Pressestimmen

Flüchtlingszahl auf Rekordhoch "Migration macht Deutschland weltoffen"

50070881.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Juli kommen so viele Flüchtlinge wie nie zuvor nach Europa. Die Zahlen der Asylsuchenden erreichen immer wieder neue Rekorde. Allein in Griechenland kommen in einer Woche rund 21.000 Flüchtlinge an. Die Meinungen, wie Deutschland mit dem Flüchtlingsstrom umgehen soll, gehen weit auseinander. Auch die deutsche Presse diskutiert.

Die Süddeutsche Zeitung meint, es wäre gut damit getan, sich die Flüchtlingsthematik näher anzusehen. "Denn ein genauerer Blick auf die Zahlen nimmt ihnen den Schrecken. Zunächst gilt: Nicht jeder, der kommt, bleibt auch." Viele, die hier Asyl beantragen, hätten keine Chance darauf und müssten wieder gehen. Sie würden eigentlich nicht ins Asylsystem gehören, weil sie nicht Schutz vor Verfolgung, sondern wirtschaftliche Perspektiven suchen würden, die ihnen ihre Heimatländer nicht bieten könnten. Weiter schreibt das Blatt: "40 Prozent aller Asylbewerber kommen aus den sechs Balkanstaaten, die über kurz oder lang zur EU gehören werden. Ihr zahlreiches Kommen erinnert das übrige Europa freilich daran, sich zu beeilen, diese Länder - die zusammen nicht viel mehr Einwohner haben, als die frühere DDR hatte - fit für einen Beitritt zu machen."

Der Mannheimer Morgen sieht noch ein anderes Problem: "Weitere Balkanländer zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären, hilft nur bedingt weiter. Und zwar dann, wenn Asylbewerber aus diesen Ländern tatsächlich rasch abgewiesen werden können. Dazu bedarf es zusätzlichen Personals in den Ausländerbehörden wie an Verwaltungsgerichten. Überhaupt ist nicht alles, aber vieles zunächst eine Kostenfrage." Länder wie Kommunen bräuchten dringend mehr Geld, um Flüchtlinge unterbringen und betreuen zu können. Dabei sei auch ehrenamtliches Engagement gefragt. Jedoch warnt der Kommentator davor, die Hilfsbereitschaft, die es zum Glück vielerorts gebe, dürfe man nicht mit bürokratischer Gängelung oder nicht eingehaltenen Zusagen gefährden. Und mit den Vorbehalten, die es leider kaum weniger gebe, solle man sich ernsthaft auseinandersetzen. Für ihn ist klar: "Dazu gehört auch, den Bürgern die Wahrheit zu sagen: Es werden noch sehr, sehr viele Flüchtlinge kommen."

Einen weiteren Punkt spricht der "Trierische Volksfreund" an: "Unter dem Strich hat die Migration Deutschland massiv genutzt, auch die ungesteuerte über das Asyl. Sie hat der Wirtschaft einen stetigen Strom von Arbeitskräften geliefert. Sie hat das Land jünger gehalten, als es sonst wäre. Sie hat es weltoffen gemacht." Weiterhin meint das Blatt, dass Deutschland durch Aussiedler, Migranten und Flüchtlinge heute Brücken nach Polen, in den Balkan, in die Türkei und nach Russland habe. Auch Syrien werde dazukommen. Man könne natürlich sagen, das bräuchten wir alles nicht. Doch dann bräuchten wir auch Deutschland nicht, so wie es jetzt ist, meint der Kommentator.

Die "Nürnberger Zeitung" sieht in der Flüchtlingsthematik gewisse Parallelen zur aktuellen Griechenlandkrise. "Ohne einen Namen zu nennen, hat der Hohe Flüchtlingskommissar natürlich einen Adressaten: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der sich schon in der Griechenlandkrise fein im Hintergrund hält und Kanzlerin Merkel und ihren Finanzminister Schäuble machen lässt." An Brüssel wäre es schon lange, die EU-Mitgliedsländer dazu zu bringen, eine Quotenregelung zu akzeptieren, die ihren Namen verdient, meint der Journalist. Das Asylthema dürfe nicht zu einem zweiten Griechenland-Komplex werden, bei dem man viel zu lange zugeschaut habe - und jetzt mühsam den Schlamassel bewältigen müsse. "Einmal mehr gilt auch hier, dass Aussitzen die schlechteste Form der Problemlösung ist."

Zusammengestellt von Hanna Landmann.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema