Ratgeber
Donnerstag, 22. April 2010

Blindes Vertrauen fehl am Platz: Apotheken beraten oft schlecht

Alexander Klement

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Das hat die Stiftung Warentest in einer Stichprobe bei 50 Apotheken gemacht und kommt insgesamt zu keinem guten Ergebnis.

Wie gut die Beratungsqualität in Deutschen Apotheken ist, hat die Stiftung Warentest in einer Stichprobe untersucht.
Wie gut die Beratungsqualität in Deutschen Apotheken ist, hat die Stiftung Warentest in einer Stichprobe untersucht.(Foto: dpa)

Apotheken genießen in Deutschland großes Vertrauen in der Bevölkerung. Apotheker sind eine angesehene Berufsgruppe – neben Feuerwehrleuten, Piloten, Krankenschwestern und Ärzten. Wird in den Medien Werbung für ein Medikament gemacht, liest, hört oder sieht man zwangsläufig immer diesen Satz: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". Das hat die Stiftung Warentest gemacht.

Bei insgesamt 50 Apotheken, darunter 27 Apotheken vor Ort und 23 Versandapotheken haben sich die Tester beraten lassen. Der Apotheker von heute hat es inzwischen viel einfacher als früher. Dank der computergestützten Beratungsmöglichkeit muss er nicht alles wissen, sondern kann mit einem Klick Einnahmeempfehlungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abrufen.

In der Praxis stellte sich allerdings heraus, dass es viele Apotheken mit der Beratung nicht so genau nehmen und teilweise trotz direkter Nachfrage nur spärlich oder gar nicht informieren. Ein Verweis auf den Beipackzettel ist schließlich keine Beratung.

Mehrfach getestet

Jede Apotheke wurde von geschulten Testern insgesamt siebenmal persönlich aufgesucht bzw. per Brief oder Telefon kontaktiert. Dabei informierten Fachkräfte häufig falsch über Arzneimittel. Oft erkannten sie die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten nicht – trotz einfacher Problemstellung und gezielter Nachfrage der Testkunden. Beim Kauf eines fiebersenkenden Mittels für ein dreijähriges Mädchen interessierte häufig nicht einmal die Höhe des Fiebers, und vielfach fehlte der Rat, unter bestimmten Umständen den Arzt aufzusuchen. Außerdem halten sich einige Apotheken nicht an die Pflicht, Rezepturen herzustellen.

Elf Apotheken müssen mit dem Urteil "mangelhaft" leben, darunter acht Versandapotheken. Nur sieben sind "gut", darunter kein einziger Versender. Insgesamt haben die Versandapotheken deutlich schlechter abgeschnitten als bei der letzten Untersuchung der Stiftung Warentest im Herbst 2007. Nur die Vor-Ort-Apotheken, die im Sommer 2008 zuletzt getestet wurden, schneiden besser ab. Vor Ort wurden Apotheken in Berlin, Essen, Nürnberg und Augsburg ausgesucht.

Testsieger ist die Apotheke am Westbahnhof in Essen. Sechs weitere Vor-Ort-Apotheken schnitten "gut" ab, darunter zwei in Nürnberg und vier in Berlin. Die Vor-Ort-Apotheken bieten zunehmend auch Preisvorteile beim Medikamentenkauf.

Viele Kooperationen unter einer Marke

DocMorris ist eine der bekanntesten Kooperationsketten.
DocMorris ist eine der bekanntesten Kooperationsketten.(Foto: dpa)

Insgesamt ist der Trend zu beobachten, dass sich Apotheken zu Partnerschaften zusammenschließen. Diese heißen dann DocMorris, farma-plus-, easy-, Linda-, vivesco-, Guten-Tag-Apotheken und Gesund ist bunt. Die Mitglieder der Apothekenkooperationen sparen beim Marketing oder geben als Einkaufsgemeinschaft Medikamente zu günstigeren Preisen ab. Allerdings – das zeigt auch die Auswertung der Stiftung Warentest – lassen sich aus den verschiedenen Markennamen keine einheitlichen Qualitätsstandards bei der Beratung ableiten. Jede Apotheke kocht da ihr eigenes Süppchen.

Besonders die Versandapotheken enttäuschten. Die Tester vergaben nur viermal ein "befriedigend", dafür elfmal ein "ausreichend" und achtmal sogar das Urteil "mangelhaft". Hier führen mediherz.de und mycare.de das Feld an. Sie sind mit einem "befriedigend" (2,6) nur knapp an einer guten Note vorbeigeschrammt. Bei vielen Versandapotheken stimmt die Beratungsqualität nicht. Die meisten liefern allerdings sehr zügig und bieten häufig aber keineswegs immer Preisvorteile gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung. Bei einem Preisvergleich müssen allerdings immer auch die Versandkosten mit einbezogen werden. Testsieger mediherz.de liefert beispielsweise ab einem Bestellwert von 15 Euro versandkostenfrei.

Geringer Nutzen

Unterm Strich ist der Nutzwert des Apotheken-Tests der Stiftung Warentest in Bezug auf die Vor-Ort-Apotheken gering. Von rund 21.600 Apotheken in Deutschland wurden 27 in einer Stichprobe getestet. Es nützt einem Münchner herzlich wenig, wenn er weiß, welche Berliner Apotheken gut beraten. Am sinnvollsten erscheint immer noch, sich vor Einnahme oder Anwendung von rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten von dem Arzt des Vertrauens beraten zu lassen. Chronisch kranke Menschen, die immer wieder die gleichen Medikamente erhalten oder kaufen, können diese bei Versandapotheken meist günstiger erhalten. Dabei sollte man sich allerdings nicht auf einen Versender einschießen, denn diese ändern häufig die Preise. Medikamentenpreisvergleiche im Internet liefern in diesen Fällen schnell einen Überblick.

Quelle: n-tv.de