Pressestimmen

Deutsche Tornados gegen den IS "Internationale Flugshow über Syrien"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nun mischt auch Deutschland im Kampf gegen den "Islamischen Staat" mit. Angela Merkel verspricht François Hollande bei ihrem Treffen in Paris militärische Unterstützung. Und die soll Frankreich nun in Form von deutschen Tornados bekommen, die sich an Aufklärungsflügen beteiligen sollen. Auch eine Fregatte der Bundesmarine soll vor die Küste des Krisengebiets entsendet werden. Doch die Presse vermisst dabei eine konkrete Strategie.

Das Entsenden deutscher Kräfte nach Syrien verwundert die Frankfurter Rundschau nicht. Nach der Hilfe im Norden Malis sei dies der konsequente nächste Schritt, um den Verbündeten Frankreich zu unterstützen. "All dem fehlt aber bisher eine überzeugende Strategie und ein klares Ziel. Mit Bomben alleine wird der IS nicht besiegt werden, wie das bisherige Vorgehen der US-geführten Koalition gegen die Terrorgruppe bereits gezeigt hat. Ein militärischer Feldzug gegen die Dschihadisten kann nur erfolgreich sein, wenn eine Lösung für den Syrien-Konflikt gefunden und der Irak dabei nicht vergessen wird". Dafür würden aber auch regionale Mächte wie der Iran oder Saudi benötigt. Die Überzeugungsarbeit, die noch vor François Hollande liege, sei dementsprechend groß.

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung vermisst ein klares Ziel der Verbündeten gegen den IS. Den Parteien fehle es "nach wie vor an Einigkeit, zu welchem Zweck die massierte Militärmacht eingesetzt werden soll. Und was käme nach einem 'Sieg' über den IS?" Zwar würden die deutschen Kräfte nicht in solche "Lufthahnenkämpfe" geschickt, wie sie derzeit von Russland und der Türkei zu beobachten sind. Ungefährlich sei aber auch der deutsche Einsatz nicht. Doch die Gräueltaten des IS müssten "der freien Welt vor Augen führen, dass es auf die Kriegserklärung des 'Islamischen Staates' nur eine Antwort geben kann", erklärt die FAZ entschieden.

Diesen Tenor stimmt auch die deutsche Ausgabe der Huffington Post an, wenn sie den Einsatz in Syrien als "Krieg der offenen Fragen" bezeichnet. Vor allem die Frage nach dem militärischen Kopf der Aktion sei ungeklärt. "Während die westliche Allianz den IS angreift, fliegen die Russen auch Angriffe in anderen Teilen des Landes gegen Rebellen. Dass man sich dabei in die Quere kommt, kann niemand ausschließen." Offen seien auch Dauer und Ziel des Einsatzes. "Die Fragen von heute sind die Probleme von morgen. Es hat noch keinem Krieg geholfen, ihn planlos zu beginnen. In welcher Katastrophe das enden kann, hat die Weltgemeinschaft in Afghanistan gesehen."

Die Welt nimmt Bezug auf die Meinung vieler Experten, nach der erst der Einsatz von Bodentruppen den "Islamischen Staat" ernsthaft ins Wanken bringen kann. "Davor aber schrecken bislang alle involvierten Mächte zurück. Man weiß wohl, wie man in einen solchen Einsatz hineinkäme, nicht aber wie wieder heraus. Auch im zweiten Zuge erscheint also Merkels 'jedwede Unterstützung' für Hollandes Anti-IS-Koalition reine Symbol-Politik." Daher sei das deutsche Entsenden von Tornados nichts weiter als die "Teilnahme an einer bereits laufenden internationalen Flugshow über Syrien".

Laut Berliner Zeitung spricht einiges dafür, dass Angela Merkel ihren Beitrag im Kampf gegen den IS möglichst gering halten will. Denn die Kanzlerin sei von dem Krieg deutlich weniger überzeugt als François Hollande. Doch die Attentate von Paris hätten ein neues Tempo vorgegeben. Dennoch sollte man sich "keine Illusionen machen, dass der Zug gen Syrien irgendwann auf halber Strecke zu stoppen wäre. Was Afghanistan für Gerhard Schröder war, dürfte Syrien für seine Nachfolgerin werden. Es wird nicht bei ein paar Aufklärungsflugzeugen bleiben."

Für die Neue Osnabrücker Zeitung war Deutschlands Beteiligung im Syrienkonflikt nur eine Frage der Zeit, "angesichts der Kriegsrhetorik, zu der sich selbst Bundespräsident Joachim Gauck hinreißen ließ." Dabei komme die Hilfe Angela Merkels François Hollande nicht nur im Kampf gegen den IS zugute, sondern festige gleichzeitig innenpolitisch seine Position. "UN-Mandat hin oder her. Die Ankündigung aus Berlin ist ein weiterer Teilsieg für Frankreichs Präsident Hollande. Er kann seinen verunsicherten Landsleuten das Signal senden: Die Welt steht uns auf unserem Feldzug bei."

Zusammengestellt von Katja Belousova

Quelle: ntv.de

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