste genug", widerspricht die Frankfurter Rundschau und zitiert die Hoffnung des scheidenden US-Präsidenten: "Unser genetischer Code zwingt uns nicht, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wir können lernen. Wir können unseren Kindern eine andere Geschichte erzählen, eine, die von der Menschheit insgesamt spricht."

Zusammengestellt von Annika Thöt

Quelle: n-tv.de

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