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Antibiotikaresistente Keime Auch Schweinefleisch befallen

Immer mehr Menschen infizieren sich im Alltag mit antibiotikaresistente Keimen. Inwieweit das am Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung liegt, ist noch unklar. Fakt ist: Die sogenannten ESBL-Keime verbreiten sich mit besorgniserregender Geschwindigkeit. In einer Stichprobe finden sich die gefährlichen Keime auch auf Schweinefleisch.

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Auf jeder vierten Schweinefleischprobe fand das Labor mutierte Darmbakterien.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Antibiotikaresistente Keime sind nicht nur bei Hähnchenfleisch ein Problem. Nach einer Stichprobe des "Stern" könnte auch ein erheblicher Teil des in Deutschland verkauften Schweinefleischs mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet sein. Auf fünf von 20 Proben mit abgepacktem Schweinefleisch aus Frischetheken habe ein Fachlabor bei der bundesweiten Untersuchung "mutierte Darmbakterien der Art Escherichia coli" nachgewiesen, berichtet das Magazin aus seiner neuen Ausgabe. Die Bakterien produzieren demnach das Enzym ESBL, das verschiedene Antibiotika unwirksam mache.

Die Darmbakterien fielen "bei den üblichen Hygieneuntersuchungen von Lebensmitteln durchs Raster", weil nicht nach ihnen gesucht werde, schreibt der "Stern". Die Zahl der Infektionen von Menschen mit den Bakterien habe jedoch in den vergangenen fünf Jahren "stark zugenommen". Es gebe viele Hinweise darauf, dass ein massenhafter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg sei, sagte Elisabeth Meyer, Fachärztin für Hygiene an der Berliner Universitätsklinik Charité, dem Magazin.

Betrieben droht mehr Überwachung

ESBL-bildende Bakterien sind unempfindlich gegen bestimmte Antibiotika wie Penicilline. Die Bakterien an sich können harmlos sein. Für den Menschen können sie trotzdem gefährlich werden, weil die Gene für die Antibiotikaresistenz zwischen verschiedenen Bakteriengruppen übertragen werden können. Kommt es dann zu einer Infektion, etwa mit Salmonellen, bleiben die  eingesetzten Antibiotika möglicherweise wirkungslos.

Im November hatte in Deutschland eine Studie für Aufsehen gesorgt, nach der fast alle Hähnchen aus deutschen Mastbetrieben Antibiotika als Wachstums- oder Gesundheitsdoping erhalten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will nun auffällige Betriebe stärker überwachen, dafür bekommen die zuständigen Länderbehörden weitere Befugnisse. "Wir müssen die Haltungsbedingungen für Nutztiere verbessern, um den Krankheitsdruck und die Ansteckungsrisiken für die Tiere zu verringern", erklärte Ministerin Ilse Aigner (CSU). Die Ursachen für übermäßigen Antibiotikaeinsatz lägen "häufig in grundlegenden Hygieneproblemen oder Managementfehlern".

Quelle: n-tv.de, ino/AFP

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