Ratgeber

Baufinanzierungs-Kombiprodukte Bausparkassen täuschen Kunden

Eine Immobilienfinanzierung ist eigentlich gar nicht so schwer. Wenn die Haupthürden wie Finanzierungsumfang, Eigenkapital, diverse Nebenkosten und finanzierbare Monatsrate identifiziert wurden, geht es eigentlich nur noch darum, einen günstigen Kreditgeber zu finden. Dank Internet ist auch das leicht möglich. Mit nur einer Eingabe, nämlich der, des gewünschten Immobilienkreditbetrags, liefert unser Vergleichsrechner die 30 günstigsten Angebote.

Die meisten davon zeichnen sich durch immer mehr Flexibilität aus: "Bis zu zehn Prozent Sondertilgungsmöglichkeit, anpassbare Tilgungsraten, Laufzeiten bis zu 25 Jahre sind nur einige Parameter", zählt Robert Haselsteiner, Vorstand vom Immobilienkreditvermittler Interhyp, die Vorteile im n-tv.de-Gespräch auf. Im Prinzip einfache Produkte ohne Haken, die leicht zu durchschauen sind.

Um auf einem lukrativen Feld mehr Kunden für sich zu gewinnen, werfen die Bausparkassen Kombiprodukte auf den Markt, die den Kreditsuchenden viel versprechen: Hohe Sicherheit, feste Raten, niedrige Zinsen. Das Prinzip ist immer das gleiche. Per Kredit von der Bank wird ein Bausparvertrag bis zur Zuteilung zwischenfinanziert. Anschließend wird der Bausparvertrag abbezahlt. Die angegebenen Effektivzinsen von beiden Produkten hören sich zunächst günstig an. Der Teufel steckt jedoch bei den meisten Bausparkassen im Detail, wie die Stiftung Wartentest herausfand.

Schuld an der Verwirrung sind die Effektivzinsangaben. Lediglich die Huk-Coburg, Quelle-Bausparkasse, Debeka und Alte Leipziger geben einen Effektivzins des gesamten Kombiprodukts an. Bei den anderen Bausparkassen findet sich zwei Angaben: Der Effektivzins des Vorausdarlehens und des Bausparvertrages. In diesen Zinssätzen sind in der Regel weder die volle Abschlussgebühr für den Bausparvertrag noch die Sparbeiträge enthalten. Das hat zur Folge, dass die Zinsangaben mit den tatsächlichen Kosten nicht viel zu tun haben.

Aus 3,97 und 4,52 werden 5,74 Prozent

So errechnete die Stiftung Warentest beispielsweise bei der LBS Schleswig-Holstein-Hamburg bei dem Produkt "Familyplus" (100.000 Euro Kredit, 24 Jahre Laufzeit) einen Effektivzins von 5,74 Prozent. Die Effektivzinsangaben der Bausparkasse lagen jedoch bei 4,52 Prozent für das Vorausdarlehen und 3,97 Prozent für das Bauspardarlehen (Stand 3.12.2007). Der normale Menschenverstand suggeriert uns hingegen, dass der Effektivzins beider Produkte zumindest unter 4,52 Prozent liegen müsste, was leider nicht so ist.

Die meisten Kombiprodukte zeichnen sich zudem durch wenig Flexibilität aus. So lassen beispielsweise Badenia, Schwäbisch Hall, Wüstenrot, Quelle Bausparkasse und BHW keine Sonderzahlungen während der Sparphase zu. Zudem hilft eine Sonderzahlung während der Sparphase nichts, wenn – wie bei Huk-Coburg, Vereinsbank Victoria und Debeka – das Vorausdarlehen nicht ohne Nachteile vorzeitig abgelöst werden kann.

Während die Stiftung Warentest zwischen dem besten und schlechtesten Kombiprodukt bei einer Kreditsumme von 100.000 Euro und einer Laufzeit von 22,5 bis 24,5 Jahren zwar einen Kostenunterschied von 28.000 Euro ausmacht, bleibt trotzdem nur ein Fazit: Finger weg von Kombiprodukten der Bausparkassen, denn selbst die besten Angebote sind im Endeffekt nicht günstiger als ein einfaches Immobiliendarlehen. Lediglich bei benötigten Kreditsummen von unter 50.000 Euro stellen die guten Kombiprodukte im Test von Huk-Coburg (Konstantdarlehen K15 und K18), Badenia (Konstantdarlehen 24) eine Alternative dar.

Quelle: ntv.de

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