Pressestimmen

Trumps Breitseite gegen Muslime "Wie dumm kann jemand sein?"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Donald Trump fordert ein Einreiseverbot für Muslime in die USA. Der rassistische Vorschlag markiert den vorläufigen Tiefpunkt eines Wahlkampfes voller Provokationen. Was soll da noch folgen? Trump sei alles zuzutrauen, heißt es in der deutschen Presse.

"Wenn es noch eines Belegs bedurft hätte, dass er vor nichts zurückschreckt, dann hat ihn Donald Trump jetzt selbst geliefert", kommentiert die Berliner Zeitung Trumps Forderung nach einem Einreisestopp für Muslime. Seine überzogene Reaktion auf das Massaker von San Bernardino zeige, wie unbelehrbar der Milliardär sei: "Wie dumm kann jemand sein, dass er die Wirkung seiner Parolen nicht zu erkennen scheint, sondern sie im Gegenteil wiederholt und auch noch steigert? Was kommt denn morgen oder übermorgen: Der Vorschlag, Muslime auf dem Times Square in New York auszustellen und so lange mit Donuts zu bewerfen, bis sie öffentlich ihrem Glauben abschwören? Das ist dem Mann zuzutrauen."

Die Fuldaer Zeitung zieht eine Parallele zum Wahlsieg des Front National in Frankreich: "Donald Trump und Marine Le Pen bauen darauf, die Gesellschaft zu spalten. Sie setzen auf ein 'Wir' gegen 'die Anderen'. Sie präsentieren sich als die Anwälte der kleinen Leute, als der Gegenentwurf zur politischen Elite, die schon lange nicht mehr weiß, was die Menschen wirklich bewegt. Trump und Le Pen spielen berechnend auf der Klaviatur der Ängste, die nach den Terroranschlägen Wahnsinniger in New York, Paris und jetzt in San Bernardino hochkommen. Seriöse Lösungsvorschläge haben sich nicht. Aber das erwarten die Wähler wohl auch nicht von den beiden Rechts-Rechtsaußen."

"Jeder blamiert sich, so gut er kann", kommentiert der Münchner Merkur Trumps jüngste Entgleisung. Der Vorschlag verrate nicht nur viel über ihn selbst, so das Blatt weiter. Er sei ebenso ein Beleg für "eine nicht nur in den USA, sondern auch bei uns zunehmend militante Abwehrhaltung gegenüber dem Islam, unter der Muslime leiden", an der ihre Wortführer aber nicht unschuldig seien: "Denn egal, was im Namen dieser Religion passiert - Terror, Ehrenmorde, Unterdrückung von Frauen -, Kritiker werden stets mit derselben hohlen Formel belehrt: Das habe nichts mit 'dem' Islam zu tun." Dass dies nur wenige Bürger überzeuge, zeige auch der Wahlerfolg der Rechten in Frankreich. Abschließend richtet sich die Zeitung mit einer Forderung an die muslimischen Verbände: "Natürlich sind die bei uns lebenden Muslime in ihrer erdrückenden Mehrheit friedfertig. Aber es gibt noch immer zu viele, die es nicht sind. Deshalb müssen die Muslimverbände endlich raus aus ihrer Schmollecke."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt die Parolen Trumps "unamerikanisch" und spricht dem Provokateur jegliche Chancen auf einen Einzug ins Weiße Haus ab: "Diejenigen, die ihm zu Füßen liegen, begründen ihre Begeisterung so: Er sagt, wie es ist. Und was hat Donald Trump, die Grobheit in Person, bisher nicht alles gesagt? Wen hat er nicht alles beleidigt, welche Gruppe hat er nicht verunglimpft? ... Irgendwann aber wird Schluss sein, wird auch der Furor nicht mehr zünden. Die Mehrheit der amerikanischen Wähler wird keinen Kandidaten ins Weiße Haus befördern, der Spaltung zum Programm erhebt und allen Muslimen die Einreise verweigern will (...). Fehlen noch die Internierungslager. Kommt vielleicht noch. (...) Viele Amerikaner sind verunsichert angesichts der Taten radikalisierter Muslime. Natürlich. Aber derjenige, der behauptet, das Zeug zu haben, um ihr Präsident zu sein, sollte diese Verunsicherung nicht durch unamerikanische Parolen verschlimmern.

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: ntv.de